Letzten Mittwoch hatten wir unseren Pechtag, oder soll ich sagen, Horrortag?
Impfung.
Unsere Tierärztin kommt zu uns nach hause, um die letzte nötige Impfung unserer zwei Fellhäufen durchzuführen. Ich sperre alle zwei in den Wohnungsflur, damit ich sie nicht einzeln unter dem Bett herausziehen muss. Natürlich Panik und Entsetzen, als die Tierärztin hereinkommt. Ich bekomme Blicke, wie "Du hast uns reingelegt und verraten!". Friedrich unser großer, drückt die Türklinken und will sich verdrücken. Ich habe aber vorher abgesperrt. Zahnkontrolle geht nur widerwillig. Dann soll die Spritze ran. Ich drücke Friedrich auf den Boden, plötzlich reißt er sich nach oben. Die Tierärztin sticht sich selbst, was für ein Ärger. Zweiter Anlauf, ich packe das Nackenfell, halte ihn. Die Spritze kommt, sitzt, wieder raus, da reißt er sich wieder los. Es geht so schnell, dass ich nicht sehe, was passiert. Friedrich sitzt in der Ecke, und ich sehe überall Blut. Langsam kommt der Schmerz. Meine linke Hand ist im Eimer. Vom Handgelenk läuft der rote Saft herunter und irgendwas stimmt mit meinem Mittelfinger nicht. Ich lasse Friedrich ins Wohnzimmer flüchten. Schnell noch Nietzsche. Der ist kleiner und schwächer. Er zetert, aber die Spritze ist drin und er kann abhauen.
Die Tierärztin zückt ihr Desinfektionsspray und bearbeitet meine Hand damit. Aus vier, fünf Löchern läuft's raus. Mein Mittelfinger hat zwei Löcher, eins oben eins unten. Was da wohl passiert ist? Ich fluche. Wir verabschieden uns. Das Loch im Finger tut sauweh. Ich beschließe, das ist nix für meine Hausapotheke und fahre in die Bereitschaftspraxis. Bad im Desinfektionsmittel. Hmmm, der Biss ist wohl durchgegangen. Noch mehr Desinfektionsmittel, Verband rum. Die Kratzer um mein Handgelenk, drei Stück 7 cm sind tief, bluten aber nicht mehr heftig, da reicht ein Pflaster.
Zuhause bin ich immer noch käsebleich. Jetzt ein Bier. Wir gehen auf den Balkon, ich sitze auf dem Gartenstuhl. Meine Freundin steht hinter mir und raucht. Ich stehe auf, weiß nicht mehr warum, setze mich wieder hin. Noch während ich mich setze, merke ich, verdammt, da ist plötzlich eine Katze, reiße mich wieder hoch. Aber der Kater hat schon seine Hinterpfote in der Sitzplatte des Gartenstuhls verklemmt, faucht fürchterlich. Es ist dunkel, ich sehe ihn zappeln, versuche den Stuhl zu kippen, damit er rauskann. Plötzlich schreit meine Freundin, au, au, au. Ich sehe, wie der Kater - es ist Nietzsche weiß ich später - an ihrer Hand hängt. Ich lege den Stuhl um, Tohuwabohu, es ist dunkel. Ich sehe einen Katzenschwanz mit aufgestellten Haaren. Der Kater ist befreit. Meine Freundin jammert, wir stürzen ins Wohnzimmer. Wieder überall Blut. Es strömt aus ihrer Hand. Es tut so weh, sagt sie.
Was tun? Ich rufe in der Bereitschaftspraxis an, ich soll sie in die Bereitschaftspraxis fahren. Wie ohne Auto? Sie ist käsebleich und rutscht die Wand herunter, meint sie kippt gleich um. Mir reichts, ich rufe 112, sage denen, ich kann sie nicht mit dem Taxi transportieren. Ok, sie schicken jemand.
Tatsächlich sie kommen, diskutieren etwas, ob da ein Krankentransport gerechtfertigt ist, aber der Blutdruck gibt uns recht. Sie fahren sie ins Krankenhaus.
Ich komme nach, warte. Sie kommt raus, ein riesen Verband, hat Antibiotika bekommen. Wir sind fertig.
Donnerstag, mein Finger ist riesen dick, die Hand meiner Freundin tut höllisch weh. Ich gehe in der Früh zum Arzt, lasse meinen Verband wechseln, bekomme Antibiotika. Sie geht mittags zur Ambulanz. Sieht nicht gut aus, Eiter drin, bitte Freitag früh nüchtern kommen, wir operieren sie.
Mein Finger schwillt an, ich gehe am Abend noch mal zum Arzt, Verbandswechsel. Alles rot und blau. Der Kater hat durch meinen Finger durchgebissen.
Zuhause, beide Kater laufen mit gesenktem Blick umher, Nietzsche geht uns aus dem Weg. Er riecht noch nach dem Bier, das ich in meiner Panik verschüttet hatte.
Freitag,
ich muss auf Dienstreise, bereite die Utensilien mit meiner Freundin vor. Sie geht vor mir aus dem Haus zur OP. Mein Finger gibt eine Portion dicken Eiter ab, nicht so schön.
Ich komme um 5 Uhr Nachmittags ins Krankenhaus, meine Freundin ist gerade aufgewacht. Es sei gut gelaufen, habe man ihr gesagt. Mein Finger ist zumindest nicht mehr dicker geworden.
Zu Hause: Friedrich macht auf gute Stimmung, Nietzsche hält noch Abstand. Ich darf dennoch sein Bein anschauen. Er hat ordentlich Haare gelassen, humpelt nicht. Eine Vorderkralle ist eingerissen, etwas Blut ist dran, aber ich darf es anfassen, tut wohl nicht weh. Wenigstens der ist einigermaßen gesund.
Samstag,
sie muss morgens nüchtern bleiben, falls wieder operiert werden muss. Ich fahre zur Ambulanz, lasse meinen Finger anschauen. Es ist wohl jede Menge Blut, aber kein Eiter mehr drin, ich muss am Wochenende nicht mehr kommen, fahre dann zu meiner Freundin. Die muss ihre offenen OP-Wunden mit Desinfektionsmittel spülen. Fünf mal hat Nietzsche zugebissen (10 Löcher), mit voller Kraft, sogar die Schneidezähne haben Wunden hinterlassen. Der Operateur hat durch die Bisskanäle Schnüre gezogen, damit das Desinfektionsmittel durchläuft.
Bei Katzenbissen höre ich, werden die Wunden nicht genäht, wegen der Infektionsgefahr.
Sie bekommt zwei Antibiotika, als riesige Infusionsflaschen.
Zu Hause: Beide Kater sind noch schreckhaft. Später liegen sie bei mir auf dem Bett und lassen sich kraulen.
Sonntag,
sie kriegt morgens immer noch nix zu essen, aber dennoch keine neue OP, alles sieht gut aus, die Schnüre bleiben aber noch drin.
Ich fahre wieder heim. Während ich das schreibe, kommt Friedrich und reibt mir seinen Kopf in die Nase. Ich soll endlich Futter auffahren. Meine Nase juckt. Ich glaub, er weiß, dass ich allergisch bin.
Am Dienstag kommt meine Freundin vielleicht heim. Sie wird das Gebiss eines gähnenden Katers in Zukunft mit etwas anderen Augen sehen.