Hallo,
nun mal kurz zu meinem "Problem".
Mein Kater Fridolin hat auch eine recht bewegte Vorgeschichte, die ich unbedingt kurz zusammenfassen muß. Ein Freund von mir hat ihn von einem Bauernhof mitgenommen, da der Bauer ihn als Letzten vom Nachwuchs seiner Katze erschlagen wollte. Da war er noch keine drei Wochen alt und wurde dann mit Hilfe eines Tierarztes behutsam großgezogen. Ein paar kleinere Verhaltensdefizite haben sicher mit diesem frühen Fortreissen von der Mutter zu tun, aber er ist ganz gesund gewachsen und war scheinbar recht normal. Die Situation verschlechterte sich sicher ein wenig, als das "Teufelchen" zur Gesellschaft in die Wohnung kam - ein ausgewachsener Kater, der den kleinen Wicht dauernd anging und nicht duldete, ihn mehrfach auch leicht verletzte. Daher vermutlich auch im Großen und Ganzen die Abneigung gegen andere Katzen. Der große Kater wurde nach etwa zwei Monaten gut untergebracht.
Ich verlor meinen Freund eine Zeit lang aus den Augen, weil er eine merkwürdige Beziehung führte und wenn er sich mit wem traf, dann stets außerhalb der Wohnung. Als er übersiedelte, sollte ich den Kater für zwei bis drei Wochen bei mir lassen. Fridolin war zwar entzückend, zugänglich und lieb, aber kaum war er alleine, packte ihn die Zerstörungswut. Ich wußte bis dahin nicht, was eine Katze alles anstellen kann. Ein fliegendes Wildschwein ist harmlos dagegen. Zudem war er hyperaktiv und hatte keinen Tagesrythmus.
Langsam kam die Wahrheit ans Tageslicht: bereits ganze sechs Monate über war es so, daß mein Freund nach dem verschwiegenen Ende seiner Beziehung regelmäßig oft tagelang unterwegs war, dauernd "Partymachen" und sich nicht um den Kater kümmerte. Er stellte ausreichend Wasser und Trockenfutter hin, aber das Tier war tagelang alleine und hatte hier bereits eine nachvollziehbare Zerstörungswut gezeigt. War dann sein Mensch zuhause, war er diesem oft lästig und wurde ins Badezimmer gesperrt.
Für mich war sofort klar, daß der Kater nicht mehr zurückgehen wird, da sich vermutlich an diesem Verhalten meines Freundes wenig ändern würde. Mittlerweile hat er eingesehen, daß man für ein Haustier eine ziemliche Verantwortung zeigen muß und er hat mir auch sämtlichen angerichteten Schaden und Tierarztkosten ersetzt, ohne daß ich darum gebeten habe.
Die erste Zeit mit Fridolin Ende April war ein Albtraum. Mittlerweile kann ich ihn mehrere Stunden alleine lassen. Ich beschäftige mich viel mit ihm und er geht jeden Tag zwei, drei Stunden in der großen Grünanlage rund um meine Wohnhausanlage spazieren, was ihm gut tut. Hier hat er auch einen tierischen Kumpel, mit dem er spielt und sich verträgt - wenn der aber nur in die Nähe der Haustüre kommt, gibt's Zoff...!
Das zu Beginn verabreichte Beruhigungsmittel vom Tierarzt konnte ich recht rasch absetzen und habe die Wohnung auch umgebaut, damit sie für uns beide sicherer ist. Wenn ich bestimmte Sachen mache und ihn kurz ins Vorzimmer gebe und die Türe schließe, wirft er sich schon lange nicht mehr manisch dagegen, sondern wartet einfach mal ab. Wir haben insgesamt einen hübschen Normalzustand erreicht, der nicht besonders auffällig ist. Wir kommen sehr gut miteinander aus und er genießt auch die Aufmerksamkeit meines Freundeskreises.
Aber so alle drei Wochen überkommt es ihn. Ich rede jetzt nicht vom "Katzenrappel", wenn er spielerisch durch die Wohnung springt und alles fängt, was ihm in die Quere kommt. Er wird zum Berserker, räumt alles ab, was geht und mißachtet die einzigen zwei Tabuzonen, die es für ihn in der Wohnung gibt und die er sonst auch akzeptiert. Diese sind schwer zugänglich für ihn, aber mit seinen Versuchen hat er immer wieder irgendwelche Schäden angerichtet. Auch kann es dann passieren, daß er sich gegen eine Türe wirft, als wäre er eingesperrt.
Ich merke mittlerweile, wann es wieder so weit ist, weil er an diesen Tagen kein Essen anrührt und dann plötzlich losschlägt. Das geschieht dann meistens in so drei, vier manischen Phasen von jeweils einigen Minuten. Dann geht er schlafen, hat danach einen Bärenhunger und ist wieder in Ordnung, aber holt sich auch fast exzessiv Streicheleinheiten, obwohl er sonst kein Schmuser ist.
Ich war zwar zu Beginn bei einer Tierärztin, die mir aber einerseits zu frech in der Preisgestaltung war und andererseits eine medikamentöse Langzeittherapie über sechs Monate empfahl, die mir einfach zuwider war und wo ich durch Zuwendung und Vertrauensaufbau deutlich bessere Erfolge erzielte als mit Ruhigstellen.
Hat jemand hier ähnliche Erfahrungen? Logischerweise ist dieses Verhalten eine Auswirkung seiner früheren Erlebnisse und das kommt in ihm vielleicht ab und zu hoch als eine Art Angstattacke oder Verlustangst. Ich weiß nur nicht, ob ich diese Anfälle einfach akzeptieren soll oder ob die irgendwann einmal verschwinden. Der Rhytmus ist in etwa gleich geblieben, seit sich nach zwei Monaten Zusammensein schon eine sehr zufriedenstellende Situation gebildet hatte.