Ich hatte bereits, seitdem ich denken kann, Katzen. AlsKind, Teenager und junge Erwachsene verbrachte ich viel Zeit damit, meine freilaufenden Katzen zu suchen, weil sie seit Tagen vermisst waren. Manchmal tauchten sie wieder auf, manchmal auch nie mehr. Es tat mir immer im Herzen weh, nicht zu wissen, was aus den geliebten Tieren geworden war. Oft schleppten sie sich auch noch angefahren oder angeschossen heim und starben dann erst. Einmal pflegte ich meinen Kater monatelang von einem Verkehrsunfall gesund und musste ihn 2 Jahre später letztendlich doch aufgrund einer unheilbaren Immunschwächekrankheit einschläfern lassen. Meine Kätzin Lucky starb beim Tierarzt in meinen Armen an FIP. Nachdem ich meinen geliebten Kater Walter hatte einschläfern lassen müssen, entschied ich mich dafür, nur noch Wohnungskatzen und keine Freigänger mehr zu halten. Ich hatte schlicht und einfach zu häufig geliebte Tiere verloren und war es leid, ständig um sie zu trauern und zu weinen. Die Mutter meiner Schwägerin erzählte mir von einem aprikosenfarbenes Katerchen, welches ihr zugelaufen war. Neugierig fuhr ich am nächsten Tag zu ihr und sah das süßeste, sandfarbene Kätzchen der ganzen Welt. Es war Liebe auf den ersten Blick, als ich ihn sah. Ich schwor mir selber, alles zu tun, um Gefahren von ihm fernzuhalten und ihm ein wunderschönes Leben zu ermöglichen. Er hatte als Kitten noch überproportional große Ohren, weshalb er an Mr. Spock aus Star Trek erinnerte. Ich taufte ihn daher auf den Namen Spocky. Er war gerade mal so groß, dass er in meiner Handfläche Platz hatte. Er konnte unter alle Schränke kriechen und er liebte es, unter meine Bettdecke zu krabbeln und so zu schlafen, dass nur das Köpfchen rausschaute. Er hatte die schönsten Augen, die ich jemals sah. Ein intensives grün mit unendlichen Sprengeln darin – Augen in denen man versinken musste. Ich habe weder zuvor noch jemals wieder solch schöne Augen gesehen. Weder bei einem Tier, noch bei einem Menschen. Es war, als würde man in ein anderes Universum schauen, wenn man in seine wundervollen Augen blickte. Als er noch klein war, war er ein richtiger Frechdachs und stellte viel an. Einmal hatte ich Besuch und extra Spätzle gemacht. Bis ich die Tür öffnete, als der Besuch klingelte, sprang er schon in die Schüssel und futterte genüsslich von den Spätzle…. So mussten wir neue machen, weil die angefressenen, konnte ich meinen Gästen wohl kaum anbieten. Er liebte Spaghetti, Putenbrust und Paprika. Er war sogar hellen, kernlosen Weintrauben und Salatblättern nicht abgeneigt. Überhaupt fraß er für sein Leben gern und war nicht sehr wählerisch, was das Futter betraf. Als ich ihn gerade eine Woche hatte, machte er einen Riesenhaufen auf mein damaliges schwarzes Kunstledersofa. Just in dem Moment klingelte die Mutter meiner Schwägerin und wollte ihn besuchen und schauen, wie er sich so eingelebt hatte. Sie fragte, ob sie den kleinen Racker gleich wieder mitnehmen solle, aber ich hätte ihn um nichts jemals wieder her gegeben. Als Spocky 6 Jahre alt war, holte ich für ihn eine Kätzin als Spielkameradin dazu. Meine Tierärztin und ich holten das Kleine aus einem Animal Hording Haus und badeten es zusammen im Waschbecken und befreiten das Fell von Flöhen und Schmutz. Unter dem ganzen Schmutz kam eine wahre Schönheit hervor und ich nannte die kleine Prinzessin MissC, wobei das C für Cleopatra steht. Ich war überglücklich, dass sich mein süßer roter britisch Kurzhaar Mischlingskater und die kleine wunderschöne schwarze Maine-Coon-Mischlings-Diva sofort gut verstanden und schon nach einer Woche eng aneinander gekuschelt in ihrem Schlafkörbchen lagen. Vielen Menschen mag es unverständlich sein, dass man ein Tier so sehr liebt, anderen hingegen wieder mehr als verständlich. Ist es abnorm, seine Katzen wie Kinder zu behandeln und sie so zu lieben? Liebe ist doch nichts, was man nur für die eigene Spezies reservieren kann, sondern ein Gefühl, das eben da ist. Die Liebe zu einem Tier ist doch nicht weniger wert als die zu einem Menschen. Viele Menschen denken aber so. Häufig hört man dann Sprüche wie „War doch nur eine Katze“, so als ob man um ein geliebtes Haustier, das verstorben ist, nicht trauern dürfte. Oft wird es sogar belächelt, wenn man über seine Gefühle zu den Tieren spricht. Vielleicht sind diese Menschen einfach eines tieferen Gefühls gar nicht fähig. Weder zu ihrer eigenen Spezies noch zu anderen. Sie schätzen vermutlich das Leben an sich nicht, egal in welcher Form es sich manifestiert. Diese Menschen sind bedauernswert, weil sie nie erfahren werden, wie unendlich viel einem ein Haustier geben kann.Als wir 2007 in unser Haus zogen, war Spocky sofort darin heimisch. Er liebte es, die vielen Treppen auf und ab zu hoppeln, wie ein kleiner Hase. Durch dieses Fitnesstraining nahm er fast ein ganzes Kilo ab und wurde von mopsig zu plüschig.Er war so unendlich schön. Manchmal konnte ich Stunden damit verbringen, ihm einfach beim schlafen zu zuschauen. Jeder Tierarzt bei dem wir waren, liebte ihn sofort und in seiner Akte stand „ein sehr angenehmer Zeitgenosse“. Ja genau das war er. Er war drollig, goldig, süss, angenehm, liebenswürdig. Ein wahrer Schatz. Seine Schurrhaare waren weiß, bis auf ein einzgies Schwarzes. Er hatte sandfarbenes Fell, das am Bauch besonders flauschig war und noch heller, beinahe schon cremefarbig. Sein Schwanz hatte dunkler rote Ringel. Seine Fußballen waren zartrosa, genauso wie seine Öhrchen. Egal wie alt er wurde, er behielt immer sein Babygesicht. Wenn ich morgens zur Arbeit ging, begleitete er mich stets zur Tür und wenn ich abends heimkam, saß er schon lange wieder vor der Tür, bevor ich auch nur den Schlüssel ins Schloss stecken konnte. Unsere Haustür hat unten ein Glasfenster und wenn ich morgens zu meinem Auto lief, schaute er mir durch das Guckfenster noch nach, bis ich ins Auto einstieg und davon fuhr. An manchen Tagen bin ich nochmal zurück, nur um ihn ganz fest an mich zu drücken, so lieb hatte ich ihn. Manchmal hätte ich ihn am liebsten nicht mehr los gelassen. Wenn ich im Winter duschte, lag er direkt vor dem kleinen Elektroheizer, den ich immer eingeschaltet hatte. Auf seine alten Tage hatte er oft Rheuma und liebte Wärme. Er lag auch gerne und oft vor unserem Kaminofen.Ab Anfang 2010 merkte man ihm sein Alter deutlicher an, als zuvor. Er hatte an manchen Tagen mühe, aufs Sofa zu springen, an anderen sprang er wie in jungen Jahren in einem Satz darauf. Manchmal schlief er fast den ganzen Tag und an anderen Tagen wieder spielte und tollte er mit MissC herum, als wäre er gerade mal 2 Jahre alt. Doch die Tage, an denen er gebrechlicher wirkte, nahmen zu und ich ahnte, dass der Abschied nahe war, wollte es aber nicht wahr haben. Am 30. September kam mein Mann abends von der Arbeit nach Hause und fand unseren geliebten Spocky unter dem Kratzbaum liegend mit gelähmten Hinterpfötle, die eiskalt waren. Der Arzt sagte, dass die Thrombose operabel wäre und er eine 50% Überlebenschance hätte und dass sich auch die eiskalten, gelähmten Pfötle wieder regenerieren würden, weil wir noch rechtzeitig gekommen wären. Eine 50% Chance mussten wir nutzen, sonst hätten wir uns für immer Vorwürfe gemacht, dass wir es nicht versucht hätten. Die Operation dauerte 1,5 Stunden und der Arzt schickte uns weg, weil wir nicht mit in den OP Raum durften. Als wir wieder kamen, sagte die Krankenschwester, dass die OP gut verlaufen wäre und die 3 Thrombosen entfernt werden konnten und es gut ausschauen würden. Wir sollten heim fahren. Er würde in ca. 1 Stunde aufwachen und wir sollten dann anrufen, wie es ihm ginge. Er müsse dann ein paar Tage in der Klinik bleiben.Wir fuhren also hoffnungsvoll heim und riefen dann an. Doch leider hatte es in der Aufwachphase Komplikationen gegeben und es kam zum Herzstillstand. Die Ärzte versuchten noch, ihn wieder zu beleben, jedoch gelang dies leider nicht. Er hatte seit Jahren einen Herzklappenfehler, den wir medikamentös gut im Griff hatten, doch dieser Herzfehler löste an seinem Todestag die Thrombosen aus. Der Arzt war selber geschockt und hatte gedacht, dass er es schaffen würde, Spockys Leben zu retten. Am Morgen war er noch ganz normal wie immer und abends war er nicht mehr da und wir haben eines der liebsten Wesen auf der Welt verloren. MissC war noch 2 Wochen danach total apathisch und saß nur auf dem Sofa und mied alle Plätze, wo sie früher gerne mit Spocky lag. Das tut sie bis heute. Sie hat sich andere Plätze gesucht. Vielleicht erinnern auch sie die alten Plätze zu sehr an ihn und wie glücklich wir alle waren. Ich durfte ihn über 15 Jahre bei mir haben und ich habe ihn jede einzelne Nanosekunde davon geliebt und liebe ihn noch immer. Höchstens der Tod meiner Großeltern war vergleichbar schmerzhaft. Die ersten Tage nach seinem Tod waren furchtbar. Dennoch hatte ich manchmal das Gefühl, dass er noch um uns ist. Ich glaube sogar, MissC konnte ihn sehen. Nur wir Menschen in unserem Schmerz konnten ihn nicht sehen. Ich glaube, er sorgte sich um uns und konnte erst in sein Regenbogenland, als er wusste, dass es uns einigermaßen besser ging und wir nicht mehr so verzweifelt waren, wie die erste Zeit. Es gibt keinen Tag, an dem wir nicht an ihn denken. Aber die Trauer ist nur noch manchmal übermächtig. Die schönen Erlebnisse, die wir mit ihm hatten, kommen wieder eher in den Sinn, als das dramatische Ende. Der Schockzustand hat nachgelassen. Wir werden ihn wiedersehen, da bin ich mir ganz sicher. Der Tod ist nicht das Ende. Er ist nur in eine andere Dimension übergewechselt. Ich wünsche mir für ihn, dass er dort glücklich ist und schmerzfrei herumtollen kann, wie als er jung war. Er wird für immer in unserem Herzen wohnen.