Guten Tag zusammen,
es ist mir etwas unangenehm, mich in einem Forum zu melden, in dem ich in den letzten Jahren so gut wie nie aktiv war, und in dem ich nun hoffe, Erfahrungsberichte oder vielleicht auch Ratschläge zu erhalten. Da ich zurzeit in der 28. Woche schwanger bin und mich generell etwas überfordert fühle und emotionaler bin als gewöhnlich, fühle ich mich in dieser Situation oftmals verzweifelt, auch wenn ich für meine Katze stark sein und Ruhe verkörpern möchte.
Ich hoffe sehr, dass mir ein "offenes Auge" geschenkt wird und ich vielleicht Gleichgesinnte finde, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und mir möglicherweise helfen können. Ich bedanke mich bei jedem, der sich die Zeit nimmt, sich meine Erfahrnug durchzulesen. Das bedeutet mir wirklich sehr viel.
Zunächst möchte ich gerne näher auf meine Katze eingehen.
Im Februar 2019 adoptierte ich zwei ältere Katzendamen aus einem Tierheim. Ihre Vorbesitzerin musste leider ins Altersheim und niemand wollte sie aufgrund ihrer extremen Ängstlichkeit und Menschenscheu haben. Bis auf ihre Vorbesitzerin hatten sie wohl auch keinen Kontakt zu anderen Menschen. Ich wollte den beiden eine zweite Chance geben, ihre "Rente" noch in einem schönen Zuhause verbringen zu können. Beide heißen Tonka und Hexe (diesen Namen erhielt sie aus einem sehr guten Grund im Tierheim, ich erhielt ihn aufrecht, da er sehr gut zu ihrer sehr aufmüpfigen Persönlichkeit passt, habe ihn allerdings in "Hexi" umgewandelt, damit es nicht zu streng klingt). Beide waren zu dem Zeitpunkt wohl bester Gesundheit, bis auf stressbedingten Haarausfall. Das Fell wuchs nach einigen Monaten jedoch wieder schön nach.
Nun möchte ich auf das eigentliche Thema kommen.
Im Mai erfuhr ich, dass ich schwanger bin, unser kleines "Ü-Ei", wie mein Partner und ich zu sagen pflegen. Wir beide wohnen noch nicht zusammen, daher haben Tonka und Hexe auch nur mich als Bezugsperson. Vor Besuch verstecken sie sich, Tonka knurrt sogar gelegentlich, bevor sie sich versteckt. Hexe zeigt sich allerdings mittlerweile menschenfreundlicher und kuschelt auch gerne mit meinem Partner.
Seit Beginn meiner Schwangerschaft fiel mir auf, dass Tonka unruhiger wurde, sehr sensibel auf Geräusche reagierte und leicht schreckhafter war. Als körperliche Begleiterscheinung kam Erbrechen. Zunächst nur alle paar Tage, dann häufiger. Täglich, mehrmals, ab Juli besonders auffällig. Zwischendurch gab es mehrtägige Phasen, wo sie nicht erbrach. Sie wirkte trotz dem Erbrechen extrem fit, spielte, tobte, rannte herum, wollte gestreichelt werden und fraß wie ein Mähdrescher. Ich vermutete zunächst, dass es stressbedingt sein könnte, weil sie sehr auf meine Stimmungsschwankungen reagierte und ich wahrscheinlich für sie anders "rieche" aufgrund meiner Hormone.
Im August ging ich mit ihr zum Tierarzt, weil ich es abgeklärt haben wollte, um mein Gewissen zu beruhigen. Je mehr ich selbst in meiner Schwangerschaft voranschritt, umso unruhiger wurde ich. Der erste Tierarztbesuch verlief zügig - abgetastet, Schleimhäute überprüft. Alles unauffällig. Der Bauch war absolut weich und tastbar, Schleimhäute unauffällig, glänzendes Fell (das sie jetzt immer noch hat) und ein gutes Gewicht von 5 kg. Man ging zunächst von Stress aus, also bekam sie Zylkene. Drei Wochen erbrach sie auch nicht mehr und wirkte entspannter, somit dachte ich, dass es wirklich nur daran lag.
Und dann kam der September. Das Erbrechen kam wieder, dieses Mal etwas heftiger und vorwiegend Magensäure. Also begab ich mich wieder mit ihr zum Tierarzt. Dieses Mal war die Untersuchung etwas aufwendiger - Blut wurde abgenommen und zweimal geröngt, einmal mit und einmal ohne Kontrastmittel, da meine Tierärztin sie genauer unter die Lupe nehmen wollte. Ihre Blutwerte waren absolut in Ordnung, gar keine Auffälligkeiten, ihre Organwerte optimal. Auf dem Röntgenbild war auch nichts zu erkennen. Also musste ich - erneut mit einem mulmigen Gefühl im Magen und der Tatsache, dass es keine Erklärung für ihr Erbrechen gibt - nach Hause. Aber es ging ihr trotz allem sehr gut. Ich merkte allerdings, dass diese Tierarztfahrten ihr allmählich auf den Zeiger gingen und sie gestresster war. Also hoffte ich, mit Zylkene und einer Futterumstellung, ihr etwas helfen zu können.
Ende September reichte es mir endgültig, als sie begann, an einem Freitag Abend, bevor ich mit ihr zur Tierklinik fuhr, ganz kleine Bröckchen Blut (also wirklich ganz ganz klein, kaum erkennbar, aber definitiv rot) mit zu erbrechen und etwas schlapp wirkte. Ich merkte, dass sie leichte Schmerzen bekam, weil sie sich am Bauch nicht mehr streicheln lassen wollte (sie liebt es am Bauch gekrault zu werden) und mich das ERSTE MAL anfauchte. Da war bei mir jeder Spaß vorbei. Ich musste zwischendurch notfalltechnisch zum Frauenarzt, weil der innere Stress begann mir nicht gut zu tun und ich öfters unter Unterleibsschmerzen litt. Mir wurde dazu angeraten, definitiv Ruhe zu bekommen - wirklich leichter gesagt als getan. Trotzdem versuchte ich angestrengt, für mich und meinen kleinen Sohn ruhig zu bleiben. Und meinem Partner zuliebe.
Um 6 Uhr morgens fuhr ich mit ihr in die Tierklinik und wir gerieten an eine wirklich tolle und liebevolle Tierärztin. Tonka sträubte sich mittlerweile vor den Untersuchungen, wollte nicht betatscht werden und stampfte fast schon wütend durch den Behandlungsraum. Das Abtasten ergab einen ganz leichten Bauchdruck, bei dem Tonka sich etwas wehrte, aber sie machte ansonsten einen sehr agilen und vitalen Eindruck.
Ich entschied schweren Herzens sie dortzulassen, damit sie ein Ultraschall machen und sie an den Tropf hängen können, damit sie wieder etwas aufgebaut wird. Mir war wichtig, Klarheit zu bekommen, sowohl für mich als für die Katze.
Am Telefon erfuhr ich, dass im Ultraschall eine leichte Verdickung in der Magenwand gefunden wurde (1,5 cm) und die Tierärztin einen erfahrenen Tierarzt zu Rate zog, für den diese Verdickung schon zu 99% ein Magentumor war, weil er mit solchen Ultraschallbildern wohl sehr viel Erfahrung hatte. Die Tierärztin besprach mit mir weitere Möglichkeiten, und ich bestand auf eine Magenspiegelung, damit auch diese Verdachtsdiagnose bestätigt wird. Ich wollte mich nicht mit einem Verdacht zufriedengeben, weil es mir wichtig ist, meine Katze bestmöglich zu behandeln und ihr Linderung zu verschaffen. Leider musste sie das Wochenende über in der Tierklinik bleiben, verweigerte wohl das Fressen, bekam aber Medikamente gegen Sodbrennen und Übelkeit. Trotz der Essensverweigerung machte sie einen extrem vitalen Eindruck, und das beruhigte mich schonmal sehr. Doch die Ungewissheit war grauenhaft. Ich wusste nicht, ob ich mich am Montag von ihr verabschieden muss, ob ich sie wieder abholen darf, ob sie leidet. Und für eine Katze, die generell psychisch absolut nicht belastbar ist und sich vor allem fürchtet, muss dieser Aufenthalt ein Horror gewesen sein. Bis heute ärgere ich mich darüber, dass es so weit kommen musste, doch es war notwendig.
Am Montag erfuhr ich, dass alles gut verlaufen ist und ich Tonka wieder abholen darf. Es war nicht erkennbar, ob es ein Tumor oder eine Entzündung ist, daher wurden Proben entnommen. Auch nur der Magen sei betroffen, alle anderen umliegenden Organe wären völlig intakt. An Einschläfern war absolut nicht zu denken, da ihre Blutwerte einfach zu gut waren und sie Lebenswillen zeigte. Also nahm ich sie glücklich mit nach Hause und musste bis Freitag auf die Ergebnisse warten. Ich bereitete mich innerlich schonmal auf die schlimmste Diagnose vor - es diente mir sehr zum Selbstschutz und ich wollte alle Möglichkeiten in Betracht ziehen. Dennoch war es mir auch wichtig, mich auf eine schwere Diagnose einzustellen.
Dann sollte ich diese leider auch bekommen: Tonka leidet unter einem "malignen Blastom" und es gibt keine konkrete Prognose, weil jeder Tumor anders ist. Vielleicht hat sie noch ein paar Wochen, ein paar Monate, oder sogar noch ein bis zwei Jahre. Meine Tierärztin hatte einen Hund mit dem gleichen Tumor, der allein mit der Cortisontherapie noch anderthalb Jahre lebte - doch ich möchte mir keine unnötigen Hoffnungen machen. Diese Form des Tumors gehört wohl zu den aggressiven und tendiert zu Metastasen. Ich besprach sowohl mit den Tierärzten in der Klinik, als auch mit meiner Tierärztin aus der Praxis, Möglichkeiten und weitere Behandlung. Unser Ziel ist es, ihr soviel Lebensqualität wie möglich zu gewährleisten und ihr so wenig Stress wie möglich anzutun.
Von einer OP rieten sie ab, da dann ein Teil des Magens entfernt werden muss und sie dann ewig beim Fressen eingeschränkt ist und viele Nachbehandlungen über sich ergehen lassen müsste. Eine Chemotherapie kam auch nicht in Frage, da sie dann auch öfters zur Klinik fahren muss und sie von meiner anderen Katze getrennt werden müsste und zudem keine Garantie besteht, dass der Tumor nicht zurückkehrt oder streut. Folglich bekommt sie eine Cortisontherapie, die Spritze bekam sie bereits in der Klinik. Alle vier bis sechs Wochen soll diese erneuert werden. Zusätzlich bekommt sie ein Medikament zur Hemmung der Magensäure (Maaloxan). Kurz gesagt: es ist eine palliative Situation. Sie darf alles fressen, was sie will, sie wird verwöhnt, als wäre sie die Reinkarnation von Kleopatra (natürlich wird die andere Katze mit verwöhnt!). Seit sie wieder hier ist, frisst sie extrem gut, wirkt sehr lebhaft und auch entspannter. Sie erbrach auch nicht. Sie ist sogar das erste Mal auf meinen Partner zugegangen und hat sich von ihm streicheln lassen. Die Diagnose hat mich sehr umgehauen, ich muss aber auch sagen, dass es etwas gut tut, Klarheit zu haben. Was mich jetzt allerdings umso mehr belastet, ist die Ungewissheit. Wie lange wird sie noch haben? Wie merke ich, dass sie Schmerzen hat? Wie kann ich ihr helfen? Wie signalisiert sie mir, dass sie nicht mehr leben will? Ich merke auch, dass ich selbst, trotz der Gewissheit und dem Ziel, es ihr noch so richtig schön zu machen, sehr ruhiger und ausgeglichener bin. Und das scheint der Tonka auch sehr gut zu tun.
Was mir momentan auffällt: sie hat zwar etwas abgenommen, was mir etwas Sorgen macht, weil ich Angst habe, dass der Tumor sie "verhungern" lässt. Aber sie hatte die letzten Wochen auch sehr viel Stress wegen dem Aufenthalt in der Klinik, den Tierarztbesuchen und ich denke, das viele Erbrechen hat ihr auch schön zugesetzt. Gestern Abend hat sie das erste Mal seit fast drei Wochen einmal gebrochen. Es war ein extrem großer Schreck für mich, und schon malte ich mir alle schlimmsten Horrorszenarien aus, was ich den Hormonen zuschreibe. Sie wurde dann auch unruhig und wollte sich von mir nicht streicheln lassen. Ich dachte sofort: "sie hat wieder Schmerzen!" Aber zudem meldete sich auch die andere Stimme in mir: "du steckst sie gerade mit deiner Panik an." Also mahnte ich mich zur Ruhe. Es war auch nur einmal, sie frisst und trinkt weiterhin ganz normal und fordert extrem oft Leckerlis ein. Ich weiß nicht, ob es eine Ausnahme war, ob sie vielleicht Fell im Magen hatte, ich weiß es nicht. Es war aber kein Blut dabei. Und nach einer halben Stunde war sie wieder die "Alte", nachdem ich auch wieder etwas ruhiger wurde.
Was für mich im Moment sehr schwierig ist: die Balance zwischen der Katze und meiner Schwangerschaft. Ich konnte meine Schwangerschaft bis jetzt nicht genießen, weil ich immer auf Tonka und meine Sorgen fixiert war. Mittlerweile gibt es schon ein etwas erkennbares Gleichgewicht. Ich höre mittlerweile auch sehr viel auf meinen Körper und genieße die Tritte meines Babys. Mir ist es wichtig, Ruhe zu bewahren, auch für Tonka. Ich weiß jetzt, dass der Tag X kommen wird - wann weiß ich nicht, aber ich will akzeptieren, dass ich mit dieser Ungewissheit leben muss. Ich genieße jeden Moment mit Tonka und versuche ihr mit meiner Ruhe zu vermitteln, dass alles gut ist. Eventuell kommt auch eine Tierärztin zu uns nach Hause, um ihr die Cortisonspritze zu geben, damit ihr die Fahrt zur Praxis erspart bleibt. Natürlich ist der Hausbesuch auch Stress für sie, aber ich denke, es ist wesentlich besser so, da sie mittlerweile auch die Transportbox meidet und sich extrem wehrt.
Eine kurze Zwischenbemerkung: Ich kann mir vorstellen, dass sich einige denken: und was machst du, wenn dein Baby auf der Welt ist? Das ist auch Stress pur für die Katze! Ich möchte jene von euch, die sich diese Frage stellen, beruhigen: ich bin seit meiner Schwangerschaft nur am Recherchieren, Vorbereiten und Planen, um den Katzen diesen Übergang zu erleichtern. Ich werde sicherstellen, mit allen Mitteln, dass die Katzen nicht vernachlässigt und die gleiche Liebe wie vorher bekommen, auch mit dem Baby. Denn abgeben werde ich sie wegen meiner Schwangerschaft NICHT. Ich würde den beiden damit keinen Gefallen tun, zumal die Trennung von der Vorbesitzerin sie ohnehin schon schwer traumatisierte. Meine Katze Hexe zum Beispiel reagiert anders als Tonka: sie legt sich oft mit dem Kopf auf den Bauch und ist viel in meiner Nähe, seit ich schwanger bin. Ich werde sogar Kontakt mit einer Verhaltenstherapeutin für Tiere aufnehmen, um mit ihr meine Ideen und Planungen in Bezug auf den Neuzuwachs zu besprechen. Also seid bitte unbesorgt, es ist alles vorbereitet.
Nun folgt meine Frage bzw. mein Anliegen auf das eigentliche Thema: hat hier jemand auch ähnliche Erfahrungen gemacht und kann mir vielleicht Ratschläge geben, wie ich es der Tonka noch so angenehm wie möglich machen kann? Habt ihr Erfahrungen mit der Cortisontherapie, und wenn ja, wie hat sie bei euren Tieren angeschlagen? Wie seid ihr mit dem Thema umgegangen?
Es tut mir gerade sehr gut, mir dieses Thema von der Seele zu schreiben und es mit euch zu teilen. Ich liebe meine Katzen über alles und so sehr ich auch versuche, ruhig zu bleiben, tief in mir schmerzt einfach die Gewissheit, dass Tonka nicht mehr lange bei mir bleiben wird. Ich sehe jede Knuddeleinheit mit einem lachenden und einem weinenden Auge, weil ich nie weiß, ob es vielleicht das letzte Mal war.
Ich bedanke mich schonmal bei jedem, der sich die Zeit genommen hat, diesen Roman durchzulesen, und der mir vielleicht die eine oder andere Hilfestellung geben kann. Mir ist es sehr wichtig, der Tonka eine gute Lebensqualität zu ermöglichen. Sie soll nicht leiden oder sich mit Schmerzen durchquälen. Ich werde auch mit der mobilen Tierärztin schon im Voraus besprechen, dass sie im schlimmsten Fall, sollte ihre Zeit kommen, Zuhause eingeschläfert werden kann.
Alles Liebe und bleibt gesund, Avrina.