Hallo zusammen,
ich bin neu hier und habe direkt ein Anliegen

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Mein Mann und ich wohnen mit drei Katzen zusammen. Max, Moritz und Jürgen (ja, alle drei Tierheimkatzen, die ihre Namen bereits hatten. Wir wollten sie damals nicht ändern :-D). Max und Moritz sind Geschwister aus einem Wurf, Jürgen war nach seinem Einzug ca. 3 Monate Einzelkatze, erst dann wollten wir einen Spielkameraden dazu holen. Aber wie es immer so ist.. Kommt es anders als geplant, sodass wir die gleichaltrigen Geschwister Max und Moritz aufnahmen.
Alle drei sind mittlerweile 10 Jahre alt, entwurmt, geimpft, kastriert. Reine Hauskatzen mit gesichertem Freigang in den Garten (Gehege).
Bis vor ca. 1 Jahr, vielleicht auch 1,5 Jahren, war das Zusammenleben sehr entspannt. Max und Moritz waren typische Geschwister, haben zusammen gespielt, sich geputzt usw. Jürgen war zwar gerne in der Nähe, zusammen schlafen ging auch, spielen klappte jedoch nicht, da Jürgen eher grob ist und war. Das haben aber alle schnell akzeptiert und hingenommen. Jürgen ist auch eh eher der entspannte Part, der lieber Nähe und Ruhe als Aktivitäten sucht.
....und plötzlich ging die Wildpinkelei in der Wohnung los. Mal mehr, mal weniger. Wir haben eine Langzeit-Großbaustelle (Bau Wohnpark) direkt vor der Haustür und wohl viel zu lange den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen.
Natürlich sind wir erstmal mit den dreien zum Tierarzt um gesundheitliche Gründe auszuschließen. Es wurde Urin von allen getestet, große Blutbilder gemacht, Zähne kontrolliert und Zahnstein entfernt usw. Dabei kamen auch unterschiedliche, alterstypische Diagnosen zum Vorschein. Jürgen hat FORL, jedoch noch so gering im Anfangsstadium, dass die Tierärztin dies nur Informativ anmerken wollte und auf die Dringlichkeit der regelmäßigen Kontrolle hingewiesen hat. Max und Moritz hatten beide etwas wenig rote Blutkörperchen, was für Hauskatzen in dem Alter aber wohl nicht sooo außergewöhnlich ist. Wir füttern den beiden täglich 1 Tropfen ferosanol nach Absprache mit dem Tierarzt, sowie allen dreien ein Senior-Vitaminpulver. Natürlich gehen alle drei jährlich zur Kontrolle zum Tierarzt, bei Bedarf öfter.
Außerdem riet die Tierärztin zur Nutzung von Feliway (die haben wir im letzten Jahr wohl reich gemacht, leider ohne Besserung bei uns).
Also haben wir gewartet und gehofft, dass es besser wird, wurde es aber nicht. Wir haben das Toilettenmanagement geändert, weitere Klos aufgestellt, mit verschiedenen Streuarten, alle ohne Haube, verschiedene Größen, Einstiege usw. Es hat nichts geholfen. Nächster Schritt Trennung der Tiere in verschiedenen Konstellationen. Auch hier kaum spürbare Besserung.
Es folgte ein Tierarzt-Wechsel aus Skepsis - es muss doch was gesundheitliches sein -, viele weitere Untersuchungen, jedoch keine weiteren, die Sache erklärenden Diagnosen.
Nach und nach fiel uns aber auf, dass es zu Hause vermehrt Stress zu geben scheint. Da wir beide voll Berufstätig sind, war schwer auszumachen wer die treibende Kraft ist, denn sobald wir zu Hause waren, war es meist ruhig und auch keine Pinkelei (diese mussten wir jedoch regelmäßig weg machen, wenn wir nach Hause gekommen sind). Jedoch lagen immer mehr Fellbüschel rum, zeitweise konnten wir großes Geschrei in anderen Räumen hören, sobald wir vor Ort waren, standen alle mit aufgeplustertem Schwanz und großen Augen in verschiedenen Ecken und keiner wollte es gewesen sein.
Beim Klingeln waren die Katzen plötzlich schreckhaft und auch laute Baugeräusche (vor allem, wenn Steine o.Ä. in Container geschmissen wurden), brachten die Katzen "plötzlich" (zumindest für uns "plötzlich") total aus der Fassung. Einer erschreckte sich, rannte weg, der nächste hinterher und knallte ihm noch eine. Ein Teufelskreis.
Lange Rede, kurzer Tenor: Nachdem wir mit diesen Infos unseren Tierarzt konsultiert hatten und ich nervlich wirklich angeschlagen und am Ende war, nicht mehr wusste wie das weiter gehen sollte, öffnete dieser uns die Augen. Stress. Untereinander, Baustelle, Katzen im Garten, vielleicht noch mehr.... Tatsächlich haben wir mehrfach fremde Katzen in unserem Garten gesehen, bzw. durch den Garten laufen, hatten dies aber nicht als Problem erkannt. Hat ja jahrelang vorher auch geklappt. Also weiter modifiziert, Katzenschreck (Pieper) im Garten aufgestellt um fremde Katzen fern zu halten. Dabei haben wir festgestellt, dass diese Katzen gegen unsere Hauswand gepinkelt haben, wohl um zu markieren.
Außerdem haben wir im Haus noch mehr Höhlen und Verstecke aufgebaut und die Katzen noch mehr bespielt und geschmust.
Zusätzlich wurde uns Zylkene gegeben, sowie Calmin Tropfen um Ruhe rein zu bekommen. Alle drei bekommen das seit ca. 3 Wochen. Zylkene morgens in einer Lachspaste, Calmin abends ins Nassfutter, da die Gabe in den Mund katastrophal endete. Das Zeug wirbt zwar mit mildem Geschmack, alle drei Katzen haben sich jedoch nach der Gabe mehrfach übergeben oder stark gespeichelt. Im Nassfutter klappt es gut.
Wir spüren schon eine deutliche Verbesserung, rennt eine Katze los, ist die andere nicht mehr sofort hinterher. Die drei liegen wieder näher beieinander und auch der Baulärm draußen scheint in den meisten Fällen relativ entspannt hingenommen zu werden.
Wenn wir zu Hause sind, versuchen wir jede Stresssituation auch untereinander im Keim zu ersticken. Sehe ich, dass da wild gestarrt oder seitlich aufeinander zu gegangen wird, durchbreche ich die Stimmung, indem ich einfach entspannt zwischen den Katzen her gehe.
Jedoch funktioniert das natürlich nicht, wenn wir nicht da sind. Wir haben eine räumliche Trennung mit Gittertür probiert, die Areale sind dann aber so "klein" für die Katzen, dass ich das Gefühl habe, sie randalieren mehr rum und akzeptieren das Bewegungsverbot nicht. Erstmals Ppi im Bett war die Konsequenz.
Es gibt schon einige Tage, an denen ich gar kein Pipi mehr finde, wenn wir wieder kommen (ich suche recht akribisch mit Schwarzlicht-Lampe), jedoch gibt es auch immer wieder Tage, an denen wir Pipi finden. Ich schätze, dass die Situation ist, wie sie auch nachts oft ist. Besonders Moritz ist nachts gerne aktiv, läuft brummelnd durch die Wohnung und fordert insbesondere Max zum spielen auf. Der faucht aber oft und knurrt auch, weil ich glaube, dass er das nicht mehr als spielen versteht und Angst hat, dass er welche rüber bekommt. Max ist auch der, der oft "schreit", wenn er sich erschreckt. Zum Beispiel wenn Jürgen auf das Sofa springt, wo Max grade schläft. Es passiert nichts, Jürgen geht da auch gar nicht drauf ein, aber Max scheint nachhaltig eingeschüchtert zu sein. Der Haussegen muss hier auch schon viel zu lange schief hängen und mein Herz blutet wenn ich mir eingestehen muss, dass ich es nicht gemerkt habe.
Wenn ich dann nachts vom fauchen und knurren wach werde, kann ich fast zu 100% sicher sein, dass ich irgendwo Pipi finde. Als würde Max sagen.. Hilfe, ich habe Angst, ich muss mein Stress-Ventil nutzen.
Und da war nicht 24/7 zu Hause sein können, bin ich ziemlich sicher, dass auch diese Situation tagsüber immer mal wieder so vor kommt und Max seinem Stress vor den Brüdern Luft macht, indem er wildpinkelt.
Wir versuchen schon viel mit beiden zusammen zu spielen, das klappt nicht immer so gut, weil Max sich erschreckt und wieder schreit, und füttern allen dreien zusammen Leckerlie, was immer besser klappt. Anfangs war das Sitzen nebeneinander ein reiner Boxkampf, mittlerweile klappt das sehr gut und alle drei warten, bis sie wieder dran sind.
Habt ihr noch eine Idee, wie wir Max' Selbstbewusstsein weiter stärken und ihm zeigen können, dass Moritz ihm nichts tun, sondern nur spielen möchte? Braucht das weitere Zeit, oder müssen wir hier doch noch weiterdenken und mehr möglich machen?
Manchmal habe ich auch Angst, dass das Verhalten bereits so manifestiert ist, dass wir das nie wieder ganz los bekommen, klammere mich aber an die Hoffnung, dass wir mit weiterer Arbeit das Zusammenleben wieder friedlich gestalten können - für alle Parteien.
Ich danke euch, wer bis hier gelesen hat und freue mich auf weitere Tips.