Also die Sexualhormone stoppen doch das Wachstum nicht,
Klar tun sie das, kannst du in jedem medizinischen Buch nachlesen. Ich hab's in der Ausbildung (Tierphysiotherapie) gelernt, aber man kommt da bestimmt auch so dran an die Info.
ich habe schon wirklich große Maine Coon Kater auf Ausstellungen gesehen, die haben ihre volle Größe aber erst mit 3-5 Jahren erreicht, dass waren Deckkater also jede Menge Hormone hatten die, trotzdem haben die ihr Wachstum nicht vorzeitig eingestellt.
Wieso denn "vorzeitig"? Die Sexualhormone sorgen dafür, dass die Katze zu dem Zeitpunkt aufhört zu wachsen, zu dem sie von den Knochen her dafür vorgesehen ist. Ich sehe nicht, wo deine Aussage dem, was ich sage, widerspricht.
So wie du es beschreibst, müssten ja alle unkastrierten Katzen spätestens mit 1 Jahr ganz aufhören zum wachsen, dass tun sie aber mit Sicherheit nicht.
Wo beschreibe ich das denn?? Ich glaube, du hast mich falsch verstanden: das läuft nicht so ab nach dem Motto "okay, die Sexualhormone rennen jetzt los, halten sofort das Wachstum an und dann kann kastriert werden". Die Sexualhormone werden freigesetzt, sobald die Pubertät einsetzt. Wenn dann die Katze kastriert wird, verschwinden die Hormone, die bereits ausgeschüttet sind, ja nicht. Die sind ja trotzdem da und machen ihre Arbeit. Also wenn du deine Katze mit 6 Monaten kastrierst, hat das keine anderen Auswirkungen, als wenn du sie mit einem oder drei Jahren kastrierst, denn die Hormone sind ja schon da. Die Katz kann dann trotzdem wachsen, bis sie 3 oder 4 Jahre alt ist, aber sie tut es eben langsamer.
Wenn du sie aber mit 3 Monaten kastrierst, wo eben noch keine Hormone ausgeschüttet sind, können die das Wachstum auch nicht hemmen und somit wächst die Katze deutlich schneller und in der Regel eben auch länger.
Und ich denke, man muss kein Biologe sein, um zu wissen, was zu schnelles Wachstum für Risiken birgt.
Ich habe BKHs. Mein Felix ist größer als Sue und Murphy, weil bei ihm beide Elterntiere recht groß waren. Murphy (kastriert) ist deutlich kleiner als sein Vater (unkastriert), weil seine Mutter für eine BKH eher klein war. Sue ist eine Halbschwester von ihm und fast genauso groß wie der Kater, aber ihre Mutter war auch etwas größer als die von Murphy.
Was du beschreibst, sind erbliche Anlagen, die völlig unabhängig von der Kastration wirken. Du kannst nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.
Ich habe ja auch nie behauptet, dass das Wachstum
nur von den Sexualhormonen abhängt; lediglich, dass sie einen
Einfluss darauf haben.
Einen Einfluss, den man in mehreren seriösen Büchern und Studien nachlesen und auch nicht wegreden kann, und der auch übrigens gar nicht so neu ist, eigentlich lernt man das in der Schule.
Außerdem hast du ebenso wie du da jetzt Beispiele für das eine gebracht hast, vorher Beispiele für das andere gebracht:
Der Kater meiner Schwester ist sogar noch ein Ticken größer als Murphy, Felix wurde mit knapp 5 Monaten kastriert von meinen dreien am frühsten und ist am größten von meinen dreien.
Was ja auch an sich nichts schlimmes oder falsches ist, man sollte sich dessen eben nur bewusst sein.
Die Katzen meiner Schwester sind frühkastriert worden, wurden also schon kastriert von der Züchterin abgegeben, aber auch die sind nicht größer geworden als ihre Eltern. Die meisten Deckkater die ich kenne sind eher größer als kleiner gegenüber ihren kastrierten Söhnen.
Es ist ja nicht so, dass jede frühkastrierte Katze gleich ein Riese wird - das habe ich auch nie geschrieben -, sondern einfach so, dass sie in der Regel ein Stück größer werden, als sie es würden, wenn sie später kastriert würden.
Das heißt nicht, dass eine frühkastrierte Katze automatisch größer wird als ihr unkastrierter Papa.
Es heißt lediglich, dass eine frühkastrierte Katze
in der Regel größer wird als sie es würde, wenn sie später kastriert wäre und eben meistens auch für ihre Rassenverhältnisse relativ groß. Dass dann da die erblichen Voraussetzungen der rassenverhältnismäßig kleinen Mama auch noch mit reinspielen können, bestreitet ja niemand.
Das was du beschreibst, sind erblich bedingte Entwicklungen, die selbstverständlich auch eine große Rolle spielen, aber nicht vergleichbar sind mit den Einflüssen, die die Hormone auf's Wachstum haben.
Bei Menschen werden die Sexualhormone übrigens sogar gezielt zur Wachstumshemmung eingesetzt, bei Menschen, die so groß sind, dass gesundheitliche und/oder gesellschaftliche Nachteile zu befürchten sind.
Das heißt nicht, dass ich grundsätzlich gegen die Frühkastration bin, im Gegenteil, im vorliegenden Fall würde ich dringend dazu raten.
Aber auch die birgt eben Risiken, und derer sollte man sich bewusst sein, wenn man seine Katzen frühkastrieren lässt.
Im Prinzip ist es die Wahl zwischen Pest und Cholera: Gehe ich lieber das Risiko ein, dass meine Katze
eine höhere Wahrscheinlichkeit (keine Sicherheit!) auf Gelenkprobleme im Alter hat und darunter leidet, oder das Risiko (ebenfalls keine Sicherheit), dass meine Katze dauerrollig wird oder Gebärmutterkrankheiten entwickelt und darunter leidet?
Das ist letzten endes eine persönliche Entscheidung von jedem selbst, aber man sollte sich eben schon auch beider Risiken bewusst sein.
Ich selbst würde bei gleichgeschlechtlichen Paaren warten, bis die Pubertät eingesetzt hat und die Sexualhormone vorhanden sind und dann kastrieren. Das ist für mich der sicherste Weg, einerseits sind die Hormone schon da und machen ihre Arbeit, andererseits warte ich nicht so lange, dass das Risiko auf gesundheitliche Risiken ins Unermessliche steigt.
Bei gemischten Paaren hingegen würde ich immer frühkastrieren, da da die anderen Risiken drumherum einfach zu groß sind.
Das ist die Entscheidung, die ich auf Grund des heutigen Wissensstandes für mich getroffen habe, weil ich sie für den besten Kompromiss halte.
Du kannst für dich eine andere Entscheidung für besser halten und treffen, das ist völlig dir überlassen.
Aber du kannst nicht die Wirkung wegreden, denn sie ist nunmal da.