Es tut immer noch weh

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Mimi2012

Mimi2012

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Annie ist vor nicht einmal 5 Tagen von uns gegangen. Es fühlt sich gleichzeitig an wie gestern, dass sie hier war und die Einschläferung kommt mir vor, als wäre sie schon in ganz weiter Ferne. Vielleicht bedeutet das ja nur, dass die negativen Erinnerungen den positiven langsam weichen?

Keiner ohne Katze oder Haustier versteht einen wirklich. Mir spuken immer noch die Bilder im Kopf herum, von den guten Zeiten, vom Abschied und die ganzen Vorwürfe brüllen mir in die Ohren, was ich hätte anders machen können.

Der Schmerz holt mich morgens wieder ein, nachdem die Nächte im Schlaf erträglich sind. Von Annie habe ich nur kurz geträumt. Sonst habe ich von der Tierärztin oder von einem Kollegen geträumt. Es ist das erste Mal seit langem, dass ich mich an meine Träume morgens und auch später noch erinnern kann.

Gleich gehe ich auf einen Karnevalszug, weil ich es versprochen habe... Ich konnte mich am Donnerstag für ein paar Stunden ablenken. Abends, als der Alkohol nachließ, holte mich alles in Windeseile wieder ein. Wie könnte es auch anders sein, immerhin haben wir sie Mittwoch erst begraben. Es schmerzt und schmerzt und schmerzt. Ich denke den ganzen Tag daran, an Annie, an alles, was zu ihr gehörte und ich befinde alles für ganz großen Mist.

Als ich im Tierheim war, erzählte mir eine Mitarbeiterin, wie sie ihre geliebte Katze, die beinahe 2 Jahrzehnte bei ihr war, verlor. Das war erst im November. Ich sah in ihre Augen. Das hat sie sehr hart getroffen, da ging es auch so schnell. Viele Fehldiagnosen zuvor, aber keine Absehbarkeit wie bei mir. Das ziegte mir wieder, ich bin auch dort nicht die einzige.

Und ich fasse es trotzdem immer noch nicht... Ich erinnere mich noch daran, wie ich Annie holte und zuvor meinen Vermieter um Erlaubnis gefragt habe. Er hatte nichts dagegen, wollte aber noch die Hausverwaltung fragen. Ich holte sie aber schon nach seinem Einverständnis raus und dachte mir, dass das schon gutgehen würde. Und das tat es! Die blöde Hausverwaltung hat da eh nix zu sagen, solange es keine Beschwerden über Lärm oder Allergie gibt. also war ich im Endeffekt auf der sicheren Seite.

Sie fehlt mir so sehr. Gleich fahre ich in meine Wohnung zurück, wo ich mit Annie lebte. Ich muss mein Kostüm schnell noch fertignähen. Das hatte ich letzte Woche Samstag angefangen, als Annie noch lebte. Sie schlief nebendran auf ihrem Kissenn bzw. ihrem Kratzbaum oder auf dem Bett. Es war immer unterschiedlich. Aber abends, gegen 21-22 Uhr ging sie ins Bett, egal, ob ich schon da lag oder nicht.

Es kotzt mich alles an. Annie war mein kleiner Anker. Egal was war, sie war da und hat geschnurrt. Ich fühle mich so schrecklich. Tagsüber geht es einigermaßen, aber auch nur, weil ich abgelenkt bin.

Am liebsten würde ich nach und nach immer alle kranken und ungeliebten, die einfach keiner mitnehmen will, zu mir nehmen. Aber meine Seele hält das wahrscheinlich nicht aus. Jedes Mal wenn eine meiner Katzen geht, heule ich die Nacht durch und fühle mich so schrecklich, dass ich denke, ich werde gleich verrückt. Ich liege dann auch erstmal ca. eine Woche in der Ecke, lese, schreibe, bin einfach unbrauchbar.

Alle sagen, ich soll mir keinen neue Katze holen, sondern mich aufs Examen konzentrieren. Dabei ist das erst nächstes Jahr und ich habe trotz größter emotionaler Herausforderungen bisher jeden Abschluss wunderbar hinbekommen, weil ich mich im entscheidenden Moment zusammenreißen kann. Doch denke ich, dass mir evtl. die Freunde fehlen werden, wenn ich so weitermache. Wenn die das jedes Jahr mehrmals ertragen müssen... würden sie vielleicht, aber ich habe dann immer das Gefühl im Magen, du mutest ihnen echt was zu.

Ich bin in einem Dilemma. Hole ich demnächst eine weitere arme Seele zu mir oder lasse ich es? Die Wohnung wird es mir schon sagen. Ob ich die Leere ertrage oder es so besser ist, zumindest auf absehbare Zeit.

Ich will Annie nicht verraten. Will sie nicht aus meinen Erinnerungen verdrängen.

Momentan hasse ich echt alles. Ich habe keine Lust mehr, auf die tägliche scheiß Routine und den täglichen Schmerz. Ich trinke gleich einfach mit und fühle mich dann hoffentlich für ein paar Stunden besser.

Ich war bisher nur am Tag der Beerdigung an Annie's Grab. Ich schaffe es gerade einfach nicht ein weiteres Mal. Als Mimi starb, war ich dort Dauergast. Erklären kann ich mir das auch nicht.

Ach, lieber Gott, lass Annie gut angekommen sein und ein Auge auf uns alle werfen. Lass sie glücklich sein, ohne Schmerzen, eines Tages komme ich nach...
 
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