Hallo zusammen,
ich bin neu hier und möchte mich deshalb zuerst kurz vorstellen: ich bin 47, lebe mit meinem Partner im Raum Basel in der Schweiz in einem EFH mit Garten und hatte die letzten zehn Jahre einen wundervollen, über alles geliebten Kater, den ich im Februar dieses Jahres wegen Bauchspeicheldrüsenkrebs gehen lassen musste.
Nun haben wir beschlossen, trotz der immer noch grossen Trauer den Blick wieder nach vorne zu richten und zwei neue Vierbeiner bei uns aufzunehmen. In zwei Wochen (ich schwanke zwischen "oh, noch so lange..." und "Hilfe, es geht so schnell!") werden zwei zweijährige Katerbrüder bei uns einziehen, die ihr bisheriges Zuhause verloren haben.
Neben praktischen Überlegungen wie "was muss ich alles noch anschaffen und bereit machen, damit sich die neuen Familienmitglieder gut einleben und wohlfühlen?" macht mir vor allem eines Bauchweh (sorry, es wird lang und ausführlich):
Und zwar ist im April dieses Jahres ein altes, verrupftes, sehr hungriges Katzenweibchen bei uns im Garten aufgetaucht. Ich hatte sie im Quartier noch nie gesehen, und als sie am nächsten Tag wieder da stand und erbärmlich nach Futter schrie, beschloss ich, sie müsse heimatlos sein. Ich hab sie gefüttert und dann alles gemacht, was man mit Findeltieren halt so macht: in allen Plattformen ausgeschrieben, gesucht, ob sie irgendwo vermisst wird, der offiziellen Meldestelle gemeldet und mit dem Katzi zum Tierarzt zum Chip-Check (natürlich negativ) und einer kleinen Akut-Generalüberholung. Es verging ein Monat, in dem das Tier uns kaum mehr verliess, unsere Aufmerksamkeit und Fürsorge genoss und sein mageres, verrupftes Aussehen sehr verbesserte.
Dann die Überraschung: um sieben Ecken erfuhren wir, dass das Tier bloss ca. 100 Meter Luftlinie von uns entfernt wohnt. Ihre Zweibeiner waren länger im Urlaub, und der Hüteperson war die Katze weggelaufen. Sie heisst Stella, ist gut 19jährig und ausser Arthrose in den Hinterbeinen und einer zwar ausgeprägten, sie aber kaum beeinträchtigenden CNI wirklich beneidenswert gut in Schuss.
Ich nahm natürlich sofort Kontakt auf mit Frau Zweibein, und diese hat überhaupt nichts dagegen, dass Stella Zeit bei uns im ruhigen, friedlichen Garten verbringt und mit uns schmust. Zuhause sei es ihr nicht mehr 100% wohl, seit die Katze der verstorbenen Mutter des Zweibeins eingezogen sei, und zudem befindet sich neben dem Grundstück eine Baustelle, deren Lärm die Katze stört. Seither teilt sich Stella ziemlich gerecht zwischen ihrem alten Zuhause und ihrer neuen "Sommerfrische" bei uns auf. Sie erscheint mehrmals täglich hier, lässt sich beschmusen und verdöst viele Stunden an einem gemütlichen Platz im Garten. Sie hat einen Kuscheliglu etwas erhöht auf unserem Sitzplatz und verbringt darin auch manche Nacht. Ganz offensichtlich ist sie mit ihrem Leben im Moment absolut zufrieden.
Diesen Frieden und dieses Katzenglück werde ich nun aber empfindlich stören, wenn ich mit zwei neuen Katzenjungs ankomme. Auch wenn diese zunächst natürlich drinnen bleiben (angedacht ist, sie über den Winter drin zu lassen und erst im Frühjahr langsam mit in den Garten zu nehmen) und ich Stella jetzt schon eine Weile nicht mehr ins Haus lasse, sondern mich nur draussen mit ihr abgebe, wird es für sie eine riesige Umstellung sein. Erstens wird sie die Jungs durch die Fensterfront zweifellos schnell sehen und ihren Geruch an mir riechen, andererseits wird sie aber auch spüren, dass sie plötzlich nicht mehr meine Nr. 1 ist. Bisher hab ich ihr wirklich jeden Wunsch von den Augen abgelesen und stand jederzeit zum Knuddeln bereit, wenn Madame aufgetaucht ist. Ich hab Stunden mit ihr im Garten verbracht und sie in jeder Art und Weise verwöhnt. Sie liebt mich und verlässt sich auf mich.
Wenn ich aber eigene neue Kater habe, die ich eingewöhnen und für die ich sicherstellen möchte, dass sie sich wohl fühlen und gut an mich gewöhnen, dann bin ich eben drinnen bei diesen zweien und nicht mehr draussen im Garten bei Stella.
Nun könnte man sagen, Pech für Stella, sie hat ja ein Zuhause, soll sie halt dann wieder komplett dort bleiben. Aber mich beelendet der Gedanke, wie zurückgewiesen sich Stella durch diese Veränderung vorkommen wird. Sie hat ja dasselbe schon zuhause erlebt, dass da eine andere Katze eingezogen ist, und sie hat sich nicht mehr richtig wohl gefühlt. Nun hat sie eine "Revier-Erweiterung" gefunden, die sie genossen hat - und peng, kriegt sie wieder fremde Katzen vor die Nase gesetzt, die ihr vorgezogen werden. Mich beschäftigt das so sehr, dass ich mich gerade tatsächlich nicht uneingeschränkt auf meine zwei neuen Katerchen freuen kann, und das ist so schade.
Was kann ich nur tun, um das Ganze für Stella erträglich zu gestalten? Was kann ich tun, dass mein Gewissen ihr gegenüber nicht so schlecht ist? Was würdet ihr tun? Oder stell ich mich tatsächlich blöde an und es ist überhaupt kein Problem?
Danke fürs Lesen, ich hoffe, ich war nicht zu wirr und konnte verständlich machen, was mich so bedrückt.