Hallo,
vielen Dank für eure Anteilnahme. Pinky ist nun den zweiten Tag weg, ich weiß, dass er nicht wiederkommen wird und ich weiß auch, dass ich ihn in etwa 2 Wochen im Krematorium abholen kann. Eigentlich war der Plan, ihn eine "Seebestattung" zu gönnen. Er mochte ja Wasser. Aber im Moment zweifel ich an dem Vorhaben. Einen eigenen Garten haben wir ihn nicht und ich finde keine Lösung, wie ich ihm eine ruhige und ungestörte Ewigkeit bereiten kann. Aber das wird schon.
Nachdem ich gestern Abend etwas gegessen hatte, schlief ich irgendwann unruhig ein. Nachts wurde ich öfter wach: Minikatz miaute schrecklich laut. Vermutlich rief sie Pinky? Wer weiß...
Seit etwa 4 Uhr sitze ich in der Küche, trinke Kaffee, rauche viel zu viel und ich müsste mal runter in den Keller und etwas reparieren. Das werde ich auch noch machen, denke ich. Zumindest habe ich mich schon mal rasiert. Ich muss glaube ich nicht erwähnen, dass Pinky früher dabei immer auf der Waschmaschine saß, später, als er aufgrund der
Spondylose nicht mehr so hoch kam, saß er auf dem Deckel vom Katzenklo.
Ansonsten hätte er die ganze Zeit entweder auf den Küchentisch oder in der Fensterbank gelegen, in die ich ihn hochgehoben hätte. Da saß er gern und schaute raus, obwohl er rausgehen gar nicht mochte. Aber gucken war okay für ihn.
Ich denke, ich erzähl einfach ein bisschen von ihm. Vielleicht interessiert es euch ja und mir scheint es gut zu tun.
Ich habe einige Jahre (bis 2015) allein in dem Mietshaus gewohnt. Nun ja, im Mietzhaus, wie ich es irgendwann nannte. Da lies ich die Wohnungstür immer offen und Pinky und später auch Blinkie konnten durch das Treppenhaus toben, auf den Dachboden und auf den Balken herumklettern und wenn ich im Keller am Basteln war, kam Pinky auch öfter runter und find Spinnen. Marienkäfer jagte und frass er auch gern, nur vertrug er diese nicht und würgte sie immer hoch. Ich werde nie vergessen, als er sich wieder einen Marienkäfer fing, diesen fressen wollte und auf einmal wieder hochwürgte. Der Käfer lebte noch und entfaltete quasi in seinem Mäulchen die Flügel und flog ihm davon. Seinen Blick in dem Moment werde ich nie vergessen. Ich habe so gelacht...
Pinky ist Männern gegenüber immer recht offen gewesen, lies sich streicheln und alles. Mit Frauen hatte er so einige Probleme. Wenn er eine nicht mochte, merkte man das recht schnell. So akzeptierte er partout meine Ex-Freundin nicht und pinkelte immer auf ihre Betthälfte. Meine jetzige Partnerin mochte er sehr - und sie ihn auch. Pinky hatte hier viele Namen: Chef, Chaot, Kater, PiKa (von Pinky-Kater) und er reagierte auf alle.
Pinky trainierte uns Rituale an. Wenn ich morgens ins Bad musste, saß er vor der Wanne und gurrte. Er kam ja allein nicht mehr da rein oder raus. Ich hob ihn also rein, machte ihm das Wasser an, er trank und wartete, dass ich ihn wieder rausnahm. Da er mal mehr oder weniger schlechte Zeiten hatte, war ich erfreut, als er Anfang der Woche allein aus der Wanne sprang. Ich hab mich echt so doll gefreut, dass er diese Sprünge wieder machte und vor allem auch schaffte. Es geht ihm ein wenig besser, dachte ich.
Sicher wusste ich von seiner Nierenproblematik, aber da bekam er ja Semintra und spezielles Futter. Über einen Gewinn an Beweglichkeit war ich echt glücklich.
Von einem ganz anfänglichem "der Kater darf den Joghurtbecher auslecken" wurde ein "ich löffel etwas und er steckt zwischendurch immer seinen Kopf rein". Gerade in den letzten zwei Jahren durfte er immer mehr, weil ich insgeheim wusste, dass er nicht das Alter erreichen würde, was er verdient hätte.
Wenn ich dann zur Arbeit musste, saß er oben auf dem Kratzbaum und gurrte. Ich streichelte ihn und gab ihm ein paar Leckerlis. Dann der übliche Spruch: "Ich muss jetzt los und Geld für Katzenfutter verdienen". Später, als er nicht mehr so oft oben auf den Kratzbaum kam und auf dem Kissen auf dem Wohnzimmerboden saß, lief es aber genauso ab: Gurren, Streicheln, Leckerlis, Geld für Katzenfutter verdienen.
In den letzten Monaten wurde er öfter von Minikatz angegangen. Vielleicht wollte sie nur spielen. Aber er fauchte sie dann immer an, weil er sich nicht wirklich wehren konnte. Aber beim Futternapf war klar: erst er, dann Mini. Und das akzeptierte auch die Katze immer.
Trotz allem mochten sich die beiden, denke ich. Als sie noch sehr klein war, schlief sie immer an seinem Bauch und sie putzten sich gegenseitig. Später wurde das gegenseitige Putzen seltener, aber kam immer mal wieder vor. Die lagen auch manchmal nebeneinander auf dem Teppich oder einer Decke. Aber die Nähe wie früher, hatten sie beide nicht mehr: es musste immer eine Hand breit Platz zwischen beiden sein.
Noch so ein Ritual: nachdem morgendlichem Ausflug ins Bad, ging man in die Küche und schaltete die Kaffeemaschine ein. Inzwischen gab es frisches Futter und ein Schlückchen Milch für den Kater. Minikatz mag keine Milch - schon komisch. Dann gab es bei meinem ersten Kaffee Streicheleinheiten und ich muss sagen, Pinky konnte so laut schnurren. Manchmal schien er auch "mehrstimmig" zu schnurren - meist beim Bürsten.
Man soll ja Katzen beim Fahren im Korb lassen. Aber auch längeren Fahrten stellte ich ihm ein Katzenklo mit auf die Rücksitzbank und lies die Tür vom Korb auf. Meistens kam er dann irgendwann raus und legte sich auf den Beifahrersitz und schlief dort.
Es gibt so viele schöne Erinnerungen an ihn. Und ich weiß, das er mir oft durch schlechte Zeiten geholfen hat, weil er einfach da war und mich zum Lachen brachte.
Ich hoffe im Moment echt, dass es ihm gut geht. Was es mir so schwer macht, scheint der Umstand zu sein, dass ich - trotz meines Alters - noch nicht viele Verluste erleben musste. Und wenn war es immer so, das ich mir sicher sein konnte, dass man ein schönes, langes Leben gelebt hat. Ich denke da an meine Großeltern, die 77 und 85 geworden sind und sich zeitlebens an Gesundheit und vielen Urlauben erfreuen konnten. Aber Pinky? Ich habe vorhin mal so einen Katzenjahre-Rechner im Internet gefunden. Pinky ist 55 geworden... da fehlten noch 20 - 30 Jahre... da finde ich unfair und gemein, denn er hätte ein schönes, langes Leben verdient. Mir, meiner Partnerin und Minikatz gegenüber war er nie böse. Er hat mich in den fast zehn Jahren hier ein mal aus Versehen etwas fester gebissen, sonst schmuste er mit uns oder putzte uns sogar. Als er noch gut drauf war, konnte er vom Spiele nicht genug bekommen. Am liebsten mochte er es, wenn man im Bett lag, seinen kleinen Plüschhai durch die offenen Tür ins Wohnzimmer warf und er hinterherstürmen konnte, um ihn dann zurückzubringen. Immer wieder wollte er den Hai zurückbringen... den Hai gibt es immer noch. Er ist Pinkys ersten Spielzeug gewesen. Gefallen fand er später auch an einer Plüschratte, die so groß wie er selbst war. Die trug er immer im Maul durch die Gegend. Es sah immer so aus, als würde eine Mutter ihr Kitten tragen.
Nun ja, ich werde mich mal aufraffen müssen. Vielleicht schreibt mir einer ja mal, was eure gegangenen Seelen so gern gemacht haben, was sie ausmachte... ich habe schon viele Beiträge hier in der Regenbogenbrücke gelesen... Katzen haben ihre besonderen "Macken", die sie ausmachen.
Pinky, Du fehlst mir so arg doll...
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