Alles fing damit an, dass Shui 1 Woche und 4 Tage verschwunden war, siehe Thread, vermisste Katzen...
Wir stellten Futter raus auf den Hinterhof, falls Shui entgegen aller Erwartungen bei uns über Nacht auftauchen sollte. Shui kam natürlich nicht zu uns, sondern wieder ins Urlaubsdomizil zu den Eltern meines Verlobten, die hier um 2 Ecken wohnen. Bei uns hingegen gesellte sich ein wilder Kater hinzu und kam immer wieder, um sich seine Ration Futter heimlich in der Nacht abzuholen. Auch eine tragende, augenscheinlich zahme Katze fand sich hin und wieder ein, um sich Futter abzuholen - dies jedoch nur kurzzeitig, vermutlich hatte sie in ihrem Zuhause bereits geworfen und war nun bei ihren Kleinen.
Dann war Shui in der Zwischenzeit wieder da, wir hörten aber nicht auf, Futter auf den Hinterhof zu stellen, da wir uns für den wilden Kater doch zuständig fühlten. Dann blieb der Besuch des Wildkaters ca. 3 Tage aus, wir stellten trotzdem weiterhin jeden Abend frisches Futter raus und erneuerten das Trockenfutter.
Zwischendurch kamen die Nachbarskinder vorbei um eine Katzensichtung zu melden, eines Katers, der eine weiße Schnauze, weiße Pfötchen hatte und ich sagte, dass unser Shui wieder da sei und dies der wilde Kater war, den wir auf dem Hinterhof durchfütterten.
Zur selben Zeit war Shuis bester Freund Rudi, Kater von den Eltern meines Verlobten für deren Urlaubszeit bei uns.
Eines Morgens hörten wir ein jammerndes lautes Mauzen vom Hinterhof.
Mein Verlobter ging raus um zu kucken, wo es herkam. Konnte so auf dem Hinterhof nichts erkennen, bis er schließlich seinen Blick nach oben richtete und den Wildkater auf dem Flachdach des Schuppens entdeckte.
Mein Verlobter Manni hatte ein großes Stück Wurst in der Hand und hielt es "testweise" in Richtung des Wildkaters.
Der schnappte sich sofort das Tischtennisball-große Stück und verschwand auf dem Dach. Mein Manni wartete noch einen Moment und mit einem lauten langgezogenem Mauzen, sich das Maul leckend trat der Wildkater wieder in Erscheinung. Manni konnte unglaublicherweise diesen wilden Kater zum ersten mal am Köpfchen streicheln. (Vorher konnte man noch nicht mal aus dem Fenster unten im Wohnzimmer schauen, geschweige denn aus der Tür treten, der Kater nahm immer sofort Reißaus!)
Manni kam hastig rein und schnappte sich ein Beutelchen Katzenfutter und ging wieder nach draussen mit einem Tellerchen. Der Wildkater beobachtete Manni auf Schritt und Tritt begleitet mit ständigem Miauen. Er schien unglaublich hungrig zu sein. Nun war dies offensichtlich der erste Besuch vom Dach aus und er wusste nicht recht, wie er von dort herunterkommen mochte. Schließlich schaffte er es dann doch irgendwie und machte sich sofort über das Fresschen her. Ihn störten noch nicht einmal die lärmenden Nachbarskinder, die neugierig über die Mauer schauten.
Dann begann er, sich in sicherer Entfernung zu putzen und behielt dabei Manni ständig im Auge. Seitdem kommt er jeden Tag und wird mit jedem Mal zutraulicher und schmust heutzutage ganz ungeniert mit uns.
Es blieb nicht unbemerkt, dass der Wildkater unkastriert war und auch unseren Hinterhof regelrecht markierte. Wir mussten - auch als Gegenmaßnahme gegen ungewollten Nachwuchs - ihn kastrieren lassen. Aber wie ihn einfangen? Wir holten uns Rat beim örtlichen Katzenschutz und gleichzeitig gewöhnte Manni den Wildkater - den wir inzwischen, wegen seines muskulösen Nackens und riesigen Kopfes ARNIE genannt hatten - an den Katzentragekorb, indem er Leckerlies reinwarf und das Türchen immer offenließ. Somit konnte er daran gewöhnt werden und ging mittlerweile auch auf Vortäuschen des Leckerli-Wurfes in die Box.
Die wahre Bedeutung der Box kannte er so offensichtlich noch nicht - den Transport. Der Katzenschutz hatte einen Termin ausgemacht beim Tierarzt und eines morgens halb 8 sollte Arnie dann abgeholt werden.
Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen und mein Manni hatte Frühschicht, er kam extra für eine halbe Std. nach Hause, da Arnie auf ihn fixiert war und Manni konnte ihn, als die Katzenschutz-Tante kam auch ohne Probleme in die Box befördern. Dann musste Manni wieder zur Arbeit. Die Katzenschutz-Tante meinte, sie würde den Kater wieder zu uns bringen, da das Katzenschutz-Haus überfüllt war und wir sagten sofort, dass wir uns weiter um den wilden Kater kümmern würden. Also bekam ich wieder keinen Schlaf und sorgte mich die ganze Zeit um das Tierchen, so als ob es schon mein eigenes wär.
Um ca. 12:00 Uhr kam die Katzenschutz-Tante und brachte Arnie in der Box wieder auf den Hinterhof, ich unterbrach meine Arbeit am PC und ging nach draußen, Arnie war schon wieder recht wach und schaute mich mit großen Augen aus der Box an und war am jammern. Ich hatte inzwischen schon einen neuen Karton mit einer Decke ausgelegt und auf den Hinterhof unter den Tisch an der Wand gestellt. Katzen nach OP brauchen Wärme, fiel mir in Erinnerung nach Shuis Kastration ein.
Die Dame riet mir noch, ich solle Arnie noch eine ganze Weile in der Box belassen. Ich setzte mich auf den Boden neben die Box. Arnie schaute mich immer wieder mit große Augen an und legte sich ab und zu auf die Seite so gut es ging, versuchte zwischendurch auch immer wieder rauszukommen und drückte mit seiner großen Nase an die Gittertür. Ich sprach beruhigend mit ihm und wagte immer wieder, meine Finger durch die Gittertür zu stecken und ihn zu streicheln am Kopf. Dann rief Manni von der Arbeit an und wir beschlossen, ihn doch rauszulassen.
Ich dachte mir noch - würde Arnie uns die Behandlung verzeihen?! Zuerst bemerkte Arnie garnicht die offene Tür und ich musste ihn mit leisem Rufen darauf hinweisen. Dann flüchtete er sich, so gut es ging aus der Box und wackelte etwas taumelig auf dem Hinterhof umher und putzte sich, verschwand dann in unseren verwilderten Garten und mir blieb nichts übrig, als reinzugehen und weiter zu arbeiten, an Schlaf war noch immer nicht zu denken.
Arnie erholte sich recht gut und war schon bald wieder da, um nach Fresschen zu fragen. Er vertrug es gut und legte sich auf den Hinterhof in die Warme Sonne. (Ich beschloss dankbar, dem Katzenschutz eine Spende zukommen zu lassen, sobald ich wieder Geld auf dem Konto hab.)
Auf den Arm genommen haben wir Arnie noch nicht, dafür macht Manni mittlerweile Tests, wie Arnie sich verhält, wenn er reindarf - er kann Shui noch nicht recht leiden und Murrt ihn immer wieder an, Shui jedoch freut sich wie blöde über jede andere Katze in seiner Nähe und genießt deren Gesellschaft. Er wird aber auch schnell übermütig und will wild spielen und herumtollen, was für andere Katzen befremdlich und aufdringlich wirken kann. Ich hoffe, dass wir Arnie bis zum kalten Winter ein bisschen ans Reinkommen und an Shui gewöhnen können. Naja andererseits hat er ja auch offensichtlich 2-3 Jahre draussen überlebt. Das ist das Alter auf das wir Arnie schätzen.
Gestern klingelte es an der Tür, es waren die Nachbarskinder mit ihrer Mutter. Manni blieb ein ganzes Weilchen draußen und ich fragte mich, was denn da los sei... Ich hörte nur leise, wie sie was von ner Mieze erzählten und Manni immer wieder beruhigend sagte, wir kümmern uns darum. Dann kam Manni rein mit einem kleinen schwarzen Etwas auf dem Arm.
Es entpuppte sich als ein ca. 12-16 Wochen altes Kätzchen, das ängstlich dreinschaute und von den Nachbarskindern schon seit Stunden beobachtet, miauend in deren Garten gefunden worden war; der Vater erlaubte nicht, dass es bei der Familie bleiben durfte, also wendete man sich an uns, da wir seit dem Aufhängen der Plakate für Shui in der Gegend mit Katzen in Verbindung gebracht wurden.
Es ist also amtlich - wir sind hier die Katzenmenschen. :lol: :lol:
Das Kätzchen sah zerstrubbelt aus und hatte die Schnurrhaare über den Augen angesengt, so als ob es einer Kerze zu nahe gekommen wäre. Manni hielt das Kätzchen dem auf der Treppe wartenden Shui vor die Nase und beide beschnüffelten sich. Ich entschied, das Kätzchen sofort zum Katzenschutz zu bringen, da auch wir es nicht behalten konnten. Bei jedem folgendem Kontakt mit Shui brummte das Kätzchen Shui an und krallte sich auf meinem Arm fest. Ich setzte es vor Shuis Trockenfutter, es wollte aber nichts essen sondern konzentrierte sich vollends auf den neugierig erfreuten Shui, der uns überall hinterherlief; und plusterte sich zu einem felligen Etwas vollends auf und begann wieder zu brummen. Das sah so witzig aus, Kätzchen tat mir aber auch leid und ich nahm es sofort wieder auf den Arm. Wir machten noch einige Fotos und Manni holte die Tragebox und brachte das Kätzchen zum Katzenschutz. Wir werden Augen und Ohren offenhalten, ob es jemand vermisst und werden dann nach sorgfältiger Prüfung der Beschreibung sofort den Kontakt herstellen, um Kätzchen und Besitzer wieder zusammenzuführen.
Hier noch ein paar Bilder:
Arnie der wilde Kater
Die kleine Gastmieze
und noch welche von Shui
Das Leben ist katzen-schön...
Sabine