Hallo,
OK, dann trag ich mal ein wenig zur Komplikation bei

Bei dieser "Kein Zucker, kein Getreide"-Standardformel stellen sich mir nämlich regelmäßig die Nackenhaare hoch.
Wie in dem verlinkten Thread von @Stulle auch gleich als erstes steht: Katzen sind reine, hochspezialisierte Carnivoren, das heißt Fleisch- bzw. Beutetierfresser. Sie sind von der Natur nicht drauf eingerichtet, für ihren Stoffwechsel pflanzliche Bestandteile zu verwerten - in der Natur nehmen sie schließlich nix Pflanzliches zu sich außer dem Mageninhalt ihrer Beute (der a) vorfermentiert ist und b) nicht von allen immer mitgefressen wird) und nem gelegentlichen Grashalm.
Das heißt aber nicht, dass Pflanzenkrams im Katzenfutter wie z.B. Getreide einfach nur unverdaut durch die Katze durchrauscht (leider). Manche Bestandteile können sie durchaus sinnvoll verwerten - z.B. einige Eiweißbausteine im Getreide -, andere können in zu hoher Menge aber Schaden anrichten.
Besonders wichtig zu wissen ist, dass Katzen nicht darauf ausgelegt sind, größere Mengen an verdaulichen Kohlenhydraten (Stärke und Zucker) aufzunehmen. Schließlich enthalten Mäuse und andere Beutetiere so gut wie keine Kohlenhydrate - bei Mäusen sind's 2-3% insgesamt, hauptsächlich durch den Mageninhalt. Auch mit komplett kohlenhydratfreier Kost kommen Katzen problemlos klar, im Gegensatz zum Menschen und zu vielen anderen Säugetieren, die für bestimmte Stoffwechselvorgänge Kohlenhydrate unbedingt brauchen.
Stärke wird im Darm zu Zucker (Glucose) aufgespalten und gelangt dann in die Leber, wo verschiedene Enzyme damit beschäftigt sind, damit was Sinnvolles anzufangen. Bei Katzen ist aber ein wichtiges dieser Leberenzyme so gut wie inaktiv - und das bedeutet, dass hohe Glucosemengen nicht verwertet, sondern nur weggespeichert werden, hauptsächlich als Körperfett. Katzen sind also quasi die natürlichen Patienten für eine Low-Carb-Diät, sie werden von zuviel Kohlenhydraten fett. Und diverse andere Schäden richtet das Zeug auch noch an, es bringt z.B. den Blutzuckerspiegel durcheinander und erhöht das Risiko für Diabetes.
Das ist der Hauptgrund, warum Getreide im Katzenfutter in größeren Mengen (mehr als etwa 5%) nix zu suchen hat, denn Getreide ist sehr stärkehaltig. Kleinere Mengen schaden aber nix - außer du hast eine Katze, die (wie relativ viele Katzen) auf Gluteneiweiß allergisch reagiert. Glutenhaltige Getreidesorten sind Weizen und Mais, und die sind dementsprechend eher komplett zu meiden.
Es ist deswegen das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, wenn Leute sich nur diese "Kein Zucker, kein Getreide"-Faustformel merken und deshalb dann Futter verteufeln, das z.B. 4% Reis enthält. Denn Reis ist ja auch Getreide. Aber kein glutenhaltiges, und es liegt immerhin in ner Menge vor, die Katzen noch halbwegs sinnvoll verwerten können.
Auf der anderen Seite halten viele Leute Trockenfutter für besser, wenn es Kartoffeln statt des bösen Getreides enthält, und die Hersteller werben auch mit dem Label "getreidefrei" ... aber Kartoffeln enthalten genauso viel Stärke wie Getreide und sind damit für die Katz kein bisschen gesünder, vom Gluten mal abgesehen.
Noch was zum Zucker: Der ist im Katzenfutter viel zu gering dosiert, um Schaden anzurichten. Der Kohlenhydratanteil erreicht dadurch keine gefährlichen Höhen. Karies bekommen Katzen sowieso so gut wie nie, egal was sie fressen, und die typischen kätzischen Zahnkrankheiten (ZFE / FORL) haben andere Ursachen.
Allerdings sollte man zuckerhaltiges Katzenfutter trotzdem meiden, wenn auch aus weniger direkten Gründen. Zucker wird nämlich in karamellisierter Form erstens zugesetzt, um die Soße in "Futter mit Soße" anzudicken - und Soßenfutter enthält meist viel Getreide und/oder Soja (auch so ein häufiger Allergieauslöser). Und zweitens wird er zugesetzt, um qualitativ minderwertigem Futter mit vielen gräulichen Schlachtabfällen ne appetitlichere, braune Farbe zu verleihen. Also Kosmetik, die der Katze wurscht und nur für den menschlichen Käufer gedacht ist. Und das sagt was darüber aus, was der Hersteller im Sinn hatte, als er das Futter entwickelte (= den Geldbeutel des Käufers) und was nicht (= das Wohl der Katze).
Oft wird auch gesagt, dass keine "tierischen Nebenerzeugnisse" im Futter sein sollten. Das ist Quatsch. Katzen fressen schließlich Mäuse mit Haut, Haaren, Knochen, Blut und so weiter, nicht nur das Mäusebrustfilet. In den Nebenerzeugnissen sind sogar wichtige Nährstoffe enthalten, so dass Futter, das tatsächlich nur aus Filet bzw. Muskelfleisch besteht, meistens nur als Ergänzungsfutter deklariert ist. Also bitte hier keine menschlichen Maßstäbe anlegen.
Was eher stimmt, ist, dass Futter selten hochwertig ist, wenn's pauschal mit dem
Begriff "tierische Nebenerzeugnisse" deklariert ist, anstatt dass die Einzelbestandteile (Innereien etc.) einzeln aufgeschlüsselt werden. Ersteres kann schließlich alles mögliche in schwer definierbarer Menge sein, auch K3-Material (
https://de.wikipedia.org/wiki/Tierkörperverwertung#Kategorie_3 ). Das ist an sich auch nicht schädlich, aber die Menge macht's eben. Je mehr von so nem Zeug drin ist, um so schlechter verdaulich und verwertbar ist das Futter.
Auch insgesamt gilt: Je genauer draufsteht, was drin ist, um so mehr kann man dem Futter vertrauen.
Wirklicher Müll sind "pflanzliche Nebenerzeugnisse" und "pflanzliche Eiweißextrakte" - darüber kommen so tolle Sachen wie Erbsenschalen ins Futter. Und noch mehr Weizengluten. Wenn sowas auf der Dose steht, direkt Finger weg.
Ansonsten gibt's aber noch viele Kleinigkeiten, die ein einzelnes Futter "nicht so toll" machen können. Bei Catz Finefood kann man z.B. den hohen Leberanteil kritisieren (-> Vitamin-A-Überversorgung), bei Feringa den hohen Schlundanteil jedenfalls in den ursprünglichen Sorten (-> Jod und evtl. Schilddrüsenhormone). Da kommt man um Nachforschungen zu den konkreten Futtersorten m.E. nicht drumrum, aber das Forum hat dazu ja sehr viel Wissen gespeichert und ne prima Suchfunktion.
Ach ja, und falls dir mal irgendwer die Stiftung Warentest zum Thema empfiehlt - vergiss den. Die Testkriterien sind für den Müll.