Ich würde mich absolut nicht von dem Gedanken einer Katzenfreundschaft im fortgeschrittenen Alter verabschieden. Auf dem Bild siehst du Sirius und Sternchen Lucky, und schlechtere Voraussetzungen für eine gelungene Katzenfreundschaft wie die beiden hätte ich mir kaum vorstellen können.
Sirius, 13+ (wir haben keine Ahnung, wie groß dieses "plus" ist, aber er war schon seit 12-13 Jahren hier in der Nachbarschaft unterwegs, als wir aufgetaucht sind), Schilddrüsenüberfunktion, Chronische Nierenerkrankung, Arthrose, fast blind, und ein traumatisiertes Angst-Katzen-Tier. Alles, was sich bewegt, ist böse, und Menschen, die sich bewegen, sind erst recht der Albtraum aller Albträume.
Lucky, 8, Chronische Nierenerkrankung, tränende Augen, eine Sozialisierung wie die Axt im Walde, was sowohl Mensch als auch Tier angeht (ehrlich, ich hab noch nie eine Katze erlebt, die einem zuerst auf den Schoß hüpft und einem dann eine überbrät, weil man es wagt, sie versehentlich zu berühren - und starren konnte der Kleine, unglaublich), hat auf der letzten Pflegestelle die andere Katze gemobbt, bis sie unsauber wurde. Temperament: Konstant mies gelauntes Sofakissen.
Eigentlich hätte Lucky auch nur unser Pflegekater sein sollen und eigentlich war Sirius ja auch panischer Dauerfreigänger - die beiden hätten sich also eigentlich nie kennen lernen sollen in den paar Wochen, die Lucky eigentlich hier bleiben sollte. Allerdings kommt es erstens anders und zweitens, als man denkt, Sirius wurde noch kränker, als er ohnehin war, und die beiden haben sich mehr oder weniger selbst zusammengeführt (ein brüllendes Katz auf jeder Seite der Türe wollte unbedingt den jeweils anderen sehen :roll: ). Die ersten Wochen gab es ein bisschen Gefauche von beiden Seiten und gepflegtes Ignorieren. Dann stellte Sofakissen Lucky fest, dass er zwar keine anderen Katzen mag, aber wenn dieses doofe Schwarztier schon da ist, dann kann es ja auch ein bisschen mit ihm raufen. Und eine klassische Katzen-Rauf-Aufforderung sieht natürlich so aus, dem potentiellen Raufpartner mal so richtig volle Kanne ins Kreuz zu springen und ihn in den Nacken zu beißen. Fand Sirius, der es wegen seinem wehen Rücken kaum aufs Sofa schafft, natürlich ziemlich scheiße. Zum Glück ist Sirius allerdings auch ein Katzentier, das weiß, dass das Leben scheiße sein kann, sich davon aber nicht nachhaltig beeindrucken lässt - er hat Luckys Generve also mit stoischer Ruhe über sich ergehen lassen, bis der verstanden hat, dass Sirius das gar nicht prickelnd findet. Das hat ungefähr... sechs Monate gedauert. In der Zeit haben sie dann auch vorsichtig mit passiv-aggressivem Katzen-Sumo angefangen ("Ich will auf den Platz!" - "Nein, ich will auf den Platz!" - "Geh da weg!" - "Ich denk gar nicht dran!" - "Pah, dann leg ich mich eben neben dich, ist das nicht PÖHSE?" - "Jau, dann bist du halt da. Sollte mich das jetzt irgendwie stören?" - "PFT!"), und irgendwann wurde dann wirkliches und tatsächliches Kuscheln daraus.
In den letzten 3 Monaten, bevor wir Lucky einschläfern lassen mussten, waren die beiden so ein bisschen wie ein altes Ehepaar. Man hat sich jetzt nicht so dolle viel zu sagen, aber man möchte doch immer im selben Raum sein wie der andere und wandert dafür auch gerne durch die Wohnung, ab und zu wird gekuschelt und geschmust, Lucky hat Sirius dann auch geputzt, was Sirius mit Schnurren in der Lautstärke eines Außenbootmotors quittiert hat, und wenn die beiden morgens in der Küche zum gemeinsamen Essen Fassen antraten, dann saß Lucky da wie eine Statue und hat darauf gewartet, während Sirius um ihn herumgelaufen ist und bei jeder Runde seine Schulter gegen Lucky gerömmst hat, oder seinen Kopf an ihm gerieben. Wenn Sirius einen seiner "Ich fühle mich nicht wohl, deswegen stelle ich mich mitten in ein Zimmer und jaule aus voller Kehle!"-Anfälle hatte, dann konnte man sich sicher sein, dass Lucky angelaufen kam und mit ihm genäselt hat. Und als wir Lucky einschläfern lassen mussten, hat man erst recht gemerkt, wie sehr die beiden sich mochten - Sirius ist in der Woche, die er alleine war, bevor das Jasminchen eingezogen ist, eigentlich 24/7 lauthals brüllend durch die Wohnung gelaufen und hat nach seinem Kumpel gerufen.
Jasminchen ist auch schon 13, hat auch eine chronische Nierenerkrankung, und die beiden kennen sich seit einem halben Jahr. Mittlerweile scheint auch sie halbwegs verstanden zu haben, dass Sirius kein Interesse daran hat, mit ihr zu toben und zu raufen, und die beiden können mittlerweile gemeinsam auf der Kuscheldecke neben der Heizung liegen oder sich friedlich das Sofa teilen. Aneinander schnuppern und fast-Köpfchen-reibend aneinander vorbeilaufen ist auch schon drin - und ich bin mir sicher, da ist noch Luft nach oben. Immerhin sind die beiden nicht mehr die Jüngsten (auch wenn Jasminchen immer noch eine kleine Duracell-Katze ist) und da braucht die Beziehungsarbeit auch schon mal ein bisschen Zeit, bevor sich da ein harmonisches Duo entwickelt.