Heute ist meine Mina von uns gegangen. Sie hat bis zum Ende gegen ihren Krebs gekämpft und das bestmögliche aus der restlichen Zeit gemacht.
Vielleicht kennt der eine oder andere ihre Geschichte. Den letzten Monat ihres Lebens habe ich hier im Forum begleitet:
https://www.katzen-forum.de/tumore-geschwuererkrankungen/72008-mina-gefahr.html
Unfassbarer Schmerz macht sich breit in mir. Ich habe einen Text verfasst vor etwa einem Monat, als die Diagnose Krebs kam. In diesem Text habe ich mein bisheriges Leben mit ihr reflektiert. Den möchte ich ihr hier widmen. Unsere gemeinsamen Erinnerungen, die Liebe, das sind die einzigen Dinge, die mir noch bleiben.
Wenn ich jetzt auf den Text zurückblicke, kann ich sagen, den letzten Monat haben wir das Beste gemacht, und wohl auch zur richtigen Zeit alles beendet.... sie hat noch einen schönen Monat verlebt, und sie hat niemals aufgegeben, nicht mal heute, als es für sie Zeit wurde, zu gehen.
Meine kleine Mina. In ewiger Liebe. Das hier ist für dich:
Mina,
schau uns an, wo wir jetzt sind. Wieso mussten wir so enden?
All die Wochen, die wir gekämpft haben, vor Allem du, meine kleine Maus.
Du bist schon immer eine Kämpferin gewesen. Unser Kampf ist nun fast vorbei.
Ich sehe dich heute an – wie du dich nach der Narkose vorhin tapfer durch die Gegend schleppst - und weiß noch genau, wie ich vor sieben Jahren in das Tierheim in der Nähe von Leer gekommen bin, in diesen großen Raum, in dem mich direkt die aller süßesten Kätzchen von allen Seiten angesprungen haben, als wollen sie sagen „Nimm mich mit, ich bin doch die Tollste von allen hier.“ Ich ging durch den Raum, sah eine riesige Futterschüssel, an der mehrere Katzen fraßen. Eine Kleine stand daneben. Das war deine, wie ich später erfuhr, nur deine und von keiner anderen Katze. Ich schaute zum Fenster, gerade fiel ein Sonnenstrahl hinein – schön, denn es hatte den ganzen Tag geregnet. Dann sah ich dich. In der Sonne leuchtete dein schneeweißes, dickes Fell und du hattest die Augen im Genuss der warmen Sonnenstrahlen geschlossen. Die Sonne hast du immer geliebt, wie sie dich gewärmt und aufgehitzt hat, deine eigene Sauna. Ich ging zu dir, fragte die Wärterin, wie du heißt. „Mina“. Was für ein schöner Name. Heute weiß ich seine wirkliche Bedeutung. Streicheln wollte ich dich, du warst die Majestät der Katzen, weit über allen Anderen erhoben auf deiner Fensterbank, mit deinem eigenen Fressnapf, und den Sonnenstrahlen in deinem Fell. Heute weiß ich, dass DU meine Sonne bist. Damals war aber das erste, was ich von dir bekam, erst einmal einen deftigen Schlag auf meine zum Streicheln ausgestreckte Hand. Warum es so war, weiß ich nicht, aber danach hast du dich sofort an mich ran gedrückt und wolltest nicht mehr gehen. Ich habe mich für dich entschieden, und du bist auch heute noch bei mir. Du willst noch immer nicht gehen, aber bald muss ich dich gehen lassen.
Damals nahm ich dich mit nach Hause, 1 Jahr alt warst du ungefähr. Man hätte dich wohl aus einem Fluss gefischt und danach warst du in keinen guten Händen, ein gebranntes Kind. Und taub seist du, deswegen dürfte man dich niemals rauslassen. Also, taub bist du definitiv nicht, jedes meiner liebevollen Worte, die ich dir die ganze Zeit zuflüstere, während du dich aus deiner Narkose aufrappelst, hörst du ganz genau, und versuchst, zu mir zu strumpeln. Meine arme Maus...
Das dachte ich auch, als du das erste Mal schreiend bei mir auf dem Schoß gesessen hast im Auto meiner Schwester, von Tierheim Richtung deines neuen Zuhauses. Autofahren hasst du über Alles. Wie oft ich dich in letzter Zeit dazu zwingen musste... das tut mir von tiefstem Herzen Leid. Du sollst nicht mehr oft so gequält werden. Vor sieben Jahren war ja noch gar nicht abzusehen, wie es mit uns werden würde. Da war erstmal wichtig, dass du mir im Auto volle Kanne den gesamten Schoß vollgepinkelt hast. So kam ich also mit vollgepullerter Hose und einer Katze zu Hause an. Mama meinte direkt, ich soll dich bloß wieder weg bringen. Heute weiß auch sie, dass unserem Leben so viel Glück, Spannung und Liebe, aber auch so viel Trauer fern geblieben wäre, hätten wir dich nie aufgenommen.
Du warst die ersten Tage nur bei mir oben, in meinem alten Zimmer. In den Nächten hast du dich zu mir ins Bett geschlichen, da hatte ich noch Respekt und ein bisschen Angst vor dir. Heute macht mein Herz jedes Mal einen Freudensprung, wenn du zu mir kommst, denn die Momente, die wir noch haben, sind wohl bald erschöpft.
Bald war klar, dass du dein Königreich ausweiten wolltest. Dir war mein Zimmer mit deinem dortigen Thron, einem riesigen, blauen Sessel (auf dem mein erstes Bild von dir entstand) und deiner majestätischen Aussicht über die Stadt und alle Nachbargärten (inklusive feindlicher Katzen) nicht genug, auch das gesamte obere Stockwerk reichte dir nicht. Das ganze Haus war also dann nach kurzer Zeit DEINS. So wie du jetzt, Jahre später, Nicos und meine Wohnung auch komplett in deiner Hand hast. Alles wurde nach dir ausgerichtet, du hattest deine Ausguck-Punkte in allen Himmelsrichtungen. Einer deiner Lieblingsplätze, ein Sitzkäse mit roter Plüschdecke, der immer am größten Fenster stand, Blickrichtung zum Garten, den du gerne bewacht hast, ist nun hier in der Wohnung. Er ist mit dir vor 2 Monaten umgezogen. Du benutzt ihn mittlerweile kaum noch, denn du bist sehr krank geworden vor einem Monat.
In deinem alten Zuhause bist du der Sonne nach von Fensterbank zu Fensterbank gezogen. Die Sonne hat dich oft gelenkt. So wie dein Handeln und Befinden mich jetzt lenkt. Wahlweise hast du auch deine Gegner jenseits der Fensterscheiben verfolgt, die Scheiben eingesabbert und sämtliche Blumentöpfe von der Fensterbank abgeräumt. Dies war manchmal auch aus Protest, wenn Mama mal zu lange weg war. Natürlich warst du immer bestens umsorgt. Oft kam Oma, um dich zu füttern, wenn keiner da war. Du hast dich selbstverständlich nicht säglich von ihr streicheln lassen – du hattest immer schon deine spezielle Weise, Menschen einzuteilen. Wenn Mama wieder da war, durfte sie sich erstmal eine Standpauke anhören, sich nachts von dir in den Zeh beißen lassen und spielerisch angegriffen werden. Mit Vorliebe nachts und früh morgens. Auch ein kräftiger Sprung in ihre Magengrube, wiederholtes Rumgefummel in ihrem Gesicht und andere Methoden wusstest du klug anzuwenden, um Mama zum Fressen machen zu bewegen. Kaum erwähnenswert ist, dass aus dir mit den Jahren aus einem dürren, schüchternen jungen Mäusemädchen eine doch recht korpulente, sehr bestimmende und starke Walküre geworden ist. Ich habe dich immer geliebt, alle deine Menschen lieben dich. Deine Menschen hast du dir gut ausgesucht und niemals vergessen. Auch, als ich auszog und dich nicht mehr jeden Tag gesehen und an deinen Fensterbänken mit deiner Lasermaus, die hier in der Wohnung gerade nutzlos rumliegt, geärgert habe,... du hast mich nie vergessen. Egal, wie lange ich weg war, egal, in welches Land es mich zog, Zuhause erwartete mich meine Mina, die mich mit freudig aufgerichtetem, zitterndem Schwanz und tausend Kuschlern immer wieder begrüßt hat. Du warst für mich ein großer Teil von „Nach Hause kommen“. Fast drei Jahre nun lebtest du alleine bei Mama, während ich in Heidelberg studierte und in einer Dreckloch-Wohnung hauste. Trotzdem war meine erste Frage an den Vermieter: sind Katzen erlaubt? Denn es war immer klar, ich würde dich holen. Die ersten Jahre, in denen ich froh war, eine Wohnung zu haben und in keinem Studentenwohnheim leben zu müssen, musste ich ohne dich verbringen. Nach meinem Auslandssemester in Japan sollte aber eine neue Wohnung her – und mit der solltest du kommen. Welche Erlebnisse du mit Mama in all den Jahren hattest, das wisst ihr beide besser. Ich weiß nur, dass diese Zeit für Mama sehr wertvoll war, und sie dich sehr liebt. Vielleicht kennt sie dich auch besser als ich, vielleicht vermisst du sie... du kannst es mir nicht sagen. Ich weiß, dass Mama dich sehr vermisst. Und bald werden wir dich alle für immer, sehr vermissen.
Mit der neuen Wohnung kamst tatsächlich endlich du – meine Sonne. Dein Königreich wurde vorher für dich tip top hergerichtet. Und deinen Hofstaat brachtest du mit. Zum Glück waren alle Sorgen wegen des langen Umzuges mit über 6 Stunden Autofahrt und totaler Umgewöhnung schnell verflogen – du warst beim Autofahren wenigstens dieses eine Mal ein ganz liebes Mädchen. Vielleicht wusstest du, dass dich nichts böses erwartet. Hier hast du alles direkt super neugierig begutachtet. Nie werde ich vergessen, wie du mit deinem Henkelschwänzchen alles erkundet hast, mit deinen riesigen Glubschaugen ganz genau jede Sprungdistanz austariert hast und sehr kritisch und missmutig eben solche Plattformen, die du nicht erreichen konntest. Jetzt gerade schleppst du dich zu mir...ich höre auf zu schreiben... Nun warst du bei mir, in einer kurzen unachtsamen Sekunde hast du tatsächlich versucht, aufs Sofa zu springen. Habe versucht, dich abzufangen. Du bist gestürzt. Benommen liegen geblieben. Habe dich auf meinen Schoß gelegt. Du hast alle Anspannung von dir Fallen lassen. Die Augen geschlossen. Sehr flach geatmet. So lagst du da. Ich dachte, wir dachten, du würdest jetzt von uns gehen. Es war wirklich so eine Situation. Ich habe gesagt, du musst noch nicht gehen, du kannst doch noch einige Wochen, Monate, leben, so sagte der Arzt heute. Du wurdest gerade immer schwächer. Was sollte ich tun... einen Notarzt haben wir gesucht. Auch Nico dachte, du gehst jetzt. Ich habe gesagt, du kannst gehen, wenn du willst, ich bin dir nicht böse. Aber...versuch es doch nochmal. Du kannst noch so viel machen in der Zeit. Und da hast du dich aufgerappelt und wolltest wieder weiter durch dein Herrschaftsgebiet pilgern. Ich half dir runter vom Sofa – das kannst du nicht mehr alleine, jedenfalls im Moment, wo du von der Narkose noch so fix und fertig bist, allerdings schon seit fast 8 Stunden nun... vorhin hast du auch erbrochen. Wahrscheinlich Folgen von der Narkose. Doch erinnert mich das an den Tag vor etwa zwei Monaten, an dem unser Weg abwärts begann. Immer wieder hast du dich erbrochen, wir waren bei den verschiedensten Ärzten. Zu viele Haare verschluckt, Ohrmilben, entzündetes Zahnfleisch... all das waren angebliche Gründe. Ich rege mich so sehr über all diese Penner auf, die dir vielleicht schon viel eher hätten helfen können. Zu den unmöglichsten Tagen und Tageszeiten, an dem kein normaler Tierarzt arbeitete, wurdest du immer kränker. Eine Tierärztin, die Hausbesuch machte, haute dir einfach auf Verdacht zwei Spritzen rein. Am selben Tag sind wir direkt zu einem weiteren, vermutlich sehr guten Tierarzt, gekommen. Leider machte der kurz darauf Urlaub – so kamen wir zum Tierarzt Nummer fünf. Der hat dir endlich geholfen mit Cortison. Damit ging es dir nach so langer Zeit wieder gut. Du hast gar nicht mehr gebrochen, warst viel vitaler, aktiver. Fast so wie früher. Aber eben nur fast. Dein Wesen hat sich verändert. Du bist nicht mehr so sehr verschmust wie früher, hast viel mehr Hunger, der Hunger bestimmt dich jetzt, er ist deine neue Sonne. Aber... dir geht es gut, soweit ich es sagen kann. Zahlreiche Behandlungen mit Höhen und Tiefen, mit vielen Tränen brachten uns auf den Pfad, den wir heute abschließen wollen. Es wurde von einer lebensbedrohlichen Situation ausgegangen, eine chronische Entzündung...oder etwas Tumoröses. Viele Tests, Röntgen, Blutbilder, sprachen mal für Entzündung, mal für Krebs. Am Ende sah es für dich eigentlich wieder gut aus, man sprach von „Etappensiegen“ gegen deine noch unbekannte Krankheit. Immer wieder schöpfte man Hoffnung. Auch wenn klar wurde, dass es dir ohne Cortison nicht mehr gut gehen würde. Ein Bluttest nach zwei Wochen sollte dann endgültig eine Entzündung bestätigen oder eben nicht. Zwei Wochen, in denen es dir gut ging. In denen wir schöne gemeinsame Momente erlebten. In denen viele Bilder entstanden. Eines davon habe ich zu diesem Text dazu gestellt. Es zeigt, wie ausgelassen sie ist..und eben, dass ihr Leben noch lebenswert ist. Meine Mama war zu Besuch in der Zeit. Dein zweiter Mensch, in deinem...leider doch zu kurzem Leben. Du hast dich von ihr verabschiedet. Sie hat geweint, es war ein sehr schlimmer Moment, als sie wieder nach Hause fahren musste. Wahrscheinlich wirst du sie nicht mehr wieder sehen, aber zum Glück weisst du es nicht...oder wusstest du es doch? Und hast deswegen die wenigen Tage, wie Mama hier war, sie jede Nacht belagert und viel mit ihr geschmust? Ich denke ja. Ich weiß, du liebst sie sehr. Nach den zwei Wochen stand trotz jedes Gebetes, das ich an meine und deine Schutzengel jede einzelne Nacht vor dem Schlafengehen richtete, fest... wir müssen in eine Tierklinik, CT und Ultraschall machen. Es sah nicht gut aus.
Eine weitere Woche ging ins Land, in der es dir auch super ging. Keinen Tag ließen wir dich gerne länger als ein paar Stunden allein. Letzten Samstag musste es sein, da hatten wir in der Uni ein ganztägiges Seminar, aber auch da wurdest du von Nicos Mama bestens versorgt. Immer ist jemand für dich da. In so einer Zeit halten alle zusammen. Für dich. Für uns. Nun wurden wir heute wieder von Nicos Mama gefahren, nicht zum Tierarzt, aber in die Tierklinik, denn der Abklärungstermin ist nun gekommen. Der war heute. Immer widerspenstiger wurdest du, wenn man dich in die Transportbox verfrachten musste. Wo du vor Wochen noch freiwillig reingingst, später vor Schwäche dich nicht wehren konntest, das war die letzten Male eine Tortur, denn dir ging es super und du warst vital. Aber mir hast du immer vertraut, auch, wenn du große Angst hattest. Oft musste ich dein Vertrauen zu deinem Besten missbrauchen. Es tat mir jedes Mal unendlich weh, dich in dieser Box schreien und weinen zu sehen. Eines der Male warst du dazu noch vollkommen überhitzt und am hecheln, ich hatte solche Angst. Aber du hast immer weiter gekämpft. Du bist meine kleine Kämpferin. Auch gerade kämpfst du wieder, du versuchtest, auf deinen hohen Kratzbaum zu kommen, den du vor Kurzem noch gehasst hast, roch er doch nach fremden Katzen. Mit deinem „Aufladesprung“ wie Nico ihn immer benannt und synchronisiert hat, bist du da hochgeschossen wie Prinzessin Peach aus den Mario-Spielen. Gerade ist dir das nicht gelungen. Die Narkose hält dich davon ab. Ich bin stocksauer auf diese Tierklinik. Sie hat zwar Ergebnisse geliefert, aber offensichtlich viel zu stark deine Narkose dosiert. Ich bete, du kommst auf die Beine. Auch wenn ich sehe, dass meine Gebete um deine Genesung nichts genützt hatten. Ich muss nicht beten...ich muss auf dich vertrauen. Du vertraust mir auch immer aufs Neue, auch wenn du in letzter Zeit bei jedem Schuhe-Anziehen direkt Angst hattest, du müsstest wieder in die Transportbox. Das will ich dir ab jetzt ersparen. Du sollst endlich Ruhe finden. Die Narkose-Spritze wirkte rein gar nichts. Du hast dagegen angekämpft. Es musste eine zweite gesetzt werden, auch die hat dich anscheinend lange unbeeindruckt gelassen. Ich hoffe, dass man dir, als man dich von mir wegtrug und ich dir sagte „Wach ja wieder auf!“ , nicht noch eine Spritze gegeben hatte. Du hast tapfer gekämpft und trotz Spritzen dem blöden Arzt noch voll eine mitgegeben, dass das Blut spritzte. Ich kann nicht sagen, dass er ein böser Mensch ist. Aber, du hast schon lange vor uns gewusst, welche Menschen böse sind. Du konntest schon lange vor uns sehen, welche Menschen für uns schädlich sind. Du hast uns beschützt. Diese Menschen hast du durchschaut und ihnen direkt eine verpasst. Danke, meine Kleine. Danke. Du wachtest heute aus der Narkose nur langsam auf. Man führte uns in eine Raum mit zwei Bildschirmen und zeigte uns – zugegebenermaßen recht mitfühlend – was du hast.
Lungenkrebs. Ein Karzinom, oder so. Vollkommen egal, wie es heißt. An sich wäre er operabel gewesen. Doch er hat an die Bronchien 30-50 Metastasen gebildet.
Den Todesurteil. Das Ende meiner Hoffnung. Das Ende meiner Gebete. Der Anfang vom Ende unseres Weges. Meine Sonne wird bald erlöschen. Wochen, Monate könne es noch dauern. Mir wurde versichert, dass ich merken würde, wenn es soweit ist. Ich war darauf irgendwo zwar vorbereitet durch die täglichen, so oft stattfindenden Gespräche mit meiner Mama und mit Nico. Der hält dich übrigens gerade auf, dass du auf den Kratzbaum springst. Auch er hat dich in der kurzen Zeit sehr lieb gewonnen. Zwar kannte er dich schon länger, aber nun bist du auch ein Teil von ihm geworden. Nie werde ich vergessen, wie er anfangs schockstarr dasaß, als du neben ihn auf die Frühstücksbank sprangst. Jetzt neckt ihr euch gegenseitig. Du wirst ihm auch fehlen. Er tut so viel für uns. Ich hoffe, du spürst unsere Mühen. Ich hoffe, du rappelst dich nochmal auf, kleine Maus. Du durftest schließlich mit uns gehen, uns wurde alles Gute gewünscht und neues Cortison mitgegeben. Nun musst du nur noch wieder richtig auf die Beine kommen. Aber es gibt diese Situationen, wo du wie gerade auf meinem Schoß lagst, oder dich wie gerade erbrochen hast, wo es so wirkt, als könne es schon heute Nacht zu Ende gehen. Meine letzte Hoffnung gilt deinem Wohlbefinden für die restliche Zeit. Ich kann nicht in Worte fassen, wie sehr es mir Leid tut, dir das heute angetan zu haben, dir ging es doch vorher so gut. Aber jetzt haben wir Gewissheit. Egal wann dein Ende kommt... es wird in deinem Sinne geschehen. Du sollst nicht mehr leiden. Panische, große Angst habe ich, dass, wenn du dich wieder fängst, dir etwas passiert in den zwei Wochen, in denen ich in Japan bin. Diese Angst verfolgt mich die ganze Zeit. Was soll ich dann nur machen... ich will bei dir sein, du sollst nicht ohne deine Menschen gehen müssen. Es wäre schön, wenn du so gehen könntest, wie du gerade bei mir lagst. Bei mir auf dem Schoß. Ganz ruhig. Ohne Angst. Und mit viel Liebe, die du spürst. Denn eines habe ich durch dich gelernt. Und da schließt sich unser Kreis. Mina, meine Süße. Mina, das war immer schon dein Name. Nie habe ich über seine Bedeutung nachgedacht. Auf einer bestimmten Sprache bedeutet Mina etwas, was du mir und Mama geben hast – Liebe. Mina heißt Liebe. Und all die Liebe, die du in deinem zu kurzen Leben gegeben hast, haben wir dir in jeder Sekunde zurück gegeben. Und meine Liebe wird dich durch deine letzte Zeit, ob es Stunden, Tage, Wochen oder Monate seien, ...sie wird dich führen. Und mein letzter Liebesdienst wird wohl, wenn du nicht alleine von dieser Welt gehen kannst, dein Erlösen sein. Ich möchte so gerne glauben, dass wir uns dann eines Tages wieder sehen. Im Moment hat mich jeder Glaube verlassen, denn ich wurde nich erhört, wir wurden nicht gerettet. Nur die Liebe bleibt, denn Mina heißt Liebe. Ich liebe dich. Für immer. Und jetzt schauen wir, ob du mal ein bisschen fressen willst. Wir erkämpfen uns zusammen, ein letztes kleines Stück Leben. Du bist meine Sonne und du wirst ewig mit deinem Licht mein Leben erhellen.