Es gibt eine neue Studie, die Modellrechnungen zufolge besagt, dass Sterilisation zur Kontrolle und Verringerung wild lebender Katzenpopulationen effektiver sei, als Kastration.
Mich würde sehr interessieren, was Ihr davon haltet.
Bisher gilt die Annahme, dass das Einfangen, kastrieren und wieder Aussetzen von Katzen (Trap-Neuter-Return) ein gutes Mittel sei, um wilde Katzenkolonien zu stabilisieren, und der wilden Vermehrung Einhalt zu gebieten. Die Argumente: Dadurch, dass die kastrierten Katzen weiterhin ihr Territorium bewohnten, ziehen keine/weniger neue (unkastrierte) Katzen nach. Es gäbe weniger bzw. keinen neuen Nachwuchs, weniger Krankheiten und insgesamt eine bessere Integration der Kolonie in ihr Umfeld, da weniger Kämpfe stattfinden (Reproduktion > nächtliches Geschrei zum Beispiel). Auch, dass kastrierte Kater weniger oder gar nicht mehr markierten, befördere die Akzeptanz im Zusammenleben von Wildkatzen und menschlicher Umgebung.
Der neue Ansatz behauptet nun, dass dadurch, dass die Katzen/Kater zwar durch Sterilisation unfruchtbar gemacht würden, aber ihr reproduktives und territoriales Verhalten beibehalten würden, noch effektiver sei, wilde Katzenpopulationen zu verringern.
Die Argumente (grobe Zusammenfassung): Kastrierte Kater sinken in der Hierarchie ab und so würden unkastrierte Kater leichter Einzug in die Population finden und sie übernehmen. Sterilisierte Kater hingegen wären zwar unfruchtbar, halten aber die Stellung, weil ihr (Kampf/Territorial/Reproduktions)Verhalten sich nicht von dem unkastrierter Kater unterscheide. Zudem würden Katzen, die von sterilisierten Katern begattet werden, in eine Scheinträchtigkeit fallen und so für ca. 40 Tage auch für unkastrierte Kater nicht empfänglich sein. D.h. selbst wenn sich noch unkastrierte Katzen in der Population aufhalten, würde die Wahrscheinlichkeit/Frequenz für Nachwuchs auch bei ihnen sinken.
Die Modellrechnung besagt, dass 82% einer Population eingefangen und
kastriert werden müsste, um sie nach 11 Jahren "beseitigt" zu haben. Hingegen würde derselbe Effekt nach 11 Jahren eintreten, wenn allein 35% eingefangen und
sterilisiert würden. - Wie gesagt, dem liegen Modellrechnungen zu Grunde und bisher keine Erfahrungswerte.
Also, wenn es nur darum ginge, wilde Populationen möglichst schnell und effizient "aussterben" zu lassen, mag das ja sein. Ich frage mich: Was ist mit der Lebensqualität der wilden Katzen und ihrer Umgebung? Wenn sie weiterhin kämpfen und rollig werden, bliebe die Wahrscheinlichkeit für Krankheiten und Krankheitsübertragung, Lärm und unangenehme Gerüche gleich hoch, als liesse man sie unkastriert. Was für ein Stress für alle Beteiligten, oder nicht? Und sind wir nicht auch dafür verantwortlich, dass diese Katzen ein möglichst gesundes Leben führen dürfen?
Andersherum: Je schneller die Population sich selbst beseitigt, desto weniger Katzen (insgesamt) müssten ein solches Leben führen.
Was wäre ethischer? Was meint Ihr?
Hier ein etwas ausführlicherer Artikel zur Studie, sowie ein Link zur Studie selbst:
http://now.tufts.edu/news-releases/feral-cat-study