Wie ich sehe, kennst Du Dich bereits aus
Der alte Herr, den ich im letzten Sommer betreute, bekam jeden Abend eine Infusion. Ich hatte Glück. Er war die Situation bereits gewohnt und entsprechend relaxed. Ich hingegen hatte Premiere und war sehr angespannt. Mit meinem wenig souveränen Auftritt übertrug sich die Nervosität auf den Kater und ich konnte hören wie er dachte: Wo ist denn mein Herrchen? Warum muss ich diesen Anfänger ertragen?
Wir waren in den ersten Tagen kein gutes Team!
Dann sah ich dieses Video
https://www.youtube.com/watch?v=sEvAc4mH4Eg&t=304
Du siehst, dass die Katze die Prozedur recht entspannt über sich ergehen lässt. Sie sieht die Spritze und spürt, dass Frauchen im Fell nach einer guten Stelle "extra skin" sucht.
Am besten mit Daumen und Mittelfinger ein Zeltchen formen, die Haut vom Körper wegziehen, mit dem Zeigefinger Spannung auf der Haut erzeugen, dann die Nadel unterhalb des Zeigefingers langsam aber bestimmt bis zur Hälfte in die Haut einführen und sogleich die Klemme öffnen, um die Flüssigkeit einzulassen.
Die Nadel verläuft parallel zum Körper, nicht nach unten, nicht nach oben, nicht auf der anderen Seite wieder raus, aber immer in Laufrichtung damit sich die Katze, falls sie flüchtet, nicht verletzt. Die Nadel liegt frei und muss im Idealfall nicht mehr gehalten werden.
Die Katze weiß, dass jetzt ein Piekser kommt. Wenn die Nadel unterm Fell ist, sollte sie keine Schmerzen spüren. Sonst die Nadel wieder raus und eventuell neu ansetzen.
Gerne vorher mit einem Teddy die Abläufe einüben. Die Haut widersteht der Nadel kaum. Vielleicht etwas strammer als ein Baumwoll T-Shirt.
Ich habe große Spritzen genommen, damit die Flüssigkeit schneller ankommt. Sie sollte nicht kalt sein, sonst lieber im Waschbecken handwarm anwärmen. Zimmertemperatur war ok. Je nachdem wie frei die Nadel liegt, dauert es einige Minuten. In dieser Zeit will die Katze beschäftigt sein. Ich hab den Herrn mit Katzenleberwurst bestochen. Es kam aus der Tube, das er stets vor der Nase hatte, aber die Dosierung konnte ich bestimmen. Also blieb er ruhig liegen und wartete bis ich wieder auf die Tube drückte. So hatte er jeden Abend seine schöne Leberwurst mit einem kleinen Piekser zu verkraften und kam jedes Mal gerannt, wenn ich die Tube aus dem Kühlschrank und die Flüssigkeit aus ihrem dunklen Versteck holte.
Je nach Einstichstelle bildet sich unter Haut eine große Kugel oder die Flüssigkeit läuft zwischen Haut und Körper am Bein hinunter. Das sieht ulkig aus, ist aber ok und vergeht wieder.
Manchmal lag der Kater abends schon bereit auf seinem Bettchen. Ich sprach ihn an, zeigte was ich vorhatte und er bedeutete mir: Ja mach, aber lass mich schlafen! So entstand dieses Bild: Schlafender Kater bekommt Infusion. Du siehst, wenn man den Dreh raus hat und das Tier kooperiert, muss es für beide Seiten keine unangenehme Erfahrung sein.
Das wünsche ich Dir!
Viele Grüße
Mike