Was die domestizierte Katze „wirklich“ ist? Keine Ahnung.
Hier einfach ein paar Gedankensplitter – ungeordnet:
Für mich ist die rein in Wohnungshaltung lebende Katze in einer absoluten Sondersituation. Sie hat da de facto ein sehr eingegrenztes Revier, aus dem sie nicht herauskommt. Und dieses Revier muss, darf oder soll (je nach Sichtweise) sie mit anderen Artgenossen teilen – oder auch nicht. Die Entscheidung darüber trifft – im Gegensatz zu Sozialkontakten von Freigängern – eine andere Spezies, nämlich der Mensch.
Lese ich hier im Forum von „Stapelkatzen“, die ich weder habe noch persönlich kenne, dann muss ich zu dem Schluss kommen: das ist gut für die Katzis, denn selbst in einem mehr oder weniger engen Wohnungsraum rücken sie sich „aus freiem Willen“ viel dichter „auf die Pelle“, als sie es eigentlich müssten. Daraus leite ich ab: Den Katzis geht es gut!!!!!
Lese ich hier im Forum über Zusammenführungen, dann denke ich manchmal (nicht immer) oder frage mich: Tut man den Katzen wirklich einen Gefallen? Es heißt hier oft – und manchmal sogar mantramäßig: Solange kein Blut fließt, ist alles gut. Das schreiben selbst Leute, die das nie erfahren, sondern lediglich gelesen haben. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich mit diesem „kein-Blut-Kriterium“ meine Probleme habe. Anders ausgedrückt: Solange es keinen offensichtlich Krieg gibt, ist deshalb doch auch nicht gleich Frieden… Und nach Monaten einer aufwendigen Zusammenführung ist man glücklich, wenn zwei Katzis zumindest parallel leben…
Habe anfangs zwei Parallelkatzis gehabt: Daisy, mein Sternchen, und Lucky. Und bin der festen Überzeugung, dass Daisy lieber Einzelkatze gewesen wäre. Nein, da gab es keinen Krieg und kein Blut. Aber z.B. egal, welchen Schlafplatz sich mein Mäuschen ausgesucht hatte, Luckylein, ein im übrigen ausgesprochen freundlicher Kater, machte ihn ihr subtil streitig. Lucky wollte Kontakt zu Daisy, Daisy aber nicht zu Lucky. Manchmal hat sie ihn angefaucht, und dann war auch gut. Dennoch: Hätte Daisy allein bei mir gelebt, wäre dies – trotz Berufstätigkeit – nicht schlechter für sie gewesen. Das sagt zumindest mein Bauchgefühl.
Dem Lucky habe ich vor sieben Monaten quasi einen kleinen und super sozialen Quincelmann vor die Nase gesetzt. Sie kuscheln nicht miteinander, sie putzen sich auch nicht gegenseitig. Allerhöchstens gibt es mal einen Schleck. Sie schlafen getrennt. Sie raufen und balgen miteinander, sie tarieren gegenseitig Grenzen aus, achten aber auch Grenzen, beschnüffeln sich mehrmals am Tag. Das läuft richtig gut, sagt zumindest mein Bauchgefühl.
Natürlich gibt es auch Stress, aber Stress ist ja nicht immer und unbedingt negativ. Ich sehe bei beiden eine Entwicklung ihrer Beziehung bzw. im Zusammenleben. Der Kurze hatte am Anfang die Hosen an, Luckylein hat sich schnell ins Schlafzimmer verzogen. Ist jetzt nicht mehr so, habe das Gefühl, beide Kater haben sich - jeweils in gegenseitig kompatiblen Hosen - sehr gut miteinander eingelebt.
Ein für mich nicht aufzulösendes Dilemma: Ich finde (gefühlt) ausschließliche Wohnungshaltung für Katzen absolut nicht gut. Diese Begrenztheit des Reviers oder Territoriums…
Andererseits: Ich würde nie und nimmer meine Katzis in den Freigang schicken. Es sei denn, ich wohnte sehr anders als jetzt, was unrealistisch ist.
Ich lebe auf 80qm mit meinen beiden Katerchen – mit einer sehr beliebten und vernetzten Mini-Terrasse. Aus meiner Sicht, die man ja nicht teilen muss, sollte soviel Platz schon sein, damit sich meine Zwucks auch mal aus dem Wege gehen können bzw. auch gewisse Rennstrecken haben. Erhöhte Catwalks sowieso.
Mein Fazit: Man kann nicht alles über einen Kamm scheren. Es gibt keine eineindeutigen Regeln oder Lösungen. Dogmatik hilft sowieso nicht, sondern eher ein individuums-spezifisches und damit differenziertes Vorgehen.