So einer Katze bin ich schon einmal begegnet. Es handelte sich allerdings um einen erst 7 Monate alten Kater.
Eine meiner Pflegekatzen ist zu diesem Kater als Zweitkatze gezogen. Wir haben drei Wochen lang das Pärchen, das sie adoptiert hat , intensive betreut, damit die Zusammenführung klappt. Der "Erst"-Kater kam aus einer nicht gut geführten Pflegestelle. Er wurde als Waise aufgegriffen etwa 5 Wochen alt und nie von anderen Katzen sozial erzogen. Nur von Menschen. D.h. ihm fehlten grundlegende soziale Katzenverhaltensweisen, die von der Mutter und Geschwistern normalerweise in den ersten Wochen beigebracht werden.
Dieser Kater hat auch unvermittelt zugebissen. Er kam an, verschmust, verspielt und dann, zack, zugebissen. Das waren keine Liebesbisse.
Der Kater meinte es nicht böse, er hat einfach nicht gelernt, dass beißen weh tut und man es nicht macht. Dem Pärchen wurde geraten, laut und forsch "Nein" zu sagen und das Spiel oder Schmusen sofort abzubrechen, sobald er beißt. Dann ignorieren. Wie gesagt, er war erst sieben Monate alt, und noch im Lernalter. Außerdem hat die Zweitkatze, mein Pflegling, ihm ordentlich eins übergezogen, wenn er sich aus ihrer Sicht daneben benommen hat. Sie war erst ziemlich verdutzt, und hat sein unkätzisches Verhalten nicht verstanden. Sie war zum Glück selbstbewusst genug, um ihm dann seine Grenzen zu zeigen. Sie ist mit einem Rowdy-Bruder aufgewachsen, gegen den sie sich manchmal durchsetzen musste, war also noch gut im Training.
Die beiden Katzen kommen nun prima miteinander klar. Sein Verhalten hat sich gebessert, und sie kennt seine Macken. Das Pärchen spielt sehr viel mit ihm und powert ihn richtig aus. Das hilft auch.
- Ich weiss leider nicht, ob das Verhalten bei einer 9-jährigen Einzelgängerin noch zu verändern ist. Ich vermute, Deine Neue wurde viel zu früh von Mutter und Geschwistern getrennt und dann in Einzelhaft aufgezogen. Sie hat entsprechend eine Verhaltensstörung.
Sie kann nichts dafür, und meint es nicht böse und hinterlistig. Sie hat nie gelernt, wie man sich benimmt. Meinst Du, Ihr findet trotzdem einen Weg, miteinander zu leben? Hättest Du die Möglichkeit einen Katzentherapeuten zu Rate zu ziehen, der sich ihre Dynamik mal ansieht und Auswege finden könnte?