Aber gern, Steffi (hoffentlich erwischt mich mein Chef nicht mal......)
Aaaaalso: Es gibt Gene, die rezessiv vererbt werden (hatten wir doch in irgendeinem thread gerade - wo war das noch?), d. h. diese Gene werden nur wirksam, wenn sie von beiden Partnern einer Verpaarung getragen werden. Das gilt sowohl für "harmlose" Gene für Farbe, Felllänge usw, aber auch für "schlimme" Gene wie z. B. rezessiv vererbbare Gendefekte, Krankheiten etc.
Jetzt stelle Dir vor, ich habe einen Kater, z. B. einen Maine Coon als Foundation-Tier, also direkt aus Amerika. Dieses Tier ist traumhaft schön, ein Abräumer auf Ausstellungen ohne Ende, kurzum, jeder Züchter reißt sich darum, dieses Tier als Papa seiner Babys zu haben. Jeder geht jetzt hin zum Decken. Nach zwei Jahren stellt sich heraus, dass dieser Kater irgend etwas weiter vererbt, dass sich nicht so ohne weiteres nachweisen lässt, bzw. nicht bekannt war, dass er es vererbt. Dieser Kater hat jetzt vielleicht alle 14 Tage ein Jahr lang gedeckt (was nicht ungewöhnlich ist), d. h. 26 Würfe "produziert", wovon viele Nachkommen wieder in die Zucht gegangen sind. Und ein großer Teil davon hat fröhlich - weil nicht bekannt, die Veranlagung für irgend etwas fröhlich weitergetragen - merkst Du, was ich meine? Im Extremfall habe ich eine ganze Rasse mit irgendetwas "durchseucht" - das muss nicht schlimm sein, es können harmlose Gendefekte sein, es kann aber auch schlimmeres sein.
Wenn ich diesen Kater nun dahingehend teste, das ich ihn z. B. einmal mit seiner Tochter verpaare oder diesen Kater mit seiner Schwester oder zwei Vollgeschwister seines Wurfes miteinander verpaare, besteht eine sehr große Chance, so etwas festzustellen, bevor ich eine Rasse krank mache. Jetzt mal die Frage: Was ist besser?
Rückverpaarungen werden aber noch aus anderen Gründen gemacht, nicht nur um Krankheiten aufzudecken - das wäre halt nur ein Effekt. Sie dienen eben auch dazu, positive Merkmale zu festigen oder aussterbende Linien zu erhalten. Auch das "herausmendeln" bestimmter Trägereigenschaften ist möglich, z. B. Verdünnung, Langhaarigkeit, Tabby etc.). Inzucht bedeutet also nicht zwangsläufig das "produzieren" kranker Katzenkinder. Man muss sich nur bewusst sein, dass ich das Gen"material" eines Tieres um die Hälfte reduziere. Wenn ich das sehr oft innerhalb einer Linie mache, dann kann ich mit ernsthaften Folgen rechnen, z. B. Kleinwüchsigkeit und Herabsetzung des Immunsystems (jetzt schau Dir mal ganz bewusst die meisten Bauernhofkatzen an. Dämmerts??)
In der Regel müssen so enge Verpaarungen aber auch von der Vereinen genehmigt werden. Sie werden auch nur unter bestimmten Voraussetzungen genehmigt, d. h. es müssen noch mindestens 11 verschiedene Vorfahren im Stammbaum bis in die 3. Generation verbleiben, man muß begründen, warum man diese Rückverpaarung macht und oft werden die Nachkommen auch mit Zuchtausschluß verkauft.
Es gibt einen sehr schönen Satz dazu: Inzucht in der Hand eines Laien ist wie das Rasiermesser in der Hand eines Affen!
Sie kann sehr segensreich sein, wenn man weiß, was man will und warum man es tut - wer keine Ahnung davon hat, sollte jedoch die Finger davon lassen.