Hallo miteinander,
ich bin neu hier, außerdem noch nicht lange Katzenhalter (wenn auch mit einer erfahreneren Frau an meiner Seite).
Wir haben seit November eine Findel-Siam aus dem Tierheim. Wir mussten versprechen, sie nie rauszulassen, damit sie nicht geklaut/verschleppt wird und wieder im Tierheim landet. Die hat sich ganz gut eingelebt, anfangs am Arm genuckelt, wild mit dem Federwisch gespielt, und nach 6 Wochen haben wir sie auf den vernetzten Balkon gelassen. Irgendwie hat sie dann die Depressionen gekriegt, nicht mehr gespielt, nicht mehr gefressen. Wir haben an eine zweite Katze oder Freigang als Lösung gedacht.
Auf der Suche nach einer Zweitkatze wurde uns versichert, dass Chippen und Tätowieren als Schutz vor dem Verschwinden vollkommen ausreicht und sie eh keine Katzen dorthin vermitteln würden, wo sie nicht raus dürfen (wir haben von anderen Vermittlerstellen das Gegenteil gehört, ähnlich wie der Rat vom Tierheim, aber seis drum). Und eine andere Katze in der Nachbarschaft haben wir schon gesehen. Dieses Frühjahr haben wir also das Netz abgebaut, und das Tier ist aufgeblüht. Die andere Katze schien sie nach anfänglichem Zoff gründlich verjagt zu haben. Trotzdem hatten wir den Eindruck, auf eine Zweitkatze jetzt auch verzichten zu können.
Die ganze Zeit ist sie brav auf ihr schönes, geräumiges Klo gegangen, anfangs mit Bentonitstreu, dann mit Holzpellets (Umstellung von heute auf morgen, weil ich nicht daran gedacht habe, dass sie die Streu verweigern könnte, und siehe da, das hat sie auch nicht).
Kapitel II, in dem die Halter sich vor Probleme gestellt sehen
Um diese Zeit beschloss man anderswo, eine House-Hopperin fest aufzunehmen. Der Tierarzt hat sie nicht kastriert, weil sie schon (zum zweiten Mal) trächtig war. Man hat die Katze also ihre Jungen zur Welt bringen und hochpäppeln lassen; meine Frau war eine Art Patin. Wir haben überlegt, ob wir eines der Jungen aufnehmen. Die Alte hätte von dem Jungspund keine echte Konkurrenz zu erwarten und trotzdem kätzische Ansprache. Tatsächlich hat die Samariterin beschlossen, die Katzenmutter wieder auf die Straße zu setzen - die Jungen wurden anderweitig vergeben.
[Wie lang darf so ein Post eigentlich sein?]
Die Mutter passte vom Alter her - 3 oder etwas mehr - zu unserer Bestandskatze, und wir haben uns als neue Pflegeeltern anheischig gemacht. Das große Katzenklo wurde durch zwei kleinere ersetzt, und geplant war eine halbe Woche Umgewöhnungszeit, bis die Neue kam.
Die kam aber schon an Fronleichnam - verflucht seien die freien Donnerstage. Soraya (so heißt unsere Siam, obwohl ich Sirikit wollte) war unterwegs, kam am Nachmittag heim und wurde erstmal mit einem Fauchen begrüßt. Überhaupt war die Zugangskatze sehr darauf bedacht, nichts von ihrem neuen Zuhause abzugeben - Soraya sah das lockerer und ignorierte die neue cool. Ihr neues Klo war noch nicht richtig benutzt, weil Soraya schließlich ein Revier zu markieren hatte, deswegen kann ich nicht richtig sagen, ob sie es angenommen hatte oder nicht.
Sally, die neue, nahm nach und nach die Wohnung in Beschlag. Soraya, sonst eine vorsichtige Esserin, konnte jetzt manchmal dabei beobachtet werden, wie sie ihren Napf leerte (essenderweise, meine ich). Wir machten die Beobachtung, dass Sallys Kot bestialisch stinkt - und dass sie es nicht nötig hat, den irgendwie zuzuschaufeln. Dabei benutzte sie vorrangig "ihr" Klo für den Urin and Sorayas für die Stinkbomben. Soraya verbrachte immer weniger Zeit im Haus (normalerweise gab es eine ausgiebige Mittagsruhe), und nach zwei Wochen meinte meine Frau, Sally läuft nicht weg und darf jetzt ebenfalls nach draußen.
Mittlerweile näseln die Katzen zur Begrüßung, spielen abends, wenn sie mal beide da sind, Fangen auf dem Rasen, fressen nebeneinander, egal aus welchem Topf, und achten ansonsten ihre Privatsphäre. Wenn mal aus Platzmangel eine zu nah an der anderen vorbei muss, gibt es die High Five.
Wo ist das Problem? Sally, die Siamesin, die angeblich so ein kleines Revier hat und an ihrem Halter (also mir) hängt, kommt allenfalls für zwei kleine Snacks nach Hause und ist ansonsten über alle Berge. Sally, die halbwilde Nachbarschaftskatze, verlässt einige Male den Balkon, bleibt meistens in Sichtweite und chillt ansonsten in der Wohnung. Keine der Katzen benutzt mehr die Katzenklos. Das ist zum einen peinlich, weil Sally ihre Tretminen offen rumliegen lässt, und zum zweiten lästig, weil Soraya wohl wegen Harndrang sehr früh am Morgen fordert, nach draußen zu dürfen. Und dann kommt sie nicht wieder.
Zweites Problem: Während Soraya meiner Frau hin und wieder eine tote Spitzmaus kredenzt hat und ich schon einen Spatz und eine Meise wieder durchs Fenster rausgescheucht habe, hat Sally seit gestern den Rappel, dreimal täglich Getier ins Haus zu bringen - an die gleiche Stelle, an der sie immer den erbeuteten Federwisch deponiert. Die Krönung war allerdings Soraya, die heute eine ganze Taube angeschleift hat. Unsere Katzen killen um die Wette.
Ich habe die Vorstellung, wenn die Katzen ihre Notdurft in zivilisierten Katzenklos verrichten würden, wären sie mehr im Haus, würden sich notgedrungen etwas näher kennenlernen und würden uns mit weniger toten Kreaturen behelligen. Nur:
Wie kriege ich die Katzen wieder aufs Klo?