Am 8. Oktober kam das kleine Claudchen zu mir. 15 Stunden lang hab ich den Hilferuf für einen Pflegeplatz auf einer örtlichen Facebook-Gruppe ignoriert, weil ich einfach schon zu viele Katzen hab. Aber die Frau, bei der er war, war allergisch und konnte ihn nicht füttern. Das kleine Kerlchen brauchte dringend Hilfe...
"Okay, bring mir 200 Shekel für seine Grundversorgung und ich übernehm ihn."
So viel hat sie nicht.
"Okay, geh unterwegs bei meinen Bekannten vorbei und hol da ihre angebrochene Aufzuchtsmilch ab."
Okay.
Claudchens Geschichte war in etwa so, wenn ich das richtig verstanden habe: irgendjemand hat ihn gefunden, wieder ausgesetzt. Orthodoxe Kinder fanden ihn dann, aber die Mutter "musste" sich auf die Feiertagsvorbereitungen konzentrieren, also wurde das Kerlchen in einen Käfig gesteckt und wieder raus geworfen. Eine Soldatin unterwegs zum Stützpunkt fand das kleine Kerlchen, aber konnte ihn natürlich nicht mitnehmen. Also brachte sie ihn zu ihrer Bekannten - und die war allergisch.
Das hier war das Foto auf Facebook:
Als ich Claudchen entgegennahm, hatte er nur einen Pappkarton, ein blaues Bettlaken, und einen Namen. Ich war vom Namen nicht begeistert, aber irgendetwas sollte ihm gehören und ich hatte nicht vor, den alten Karton oder das olle Laken lange zu hegen und zu pflegen. Also blieb es bei Claude.
Claudchen hatte bereits offene, klare, blaue Äuglein, aber noch keine Zähnchen. Er versuchte mich ein paar mal zu zahnfleischen, aber ich war nicht beeindruckt.
Mein Cheff verbietet uns eigentlich, in seiner Abwesenheit Ware mitzunehmen, damit er uns die später verrechnet. Ich arbeite in einer Tierhandlung und kaufe da alles zum Preis, zu dem die Kette einkauft, also sehr viel billiger, daher kaufe ich nie in Cheffis Abwesenheit. Aber das eine Mal hat ers mir erlaubt, als ich sagte, ich brauche Aufzuchtmilch - mit den Worten "Nimm, wir werden Claude nicht hungern lassen!"
Das Herzchen konnte nur über die Spritze nuckeln und mit viel Massage aufs Klo. Natürlich gab das einen Großeinkauf von Baby-Tüchern und Klopapier.
Jetzt, wo er entwöhnt ist, bin ich ganz traurig, keine Fotos oder Videos von seiner wilden grapscherei der Spritze zu haben... Das ging so schnell!
So eklig wie Ravioli zu Claudchen war, könnte man meinen, der hat vergessen, dass er und sein Bruder mal genau so winzig und hilflos waren, als man sie in einer Mülltonne fand und zu mir brachte.
Das war gemein. Claudchens erstes festes Essen und er kriegt Haue!
Meine Weiber, besonders die gute alte Mini (14), waren da viel netter!
Marie war mir eine große Hilfe! Sie war vor kurzem scheinschwanger und ich hatte gehofft, es wäre Milch aus ihr herauszukriegen (ich hatte echt genug Stress neben alle paar Stunden Claudchen das Fläschchen geben), aber das war nix. Aber dafür half sie sehr bei dem aller ekligsten Job: Claudchens Hinterteil ablecken, damit er aufs Klo geht. Danke Marie. Aber bitte kein Küsschen.
Seit seiner Begegnung mit einem zitternden, rattengroßen Pinscher in einem Adidas-Hundepulli namens "Gucci", ist Faolan sehr behutsam mit kleinen Kreatürchen.