Dieses Erlebnis und das ganze Thema kann einen wirklich fertig machen. Ich habe einiges hinter mir und weiß wovon Du sprichst - mit der Schuld. Man kann sich nicht so einfach freisprechen, weil der Schock darüber zu tief sitzt, was man meint, einem lieben Wesen angetan zu haben. Das ganze Elend der Welt kann über einen zusammenbrechen. Lies noch mal, was wennchen geschrieben hat! Das wäre die sachliche Aufklärung dessen, was Du erlebt hast. Die sieht anders aus als Dein subjektiv empfundenes Geschehen. Du interpretierst einiges als "Laie" und wurdest ja nicht informiert. Da sind TÄ wohl öfter sehr unsensibel! Vielleicht haben sie selber ein Problem mit dem, was sie tun? Man weiß ja nicht. Einerseits erlösen sie, andererseits töten sie, etwas, das wir nicht fertigbringen. Oft sind sie mit panischen Haltern konfrontiert.
Kein Mensch schafft es, ganz ohne Schuld durch's Leben zu kommen! Viele schleppen eine Last mit von dem, was sie sich nicht verzeihen können und was sie irgendwie auch nicht verstehen, warum es so gekommen ist. In Deinem Fall hilft zunächst die sachliche Aufklärung. Ich habe ungewollt Katzen in Grenzsituationen gesehen und war schockiert über die Energien, die da drin stecken, obwohl sicher schon der Tod eingetreten war. Der Körper tut noch Sachen, und sicher auch vor dem letzten Atemzug, das uns entsetzt. Aber es ist soviel Adrenalin drin, daß ich auch glaube, es gibt schon kein persönliches Empfinden mehr und ganz sicher keine Gefühle, wie sie im Normalleben dem Katzenhalter entgegengebracht werden. In der Situation ist es eigentlich "nur noch" ein Tier, dessen Funktionen für uns nicht zu begreifen sind, aber Ärzte werden da einiges mehr wissen und erleben es ja oft genug.
Ich hoffe sehr, daß Du die letzten Minuten Deiner Erinnerung nicht mit dem Gefühl für Deinen kleinen Lebenskameraden verknüpfen mußt! Da war er nicht mehr Dein vertrauter Freund, sondern ein Körper, der nach biologischen Regeln funktioniert. Höchstwahrscheinlich war sein Seelchen, so wie wir es verstehen, nicht mehr in ihm.
Vielleicht schaffst Du es mit einem Ritual, einerseits Klarheit in Dir zu schaffen, andererseits einen Abschied zu vollziehen, der in Dir Frieden herstellt. Du hast nichts versäumt, um ihm zu helfen! Es klingt grausam, aber ganz am Ende ist keiner mehr verantwortlich für den, der gerade geht. Es ist SEIN Moment. Du warst da, mehr ging nicht. Du hast ihn begleitet, und den letzten Schritt tut jeder auf seine Weise. Das MUSS man loslassen! Manche glauben, der letzte Schritt würde von einem guten Geist begleitet oder gar von Gott. Glaube hilft. Du gibst Deinen Freund in andere Hände ab, nachdem Du Deinen Teil geleistet hast. Es kann alles wieder gut werden. Suche nach Frieden, nicht nach der Qual, die sich ständig anbietet! Das wäre endlose Selbstbestrafung; aber dafür hast Du keinen Grund!
Gönne Dir Ruhe, gehe in die Natur, greife nach der Kraft, die auch Dich leben läßt.