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Diskutiere Mein Alles... im Regenbogenbrücke Forum im Bereich Katzenfreunde; Humphs Geschichte Mein geliebter Humphrey, ich weiß noch jede Einzelheit von dem Tag, an dem Du zu mir gekommen bist. Ich möchte die Geschichte...
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Isa

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Humphs Geschichte
Mein geliebter Humphrey, ich weiß noch jede Einzelheit von dem Tag, an dem Du zu mir gekommen bist. Ich möchte die Geschichte aufschreiben um noch eine kleine Weile so nah bei Dir zu sein. Ich bin an diesem Tag vor ungefähr 5 Jahren ins Tierheim gegangen und wusste insgeheim, daß ich nicht alleine wiederkommen würde. Kurz zuvor war mein kleines Igelmädchen Roswitha in der freien Natur auf- und davongewackelt. Ich hatte einen wunderschönen Winter mit ihr verbracht und irgendwie war da jetzt ein Platz leer. Im Kopf hatte ich noch die kleine Tigerkatze, die ich als Kind bei meiner Oma immer streicheln durfte. Oder eine ganz schwarze. Und alt solltest Du sein, denn bis dahin hatte ich nie lange Verantwortung getragen. Ich wollte ganz sicher sein, daß ich für Deine letzte Zeit voll und ganz Verantwortung übernehmen können würde. Ich war bis dahin wie eine verrückte in der Weltgeschichte herumgereist und die Vorstellung, Verantwortung zu tragen machte mir Angst. Ich wollte aber keinesfalls unbedacht etwas machen, denn wenn, dann will ich die Dinge hundertfünfzigprozentig zuende führen können. Ich hätte niemals so eine kleine Seele aufnehmen können um sie bei nächster Gelegenheit abzuschieben. Ganz oder gar nicht, das stand felsenfest.
Ein paar Tage zuvor, an einem Sonntag, hatte ich mich schon um das Freigehege des Tierheims herumgedrückt und dabei auch eine Tierheimmitarbeiterin angesprochen, die dort rumlief. Ja, sagte sie, ein altes Brüderpärchen haben wir. 17 und 19 Jahre alt. Über die Rasse sprachen wir nicht.
So ging ich also dann hin um mir diese Brüder mal anzusehen. Aber sie hatten Deinen Bruder schon vermittelt...ohne Dich. Du hast da auf diesem Kratzbaum gesessen und ganz griesgrämig geguckt. Ein Perser...nein, einen Perser kann ich nicht nehmen. Der ist zu hässlich. Entschuldige Humph, Du weißt wie schön ich Dich nachher fand. Und es lag auch nicht daran, daß sie Dir Dein Fell abrasiert hatten. Ich fand nur damals Perser so was grauenvoll gezüchtetes..nee das geht nicht. Ich musste aber immer wieder zu Dir zurück und habe geguckt...mit Deinen 17 Jahren warst Du einer, den ich ganz sicher bis zu seinem Lebensende betreuen und umsorgen konnte. Aber neee, er ist zu hässlich...na ja, ich muß ihn mal kennenlernen, ich geh mal rein zu ihm. Die Tierheimmitarbeiterin sagte solchen Quatsch über Dich: der ist ganz, ganz schmusig, schmeißt sich jedem sofort an den Hals. Nein Humph, das warst Du nicht. Du hast mich nur stumm und unverwandt und misstrauisch angesehen. Ich wollte Dich streicheln aber Du hast gemeckert und bist langsam und müde weggegangen. Ich habe dann da gesessen und gesehen, wie Du gezittert hast, wie Du einfach nur Ruhe wolltest. Nicht all die anderen Katzen, nicht das ewige, verrückte, laute Hundegebell von nebenan. Ruhe, bitte bitte Ruhe...OK, das geht, Ruhe kann ich Dir geben. Du sahst nicht aus wie einer der noch lange lebt, aber so sterben solltest Du auf keinen Fall. Wenn schon, dann umsorgt, mit liebevoller Behutsamkeit. Das was ich Dir geben konnte war ganz sicher mehr, als das was Du noch irgendwo finden konntest und ich wollte Dir im Grunde Ruhe, Würde und etwas Zeit geben, Dein Leben zu beenden. Zum Erstaunen der Tierheimmitarbeiterin sagte ich also, daß ich Dich nehmen würde. Obwohl Du Dich nicht rangeschmissen hattest. Hatte sie ja auch nur so gesagt um Dich begehrenswerter erscheinen zu lassen. Aber was wir, Du Humph und ich, in der Zwischenzeit abgemacht hatten, das hatte sie eh nicht mitbekommen.
Ich trug Dich da raus und draußen sagte noch eine Frau “da tun Sie aber eine gute Tat“ und ich sah das fast auch ein bisschen so. Ich wusste ja nicht, was Du Humph mir noch alles beibringen würdest...
Wir fuhren zu mir nach Hause und ich setzte mich auf den Boden und ließ Dich raus. Du bist misstrauisch und stolz, ohne mich einmal anzusehen einmal rundherum gegangen. Dann kamst Du zu mir... und bist an mir hochgeklettert und hast Deine kleinen lieben Vorderbeinchen ganz fest um meinen Hals geschlungen und hast Dich ganz fest an mich gedrückt und Deinen Kopf an meinen Hals gepresst. Ich war ganz hilflos und überwältigt und mit dieser Geste hast Du mir mein Herz rausgerissen. Du bliebst nur ganz kurz da und bist dann recht mühsam wegen Deiner doch schon alten Knochen auf den kleinen Kratzbaum geklettert und erschöpft eingeschlafen. In der folgenden Zeit war es schwer für Dich. Dein Bruder fehlte Dir wohl, ich hatte erfahren, daß Du Dein ganzes Leben mit ihm gemeinsam verbracht hattest. Und einen Tag bevor ich Dich holte, da hatten sie ihn getrennt von Dir vermittelt. Aber hätte ich mich denn auch gleich an 2 Kater herangewagt?
Du warst stumm und traurig. Manchmal kamst Du für 10 kurze Minuten zu mir aber bei mir zu sein konnte Deine schwere Depression nicht lindern.
Ich fing an rumzutelefonieren und nach Deinem Bruder zu forschen. Aber ich bekam nicht das Geringste heraus. Und Du hast Dich immer mehr gequält, besonders wenn Du ganz alleine warst. Es dauerte nicht lange, da fuhr ich wieder ins Tierheim und dann hab ich Dir Dorny mitgebracht. Deine Katze. Es war keine Liebe mehr, aber Du hast Dich viel weniger gequält und manchmal habt ihr sogar zusammen gelegen.
Als ich gerade dachte, daß wir nun das Gröbste eingerichtet haben, da bekamst Du ganz schlimmen, blutigen Durchfall. Ich brachte Dich sofort zum Tierarzt und er machte so einige Untersuchungen, auch Blutproben nahm er ab und dann hieß es Katzenseuche. Wie schlimm das war, wusste ich ja im ersten Moment gar nicht. Du warst 17 Jahre alt, noch keine 3 Wochen bei mir und hattest die Katzenseuche. Der Tierarzt sah es weniger dramatisch: „ tja, das war es dann wohl“ NEIN. Nein, nicht so. Die Geschichte konnte so nicht enden. Ich wusste das, ich war mir absolut sicher, daß es so nicht sein kann. Ich weiß nicht woher ich diese Gewissheit hatte. Aber noch mal: nein...nicht so.
Wir fingen also mit Behandlungen an. Ich hatte so verflucht wenig Ahnung und der Tierarzt wirkte mehr oder weniger genervt und bocklos. Dann bei Dir erste Besserung des Zustandes und er sagte „ dann braucht er jetzt keine Medikamente mehr“. Mir war gleich nach Protest zumute, aber ich dachte ich hätte zuwenig Ahnung. Medikament abgesetzt und Dir ging es sofort wieder ganz schlecht. Da reichte es, was ich bis dahin gelesen hatte reicht aus um mich für eine bestimmte Behandlung zu entscheiden. Ich ließ keinen Zweifel aufkommen, wie das ab sofort zu laufen hätte und da dieser „Tierfreund“ sich nicht in der Lage sah auch nur einen Termin außerhalb seiner Sprechzeiten zu legen und Du aber jeden Tag Spritzen brauchtest, da sind wir dann in der gesamten Region rumgereist. Mit Medikamenten und Behandlungsplan. Immer zu irgendeinem Notdienst, immer die Diskussion, daß Ich die Behandlung bestimme. Wir beide haben das durchgezogen und Du wurdest GESUND!!!
Unser Leben konnte also endlich anfangen und so war es dann auch. Wir sind langsam so zusammengeschweißt worden, ich weiß gar nicht mehr wie es ohne Dich war. Doch, obwohl Du mein Leben sehr verändert hast. Ich war schon immer ein Einzelgänger. Nicht alles in mir fand das immer nur gut. Hab zwar eine Menge auf die Beine gestellt, von dem ich stolz behaupten kann es alleine geschafft zu haben und ich war immer unabhängig und frei...aber auch einsam. Ich hatte nie ein zuhause. Bin in der ganzen Welt herumgereist. Alles phantastische Erlebnisse. Was ein Zuhause ist, das hast Du mir gezeigt, mein geliebter Humph.
Es ging ganz langsam, daß wir zwei uns immer näher waren. Du brauchtest auch Deine Zeit. Aber wir wurden einander immer näher und wichtiger. Ich war immer äußerst sparsam mit der Behauptung „Ich liebe Dich“ umgegangen. Bei Dir Humph, da war das irgendwann soweit. Und wenn das Menschen für noch so bekloppt halten. Irgendwann konnte ich Dir mit voller Überzeugung sagen „Ich liebe Dich, Humph“ Ja, man kann ein Tier lieben, rückhaltlos und ganz, ganz tief. Und es war ein so schönes und leichtes und heiteres Gefühl, daß ich Dich manchmal genervt habe, indem ich Dir tausendmal gesagt habe „Ich liebe Dich, ich liebe Dich, ich liebe Dich“ . ICH konnte lieben. Und Verantwortung übernehmen. Mit Leichtigkeit. Humph, Du warst nie eine Belastung für mich. Nicht eine Sekunde. Und nie mehr ist dieses Gefühl von tiefer inniger Liebe weggegangen. Nicht eine Sekunde.
Dann kam Indy, unser kleiner ausgeflippter Tiger. Sie kam mit Menschen überhaupt nicht klar. Hat sie angespuckt und angefaucht und ist ihnen mit den Krallen voran ins Gesicht gesprungen. Keine gute Vorraussetzung, wenn man leben will. Man fragte mich, ob ich es mit ihr versuchen will und ich sagte OK, als Pflegekatze. Inzwischen hatte ich das Selbstvertrauen, daß der Umgang mit Katzen nicht gerade zu meinen schlechtesten Fähigkeiten gehört. Ich habe Dich vernachlässigt in der Zeit. War immer mit Indy zusammen in einem Extrazimmer. Sie konnte noch nicht da raus, ich musste sie erst zähmen. Als es soweit war hast Du kleiner, großer Löwe sie akzeptiert ohne Probleme.
Du hast auch Frido akzeptiert, weil Indy ja noch so jung war und jemanden zum toben brauchte.
Dann wurde Dorny so krank. Ich hatte nicht den Mut die Verantwortung zu tragen über Leben und Tod und obwohl ich spürte, daß es nicht mehr ging, zwang ich sie zu leben. Das war falsch und ich hätte ihr manches ersparen sollen.
Dann kam ein menschlicher, männlicher Mitbewohner. Auch da war es Liebe und ich glaube bis heute daran, daß Du Humph mir den Mut gegeben hast, zu lieben. Es hielt nicht und Du Humph warst bei mir, als ich nicht wusste, wie ich den Schmerz aushalten soll.
Dann kam Xaloc und auch den hast Du akzeptiert. Danke Humph, daß Du sogar einen Hund ohne Probleme akzeptiert hast. Und als Xaloc eine Freundin bekam hast Du es auch mit Deiner unvergleichlichen Gelassenheit mitgemacht.
Du hattest einfach Vertrauen im mich und hast es mit getragen. Was auch passierte. Du hast Dich mit keinem von ihnen mehr tief anfreunden mögen, aber auf Zweisamkeit mit mir hast Du immer bestanden. Und obwohl wir nun ein ganzes Rudel waren, haben nie unsere Schmusestunden gefehlt.
Du warst sehr alt und Dein Rücken wollte nicht mehr. Du hast furchtbare Schmerzen gehabt und wir sind immer wieder und wieder beim Tierarzt gewesen. Wir haben immer einen Weg gefunden, auch als Du noch Deinen Schnupfen bekamst. Wir haben um jeden einzelnen Tag gekämpft. Humph, mein Schatz...in der letzten Woche habe ich aufgegeben. Du hast so geschrien vor Schmerzen und wir hatten doch alle Möglichkeiten der Therapie erschöpft. Liebster Humph, mich plagen entsetzliche Zweifel und Schuldgefühle, aber ich wollte Dich nicht sterben lassen, wie Dorny gestorben ist. Du hattest so eine Zähigkeit in Dir, Du hättest keinen Herzschlag oder so was bekommen. Verzeih mir geliebter Kater. Ich weine so viel um Dich und ich vermisse Dich so entsetzlich. Es ist kaum auszuhalten. Ich weiß nicht, weshalb ich es plötzlich für richtig hielt...
Ach Humph, ich werde mich natürlich um alle genauso weiter kümmern und zu jedem gibt es eine besondere Geschichte. Und ich habe alle furchtbar lieb. Xaloc liebe ich sogar annähernd so wie Dich. Dennoch weiß ich, daß für lange Zeit hier kein neues Tier mehr einziehen wird. Ich habe ohne Dich nicht den Mut dazu.

Ich liebe Dich, Humphrey!
 
  • Mein Alles... Beitrag #2
Liebe Isa,

als ich Deinen "Abschiedsbrief" gelesen habe hatte ich Tränen in den Augen. Ich hoffe das Du irgendwann nur noch an die schönen Tage mit deinem Kater Humphrey denkst und ich finde es sehr schön das Du auch für andere Katzen und Hunde da bist.

Ich habe auch zwei Tiger die ich als kleine Strolche bekommen habe (waren ausgesetzt) und möchte sie natürlich auch nie mehr missen obwohl ich weiß das irgendwann auch für sie die Zeit kommt (was hoffentlich noch lange dauert).

Solche Leute wie Dich müsste es mehr geben. DANKE :)
 
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