Wenn sie sich schon anfassen und streicheln hat lassen, dann sind das eigentlich schon ziemlich große Fortschritte und sie hat wirklich großes Vertrauen zu euch gefasst. Dass alte Verhaltensweisen durchbrechen und sie dann wieder Angst vor der eigenen Courage hat, ist eigentlich normal.
Hm, was ist eventuell mit dem Schlafzimmer? Wir haben hier auch einen panischen Angstkater, ganz ähnlich wie deine Maus, und sein liebstes Rückzugsgebiet ist der Platz unterm Bett. Im Schlafzimmer ist es tagsüber schön ruhig, ich muss höchstens mal rein, wenn ich Wäsche wegbringen möchte oder die Rollläden auf- oder zumachen, er weiß, wenn er unterm Bett sitzt, kommen wir nicht an ihn dran, egal, was wir machen, und selbst wenn ich mich mittags mal ein Stündchen hinlegen möchte, fühlt er sich nicht allzu gestört von mir. Und wenn wir beide abends ins Bett gehen, kann er sich ganz in Ruhe im Rest der Wohnung bewegen und muss keine Angst haben, dass große, gefährliche, trampelnde Zweibeiner vorbeikommen.
Ich habe mich mittlerweile damit abgefunden, dass er seine Angst nicht mehr verlieren wird, aber er traut sich an bestimmten Gelegenheiten und bestimmten Plätzen zu schmusen, und wir versuchen, auf seine Bedürfnisse zu achten und uns vorsichtig durch die Wohnung zu bewegen, wenn er auch unterwegs ist.
Als wir hier für eine Woche Besuch von meinem Vater hatten, haben wir ein zusätzliches Klo neben seinen Platz im Schlafzimmer gestellt und das Futter auch im Schlafzimmer gegeben, das hat sehr gut funktioniert, und wenn wir alle geschlafen haben oder unterwegs waren, hat er dann seine Wohnung Stück für Stück zurückerobert.
Du siehst also: Es kann funktionieren. Aber das funktioniert nur, wenn alle menschlichen Beteiligten das auch wollen, und zwar in dem Wissen, dass sie vielleicht niemals eine richtige Schmusekatze werden wird, und vielleicht immer scheu und schreckhaft bleiben wird. Ansonsten ist es frustrierend für dich (und ich glaube, im Moment bist du sehr frustriert und ein bisschen verzweifelt) und das überträgt sich auch auf die Katze.
Überleg es dir noch ein paar Tage/Wochen lang. Probier aus, wie du das Leben für dein Mäuschen einfacher machen kannst, sei es mit zusätzlichen Klos und Futterstellen, oder dem Versuch, darauf zu achten, wie ihr euch bewegt, wenn sie unterwegs ist. Dann überlegt euch, ob ihr den Ist-Status so okay findet, dass ihr die nächsten 15 bis 20 Jahre damit leben könnt, und ob der Ist-Status auch für die Katze so okay ist, dass sie die nächsten 15 bis 20 Jahre damit leben kann (und dabei auch bedenken, dass sie auch im Tierheim Angst haben muss und regelmäßig von den Pflegern und Besuchern erschreckt wird - Leuten, die sie nicht kennt).