Also - ich denke das ist nicht so einfach zu beantworten wie es sich im ersten Moment anhört. Denn da gibt es mehr zu bedenken als auf den ersten Blick es ausieht.
Es ist richtig und wichtig, daß Kitten bei ihrer Mama sind - ja - aber: bei wildlebenden Katzen wäre ein verbleiben bis zum Alter von 12 Wochen für die Kleinen nicht gut und zwar 1. eben wegen gerade der Sozialisation, denn eine wilde Mama bringt den Kleinen ab dem Alter von ca. 8 Wochen alles bei, was sie weiß - inklusive der Menschenscheuheit. Menschen die bereit sind scheue Tiere mühselig zu zähmen gibt es nur sehr wenige. Das heißt: läßt man sie so lang bei der Mama wie man es gern hätte, verurteilt man sie damit ebenso zu einem Leben als Wildchen und die Kleinen werden in der Regel nur noch kastriert und wieder rausgesetzt oder sie sitzen für die näxten Jahre als unvermittelbare Scheue im Tierheim. Keine gute Variante....
Deshalb werden bei wilden Katzen die Kleinen im Alter von 6-8 Wochen von der Mutter getrennt - so hart sich das auch anhören mag. 2. Gebe ich zu bedenken, daß kleine Minihüpfer Draußen diverse Gefahren ausgesetzt sind - vom Autoverkehr über Fuchs über Krankheiten bis hin zu Tümpeln, Wasserbehältern usw. Wenn irgendwann eine wildlebende Mama mit 2-3 Kitten an der Futterstelle erscheint, kann man davon ausgehen, daß es ursprünglich 4-5 waren und der Rest nicht überlebt hat.
Dazu kommt, daß jedes Tier, was draußen groß wird ja dann auch erstmal wieder eingefangen werden muß - manchmal geht was schief beim fangen, eine Falle löst zu spät aus oder sonstwas und ein Tier entkommt und ist ab sofort dann Fallenscheu und dann sitzt man wochenlang jeden Tag dort und versucht das Tier wieder auszutricksen... jedes bereits gefangene Tier ist ein potentieller Nachwuchsträger weniger...
Deshalb plädiere ich bei Mamas mit Kleinen immer dafür: mitnehmen an Kleinen, was man kriegt und dann aber nicht es dabei bewenden lassen, sondern Futterstelle aufbauen und alles daran setzen alle Tiere zu kriegen und dann in der Pflegestelle eine Familienzusamnmenführung zu machen.
Deshalb fand ich es in dem ursächlichen Fall schon richtig, daß die Kleinen mitgenommen worden sind - aber man hätte jetzt nicht aufhören dürfen, sondern wie gesagt eine Futterstelle in der Nähe errichten müßen und mithilfe des Tierschutzes per Falle dann die restlichen Kitten nebst Mama auch einfangen müßen.
Erst wenn sich zeigt, daß die Futterstelle nicht benutzt wird kann man davon sprechen, daß die übrigen Tiere nicht mehr da sind.
Mir ist es allerdings lieber jemand nimmt die Kleinen mit, die er kriegt, als wenn gar nichts getan wird - denn wie gesagt: jedes Tier, was von draußen wegkommt ist ein potentieller Nachwuchsträger weniger und: für dieses Tier ist es Glück.
Im Tierschutz muß man viele Dinge leider pragmatisch sehen und darf nicht sich von einem Idealbild einer glücklichen Hauskatze leiten lassen - was nicht heißt, daß man einen Freibrief hat - aber es heißt, daß man einige Kriterien anders ansetzen muß, als bei Hauskatzen.