Es ist jetzt fast eine Woche her und ich frage mich immer noch nach dem Warum?. Jeden Abend weine ich mich in den Schlaf, weil du hier fehlst... und jeden Morgen erwarte ich wieder und wieder, dass du vor mir sitzt, mich ansiehst und darauf wartest, dass ich endlich aufstehe. Du hast mich nie geweckt. Nie absichtlich. Habe ich geschlafen, hast auch du wieder deine Augen zu gemacht... und brav gewartet.
Ich weiß noch, als du zu mir kamst. Ich habe dich schon im Bauch deiner Mama gespürt und mich gefreut, als ihr 3 kleinen Wesen auf die Welt gekommen seid. Dass ich einen von Euch zu mir nehme, habe ich in diesem Augenblick noch nicht geglaubt. Aber ich glaube, dass ich dich an meinen Händen gespürt habe, als es dir in dem Bauch deiner Mama zu eng wurde. Ihr 3 wart so süß. Und so unterschiedlich. Nicht nur in eurer Fellzeichnung. Es warf so niedlich, als ihr 4 wie eine Entenfamilie von einem Ort zum anderen gegangen seid. Aber immer noch suchten wir einen Platz für dich.
Und dann verschwand mein erst 2 Jahre alter Kater. Also was sollte ich machen? Weiter warten und hoffen, dass er doch irgendwann wieder auftaucht? Ich habe weiter gewartet. Tag für Tag, Woche für Woche. Aber er kam nicht... und so wurde bei mir ein Platz frei, den du einnehmen konntest. Jedoch nur in meiner Wohnung, noch lange nicht in meinem Herzen, dass immer noch voller Hoffnung war. Und zu Anfang konnte ich dich nicht mal leiden. Ich habe dich aus Mitleid bei mir aufgenommen, wollte aber nichts mit dir zu tun haben. Du warst nicht wie mein verschwundener Kater. Du warst ganz anders. Und trotz meiner Ablehnung warst du immer in meiner Nähe. Du hast ,dich zu mir geschlichen, als ich schlief und dich neben mich gelegt. Du warst einfach immer da... und irgendwann hattest du die Lücke in meinem Herzen gefüllt. Einfach so.
Von diesem Zeitpunkt an, habe ich dich mit jedem Tag mehr geliebt. Egal wie viel Ärger du immer gemacht hast, wie viel du mit deinem dicken Hintern runter geworfen oder zerstört hast. Dein Name war Programm und das liebte ich immer an dir. Deine Tollpatschige und Plumpe Art. Deine riesigen eulenartigen Augen, die jeden Fehler vergessen ließen.
Das vermisse ich. Und noch so viel mehr. Du hast jeden morgen vor der Badezimmertür gewartet, bis ich wieder raus kam. Abends hast du auf mich gewartet... und du hast mir immer wieder etwas von deinen kleinen Reisen mitgebracht. Ein Band von einem Maibaum. Ein Plastiklöffel (ich würde wirklich gerne wissen, wo du ihn her hattest). Und Blätter. Immer wieder Blätter, die du mir voller Stolz präsentiert hast.
Natürlich, du hattest auch deine nervigen Seiten. Du konntest nie die Terrarien in Ruhe lassen, hast immer auf eine Chance gewartet, einen der Biester darin zu bekommen. Hat keiner aufgepasst, warst du in der Küche und stecktest mit dem Kopf im Müllsack, nur um dir noch etwas heraus zu fischen, was du eventuell noch auslecken konntest. Das hat mich wahnsinnig gemacht... aber gleichzeitig auch amüsiert. Wie du stolz und wie ein König vor mir weg gerannt bist, weil du deine Beute nicht abgeben wolltest. Wie du das zwei mal direkt hinter einander geschafft hast. Du warst ein Profi darin, innerhalb einer halben Stunde dein neues Halsband zu verlieren. Du hast beim Essen nicht mit 'Maiuen' genervt. Nein, du bist einfach gleich hoch geklettert und hast dein Gesicht an meine Gabel geschoben. Du warst einfach dreist... auf deine eigene Art und Weiße und genau das, war so liebenswert an dir.
Du hast es geliebt, auf den warmen Steinen des Parkplatzes zu liegen, während die Sonne dein Fell wärmte. Ein leichter Wind hat dich immer deinen Kopf heben lassen und mit geschlossenen Augen die Nase in den Wind gehalten. Und jedes Blatt, jede Schale oder Feder war sofort ein Spielzeug, welches du immer ausprobieren musstest.
Deine ängstliche Art hat deine Neugierde niemals gebremst. Alles musstest du erkunden und wenn es sich lohnte, auch jagen. Sei es nur ein Kabel, dass man über den Boden zog, das Zeichen auf dem Fernseher, dass sich immer von einer Ecke zur anderen bewegte oder meine Haare, die du gerne mal für dich eingenommen hast. Der Besen und Staubsauger war dir nie geheuer gewesen. Aber kaum raschelte ich mit den Leckerchen, war alle Angst vergessen. Und du hast sie nicht zart von der Handfläche oder dem Finger genommen. Du hast geschlungen... immer. Ich weiß nicht, ob dir das zum Verhängnis geworden ist. Ich weiß nicht, was passiert ist, oder warum es passiert ist.
Aber es kam zu früh. Viel zu früh. Ich hatte mich immer auf viele Jahre mit dir gefreut. Egal was sich in meinem Leben ändern würde, ich dachte, dass du die einzige Konstante in meinem Leben bleiben würdest. Du wärst immer bei mir, egal was war... und jetzt bist du weg. Nach 3 Jahren bist auch du gegangen. Ein viel zu kurzes Leben, in denen ich jeden Tag bereue, an dem ich dich nicht gleich in meinem Herzen aufgenommen hatte und böse auf dich war. Von diesen Tagen, gab es zum Glück nicht viele.
Ich wünsche mir die Zeit zurück, in denen du bei mir warst. Denn mein Leben ist leerer geworden seit dem. Du hast eine Brücke zu allem anderen geschlagen. Denn nicht nur ich vermisse dich. Deine Mama vermisst ihren Sohn und ihren Raufpartner, mit dem sie sich morgens austoben konnte. Spike vermisst seinen Konkurrenten, den er immer erst beschnuppert und dann eine auf den Deckel gegeben hat. Eve vermisst ihren Verehrer, der niemals zu müde wurde ihr wieder und wieder auf die Pelle zu rücken, egal, wie oft sie dich geschlagen hat. Du hast dich trotzdem immer zu ihr gelegt. Auch ihr Fauchen hat dich nie gestört. Du warst ihr Beschützer und hast sie vor anderen Katzen in den Schutz genommen. Immer hast du dich für sie geopfert und sogar die größten Prügel von einem Kater aus der Nachbarschaft kassiert, nur damit sie in Ruhe gelassen wurde.
Du hast diese ganze Ablehnung immer ertragen, denn eine Diva kann man nicht erobern, die Amazone will sich immer schlagen und der Kater hält sich immer noch für den einzigen in diesem Haushalt.
Jetzt sind es nur noch 3 Katzen, zu denen mir der Bezug fehlt. Ich hebe sie hoch, es ist nicht das Selbe, wie wenn ich dich auf meinen Arm genommen habe. Ich kuschel mit ihnen, atme den Geruch ihres Fells ein... es ist nicht deines. Ich rufe Abends ihre Namen, wenn sie nach Hause kommen sollen, aber deiner fehlt.
Manchmal sehe ich dich noch unter dem Tisch liegen. Als wäre Nichts passiert. Aber darunter liegt Nichts. Der Platz auf dem Terrarium und der Fensterbank bleiben leer. Nie wieder wirst zu mir aufsehen und dein 'mauuu' hören, was immer aussah, als würde ein Schaf blöcken. Immer die Zunge etwas ausgestreckt. Immer nur so laut, dass man es gerade hören konnte. Wenn du raus wolltest, bist du immer die Tür hoch gesprungen, hast sogar einmal die Türklinge erwischt und dich selbst raus gelassen. Das alles vermisse ich und noch so viel mehr. Leider kann man die Zeit nicht zurück drehen. Nur die Erinnerungen an dich bleiben. Zu wenige. Viel zu wenige.
Ich hoffe, der Schmerz und die Schuld werden bald weniger. Aber noch mehr hoffe ich, dass du es dir gut geht. Egal, wo du jetzt bist. Vielleicht besuchst du mich ja manchmal, auch wenn ich dich nicht sehen kann. Hoffentlich hat es dir hier an Nichts gefehlt. Ich habe immer das Beste für dich und die anderen gewollt. Wer weiß, ob das nicht zu viel war.
Ich liebe dich, mein dicker Kater. Das werde ich immer. Und ich werde dich niemals vergessen.