Gestern Abend ist das passiert, wovor ich immer am meisten Angst hatte...ich kam von der Arbeit nach Hause, öffnete die Wohnungstür...aber da war keine Pauline, die ihr Köpfchen durch die Tür quetschte und dann sofort raus auf den Flur hinaus rannte.
Sie war nicht da...und ich hatte sofort ein ungutes Gefühl...ich ging schnell rein, und da hörte ich sie auch schon im Schlafzimmer schreien...es war schrecklich...sie schrie und schrie in Panik...ich rannte zu ihr...sie lag auf dem Boden und wand sich. Ihre Hinterläufe waren gelähmt und sie war schon ganz kalt...ich packte sie sofort in die Transportbox und rannte mit ihr zu meiner Tierärztin, die Gott sei Dank nur um die Ecke ist.
Am Gesicht der Tierärztin konnte ich sofort sehen, dass es hoffnungslos war, aber irgendwie hab ich es auch selber sofort gespürt. Paulinchen wurde geröntgt, sie bekam Infusionen und Wärmflaschen, doch es half alles nichts, die Lähmung ließ nicht nach und sie kühlte immer weiter aus. Auf den Röntgenbildern war zu erkennen, dass sie anscheinend einen Bruch in der Wirbelsäule hatte, daher war die untere Körperhälfte völlig gelähmt.
Wie es zu dem Bruch gekommen ist, kann man nicht mehr sagen... die Tierärztin sagte, dass Paulinchens Knochen, speziell die der Wirbelsäule, nicht normal ausgesehen haben, es war auch eine Verdickung zu sehen, möglicherweise ein Tumor...Paulinchen hatte immer einen sehr steifen Gang und trug ihren Schwanz nie hoch und aufrecht wie andere Katzen. Es kann wohl sein, dass sie schon lange eine latente Knochenschädigung hatte die dann gestern Abend durch einen unglücklichen Sprung in einen Bruch mündete. Anscheinend war sie aber nicht sofort völlig gelähmt, denn in der Wohnung waren überall Spuren ihres verzweifelten Kampfes zu sehen...Kissen und Decken lagen auf dem Boden, sie hatte überall Urin verteilt, selbst die Teppiche waren völlig durcheinander.
Es gab einfach keine Hoffnung mehr, und so habe ich sie schweren Herzens einschläfern lassen. Aber durch Ihre Lähmung reagierte ihr Nervensystem nicht richtig auf die Narkosespritze, und sie richtete sich immer wieder auf und schrie und schrie, sie wollte nicht sterben. Es war wie ein schrecklicher Alptraum...ich versuchte sie zu beruhigen aber es half nichts. Irgendwann war sie dann so vollgepumpt mit Narkosemittel, dass sie ruhig war und einschlief, und sie bekam ihre allerletzte Spritze...
Seit gestern Abend um 18.40 Uhr ist sie nun nicht mehr bei mir, und ich bin völlig am Ende...wäre ich bloß früher nach hause gekommen...hätte ich doch eine kleine Online-Videokamera installiert, wie ich es vorhatte, um sie beobachten und im Notfall meine Mutter zu ihr schicken zu können, die gleich auf der anderen Straßenseite wohnt...hätte ich bloß...hätte ich bloß...hätte ich bloß...ich fühle mich so schlecht...warum war ich nicht bei ihr als sie mich am meisten gebraucht hat...vielleicht hätte ich es verhindern können....
Heute habe ich einen Tag Urlaub, denn heute hätte sie ihren Termin für einen Herzultraschall gehabt...sie war schwer herzkrank und noch dazu blind, doch das wusste ich damals alles nicht als ich sie aus dem Tierheim geholt habe. Als dies dann rauskam, bot mir das Tierheim an, sie zurück zu nehmen, aber das wäre niemals für mich in Frage gekommen. Sie bekam Medikamente und ich richtete die Wohnung so ein, dass sie als blinde Katze hervorragend zurecht kam.
Ich glaube, sie war glücklich bei mir, doch wir hatten nur eineinhalb Jahre zusammen... sie war erst neun Jahre alt...und sie hat immer so gerne auf meinem Bauch und meinem Rücken geschlafen...sobald ich ins Bett gegangen bin dauerte es keine 5 Minuten und ich spürte ihren Hopser auf meinem Bett...dann tastete sie mit ihren Pfoten nach mir und machte es sich auf mir bequem...zuerst fand ich es unbequem und etwas lästig, doch jetzt weiß ich nicht, wie ich ohne sie schlafen soll...Ihr Kumpel Sammy sucht sie überall und maunzt und maunzt, aber Frodo, den ich vor einigen Monaten als Spielkameraden für Sammy dazuholte, tröstet ihn und leckt ihm das Köpfchen.
Sie wird nun eingeäschert und ich bekomme in ein paar Tagen ihre Urne mit ihrer Asche zurück, so habe ich sie wenigstens bei mir...leider habe ich keinen Garten, wo ich sie hätte beerdigen können. Aber niemals hätte ich sie einfach dort zurücklassen können.
Jetzt sitze ich hier nach einer durchgeweinten Nacht und weiß überhaupt nicht, wie ich diese Leere und ihre schreckliche Art zu sterben verarbeiten soll. Ich habe mein ganzes Leben lang Tiere gehabt und ich habe sie alle gehen lassen müssen, aber ich komme immer schlechter damit zurecht. In genau zwei Wochen habe ich Geburtstag (ich werde 46), aber ich weiß jetzt schon dass es ein sehr sehr trauriger Geburtstag sein wird...
Drückt Eure Fellnasen alle mal ganz feste von mir, und vielen Dank an alle, die sich die Zeit genommen haben dies hier zu lesen...
Traurige Grüße


Susannchen