Wollte hier mal wieder von meinem Kater Charly berichten.
Wir holten Charly vor 2 Jahren aus dem Tierheim, da war er fast 7 Jahre alt. Er war dünn und abgemagert, man sagte uns, das sei bei Persern normal. Es stellte sich aber heraus, dass er eine Zahnfleischentzündung hat, die man dort nicht bemerkt hatte. Anfangs wurde er mit Penicillin behandelt, dann mit Antibiotika, als das nichts half mit Kortison. Es stellten sich daraufhin immer kurzfristige Besserungen ein (zwischen 2 und 4 Monaten), die Entzündung verschwand aber nie ganz zumindest wurde er aber kräftiger und war bald von 3,5 kg auf 4,5 kg.
Charly zeigte uns immer sehr deutlich, wenn es ihm schlechter ging. Dann kam er nachts mehrfach an und wollte schmusen. Er verweigerte das Futter und am Quälendsten für uns war, wenn er gemütlich am Schlafen war, plötzlich aufsprang, den Kopf schüttelte, dabei herzergeifend schrie und dann vor sich selbst weg lief. Sein Fell war dann struppig und schuppig.
Den Sommer über ging es ihm gutund zum herbst hin, wurde es wieder schlechter. Ende letzten Jahres war es nach einem Umzug wieder sehr schlimm. Von diesem Zeitpunkt an bekamen wir die Entzündung bis heute nicht richtig in den Griff.
Ich ging zum Tierarzt und Charly bekam mal wieder Antibiotika. Zu dem Zeitpunkt war ich meinem Tierarzt gegenüber schon mißtrauisch und informierte mich in Foren, was man noch tun könnte. Der Tierarzt riet mir zu einer Zahnsteinentfernung innerhalb des nächsten viertel Jahres. Gesagt, getan, man versprach mir eine deutliche Besserung. Die stellte sich ein, hielt allerdings nur 3 Tage an. Es gab wieder Antibiotika und ich suchte nach einem Fachtierarzt für Zahnheilkunde und machte einen Termin.
Diesen Termin verlegte ich dann aber vor, weil Charly heftigst Durchfall und Erbrechen bekam und innerhalb weniger Tage 500 g abnahm, ich dachte, er stirbt. Er wurde untersucht und gründlich durchgecheckt. Blutwerte, Röntgenbild, FIP, FIV - alles in Ordnung. Es zeigte sich aber, dass der vorherige Tierarzt gründlich gefuscht hatte. Die Antibiotika, die er bekam, waren völlig ungeeignet. Ein Zahn steckte abgebrochen im Kiefer und hätte entfernt werden müssen, ein Blutbild wurde nie gemacht, Kortison sei total "out of date" und bei der Zahnbehandlung hatte man ihm das entzündete Zahnfleisch einfach abgeschnitten, sodass die Zahnhälse frei lagen. Ich war einigermaßen fertig nach dieser Diagnose und heulte die ganze Rückfahrt über (60 km).
Charly mußte eine Woche später eine weitere Zahnbehandlung über sich ergehen lassen, keine 8 Wochen nach der ersten. Der Zahn wurde gezogen und die Zähne insgesamt nochmal poliert und fluoriert. Der Kiefer wurde geröngt. Er hat zwar FORL, die Ursache für die Etzündung sind aber wahrscheinlich Calici-Viren. Man könnte einen Abstrich machen, das würde aber nichts bringen, weil man die Viren eh nicht bekämpfen könnte. Die Reißzähne müssen irgendwann mal raus, allerdings sollten sie so lange wie möglich drin bleiben, weil Charly fast ausschließlich ToFu frisst und mit der kurzen Schnauze eh schon schlecht fressen kann.
Charly bekam dann täglich Denticour Guard und Aloclair Gel aufs Zahnfleisch geschmiert, für Notfälle bekam ich Metacam mit, ein Schmerzmittel. Leider entzündete sich die Wunde und ich mußte ihm wieder Antibiotika geben und das Denticour absetzen, wil das enthaltene Chlorhexidin das Zahnfleisch reizen könnte.
Die Antibiotika führten wieder zu Durchfall und Erbrechen und ich mußte lernen, sie zu injizieren, weil die Entzündung mittlerweile den Kiefer angegriffen hatte. Ich ließ mir das Injizieren bei einem anderen Tierarzt zeigen, weil meiner ja soweit weg war. Dort mußte ich mir blöde Sprüche anhören: "Na, sind wir jetzt unter die Hobbytierärzte gegangen?". Egal, es wurde besser.
Einige Tage nach Absetzen der Antibiotika ging es ihm wieder schlecht. Ich probierte das Notfallmittel Metacam, was auch half. Ich sollte es allerdings erstmal nur 6 Tage geben, danach ging es wieder los. Charlys Gewicht ging in dieser Zeit auf und ab und mir ging das Ganze ganz schön an die Nieren.
Vom Tierarzt bekam ich dann homoöpathische Mittel, die ich ihm 14 Tage lang geben sollte. Da sich keinerlei Besserung (eher das Gegenteil) einstellte, griff ich wieder auf Metacam zurück, gab die homoöpathischen Mittel aber weiter. Am 10. Tag wieder Durchfall und Erbrechen und ich setzte alles ab. Am nächsten Tag ging es ihm gut. Das war letzte Woche.
Am Dienstag war ich dann nochmal beim Tierarzt zur Kontrolle. Das Zahnfleisch hatte sich schön zurück gebildet und wir entschlossen und spontan, ihm felines Omega-Interferon in die entzündeten Stellen zu injizieren. Beim letzten Mal war das "mangels Substanz" nicht möglich gewesen. Nach 3 und 6 Tagen spritze ich ihm dann nochmals Interferon subcutan. Außerdem bekommt er zur Entgiftung und zur Nährstoffzufuhr Mikronährstoffe und bis auf weiteres Metacam gegen die Schmerzen. ich versuche es erstmal nur alle 3 Tage zu geben und werde den Intervall dann langsam verlängern.
Heute geht es ihm sehr gut. Er ist aktiv, hat gläzendes Fell, er frisst (!!!) und scheint ganz glücklich zu sein.
Das Interferon ist die letzte Chance. Die Zähne können wir ihm nicht ziehen lassen, da er 1. eine Heilungsstörung hat, 2. die Prognose nur bei 50/50 liegt, 3. wir nicht wissen, was er dann fressen soll. Ich versuche schon länger, die Ernährung umzustellen, aber er mag nur Whiskas Trockenfutter und das kann er zumindest in der ersten Zeit dann nicht mehr fressen. Ich befürchte, dass er mir verhungert.
Na ja, hoffen wir das Beste....