Meine liebe Alva, Alvi, Alvibär!
Eine Woche auf den Tag genau ist es jetzt her, dass du mich für immer verlassen hast. Dein Tod hat ein riesengroßes Loch in mein Herz gerissen, das niemals wieder gefüllt werden kann...
Du warst das wundervollste und wunderschönste Wesen für mich und das sollen auch die lieben Katzen-Forum User erfahren.
Alles fing Anfang September 2019 damit an, dass meine Schwester mich angerufen hat. Ein Vogelküken liegt in ihrem Garten, weit und breit kein Nest zu sehen, sie weiß nicht, was sie machen soll. Ich habe mich auf den Weg gemacht, um den Vogel zu holen, da ich wusste, dass es im örtlichen Tierheim eine Dame gibt, die sich solcher Fälle annimmt. Dort angekommen, habe ich das Küken abgegeben, bin nach draussen gegangen, als aus den Katzengehegen ein forderndes Miau ertönte. Es war eine kleine schwarze Katze, die mich zu sich gerufen hat. Ich ging zu ihr hin, streichelte sie durch den Zaun hindurch und verabschiedete mich, aber der Gedanke an die süße Miez lies mich nicht los, also entschied ich mich, der Kleinen nächsten Tag wieder einen Besuch abzustatten. Auf Nachfrage wurde mir gesagt, dass sie bereits vergeben war und an diesem Tag geholt wurde. Das war zwar schade, aber es hat so sein sollen, weil ich dich ansonsten nie kennengelernt hätte. Wie dem auch sei - weil ich schon dort war, wollte ich nicht, dass es ganz vergebens war, also fragte ich, ob ich zumindest ins Katzenzimmer gehen und die dort ansässigen Miezen streicheln durfte. Ich ging rein und wurde von einer riesigen Katze begrüßt, die immer wieder eine andere durch den ganzen Raum jagte und anfauchte. Die gejagte Katze warst du. Du saßt verstoßen mit traurigem Blick auf dem Fensterbrett und sahst einfach mitleidserregend aus. Dein dünner Körper war voller Krusten, offener und nässender Wunden. Ich ging zu dir, du miautest mich krächzend an, hast deine Vorderpfoten auf meine Schultern gelegt und gabst mir das feuchteste und kratzigste Bussi, das man sich vorstellen kann. In diesem Moment wusste ich, du kommst nach Hause. Es war Liebe auf die erste Kopfnuss. Und der Vogel war das Schicksal, dass mich zu dir gebracht hab.
Da wir bereits drei Katzen zuhause hatten, musste ich erst meinen Freund, deinen Papa, um sein Einverständnis fragen, aber das war eher alibihalber, ich habe mich bereits für dich, Alva (diesen Namen gab ich ihr in dem Moment, als ich sie entdeckt habe) entschieden. Ich musste dich noch länger dort lassen, da deine Hautkrankheit noch behandelt wurde. Nach 2 Wochen und insgesamt 5 Besuchen war es dann soweit - ich habe dich nach Hause geholt.
Ab diesem Tag hast du unser Leben auf den Kopf gestellt. Du warst ab diesem Zeitpunkt immer in unserer Nähe, hast gekuschelt, uns für dich vereinnahmt, viel mit uns geplaudert und hast durch deine ulkige und tollpatschige Art unser Leben so viel lustiger und schöner gemacht.
Leider konnten wir deine Anwesenheit nicht unbeschwert genießen, da du sehr krank warst. Ich war mit dir bei so vielen Tierärzten. Niemand konnte mir sagen, was du hast, ich wusste nicht einmal, wie alt du bist. Deinen Zähnen nach zu urteilen um die 10-14. Ach Mäuschen, ich habe so viele Tränen um dich geweint, ich war verzweifelt und fühlte mich miserabel, weil ich dein Leid nicht lindern konnte. Aber dann kamen wir an eine Tierärztin, die sich wirklich Gedanken gemacht. Du hättest Ohrpolypen und daher die Entzündungen am Körper. Du hast dann immer wieder entzündungshemmende Tabletten und eine Spritze gekriegt. Mal war dann eine Woche Ruhe, mal 3 Monate, dann sind die Entzündungen wieder aufgeflammt. Aber dazwischen warst du gesund, glücklich, aufgeweckt und es war wunderschön, dich endlich so zu sehen. Dies ging 3 Jahre gut. Dann kam April 2022. Du hattest wieder angefangen, deinen Kopf zu schütteln, hast viel und laut miaut, anders als sonst, und du warst sehr müde. Die Tierärztin sah sich die Ohren an und sah neben den Polypen ein anderes Gewächs, das sie nicht ausmachen konnte. Ich fuhr gleich danach zu einem anderen Tierarzt, der dich nächsten Tag operierte. Du hattest Krebs. Die histologische Untersuchung ergab, dass es sich um ein Ceruminaldrüsenkarzinom handelte. Noch nie hatte ich solch eine panische Angst um dich. Aber du hast die OP und die Heilung gut überstanden, du warst wieder die Selbe. Im September 2022 fing es wieder an, aber ich war vorbereitet und habe mir den besten Tierarzt im Umkreis gesucht. Dieser sagte mir, der Krebs wäre zurückgekommen und dass es wohl besser wäre, den gesamten Gehörgang zu entfernen, um ein immerwährendes Wiederkehren zu verhindern. Gesagt, getan. Alvi, du hast es mir nicht einfach gemacht. Dein Verband hat dich fürchterlich gestört, alle 5 Tage hast du einen neuen bekommen und so oft hast du ihn dir runtergerissen. Aber wir haben das gemeinsam durchgestanden, du warst ein so tapferes Mädchen.
Der Arzt sagte uns, dass du aufgrund der noch bestehenden Polypen im anderen Ohr wahrscheinlich auch bald Probleme bekommen würdest, aber er dann direkt den Gehörgang entfernen wird, damit du endlich deine Ruhe hast, endlich gesund bist.
Bis vor kurzem warst du so glücklich, so gesund, so gefrässig und gesprächig. Noch nie hab ich dich so zufrieden erlebt. Aber es fing wieder an. Kopfschütteln, Juckreiz, Borkenbildung. Es war also soweit. Die zweite und letzte OP stand an. Am 18. August haben wir dich untersuchen lassen und uns gleichzeitig eine OP Termin für den kommenden Freitag, den 25.8. ausgemacht. Ich war zwiegespalten. Einerseits war da die Angst um dich und dass du wieder diese Schmerzen erfahren musst und andererseits das Wissen, dass du danach endlich gesund sein wirst, ohne jemals wieder Probleme mit den Polypen oder zu haben.
Nach dem Tierarztbesuch warst du nicht gut drauf. Klar, er hat dir deine Ohren untersucht, das tat dir weh, aber es musste sein. Du hast dich verkrochen und nicht wie immer mit mir gekuschelt, aber ich lies dir deine Ruhe. Hin und wieder warst du auch so ganz gerne für dich. Zwei Tage später, am Sonntag, den 20.8., gingen dein Papa und ich ins Schwimmbad und ich habe mich wie immer von dir und deinen Schwestern verabschiedet.
Vier Stunden später sind wir zurückgekommen, ich habe sofort nach dir geschaut, weil du nicht wie immer an der Tür auf mich gewartet hast. Ich ging in die Küche, weil ich mich dort von dir verabschiedet habe. Das war der Moment, der mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt hat. Du bist auf der Fensterbrettliege gesessen, hast gehechelt und schwer geatmet. Ich habe in Panik meinen Tierarzt angerufen, er hat uns geraten, sofort mit dir in die Tierklinik zu fahren - was wir wir ohne zu zögern gemacht haben. Die Fahrt dorthin war das Schlimmste, das ich je erleben musste, du hast geschrien, hattest Panik, schwere Atemnot und du konntest nicht mehr sitzen oder liegen, du bist dauernd auf die Seite gefallen. Mein Herz ist in tausend Teile zerrissen, weil ich dir nicht helfen konnte.
Bei der Tierklinik angekommen haben sie mir dich gleich aus der Hand gerissen, ab da hieß es warten. Nach den längsten 10 Minuten meines Lebens dann die niederschmetternde Diagnose... Lungenödem, HCM und Aortenthrombose. Du wurdest mit Entwässerungs- und anderen Mitteln versorgt und in die Sauerstoffbox gesetzt. Ab da hieß es warten und hoffen... Der Arzt ließ uns noch kurz von dir verabschieden, dann hat er uns heimgeschickt und hat mir versprochen, sich zu melden, sobald es Neuigkeiten gibt. Den Blick, den du uns aus der Sauerstoffbox zugeworfen hast, werde ich nie mehr vergessen... Er war so voller Angst und Schmerzen... Ich hatte noch nie in meinem Leben solche panische Angst, dich zu verlieren, du warst doch nur 4 kurze Jahre in meinem Leben!
Eine bange Stunde später kam der Anruf. Alva hat es leider nicht geschafft... Ich bin schreiend auf dem Boden zusammengebrochen, ich konnte es nicht glauben. Meine tapfere kleine Alvi, wie konnte das nur passieren?
Wir fuhren in die Klinik, um uns von dir zu verabschieden. Niemals habe ich so einen riesengroßen Schmerz verspürt. Meine Alvi, du bist für immer eingeschlafen, es ist so schwer zu verstehen.
Du warst so ein besonderes Wesen, so zart und doch so stark, so unabhängig und doch so kuschelbedürftig, so leise und doch so laut. So besonders wie du warst, so besonders sollte auch deine Verabschiedung sein. Ich dachte nicht, dass ich mich so unerwartet um so etwas kümmern müsste, aber es musste sein. Ich habe mich dafür entschieden, die einäschern zu lassen, damit du in einer wunderschönen Urne wieder genau dahin zurückkehren kannst, wo du hingehörst. Nämlich nach Hause. Die Kremierung war für den 25.08. angesetzt, es war erst vorgestern. Um dich ein allerletztes Mal zu sehen, dein weiches Fell anzufassen und dein wunderschönes Gesichtchen zu sehen, sind wir über 400 km weit gefahren. Es war schmerzhaft, dich da liegen zu sehen und zu wissen, dass es das letzte Mal sein wird. Ich habe dich eine Stunde lang gestreichelt, dir gesagt, wie sehr ich dich liebe, dich vermisse und mich schon darauf freue, wenn wir uns wiedersehen. Das war der schmerzvollste Abschied aller Zeiten...
Jetzt bist du wieder zuhause, ich habe dir einen hübschen Platz eingerichtet, dort sitzt du wieder in deinem Brotkörbchen, dass du so geliebt hast, mit Abdrücken von deinen Pfoten, in denen du einst so viel Kraft hattest.
Greta und Fina passen auf mich auf. Sie merken, dass ich unendlich traurig bin und schmiegen sich tröstend an mich, wenn ich weine. Anuschka vermisst dich genauso wie ich. Manchmal sitzt sie in der Küche und guckt minutenlang auf deinen Lieblingsplatz. Oft denke ich, sie sieht dich. Ich wünschte, es wäre so, denn dann kann ich beruhigt sein, dass du bei uns bist.
Meine kleine Alva, du hast mein Leben unheimlich bereichert, ich liebe dich unendlich und bin zutiefst traurig, dich nur 4 Jahre an meiner Seite gehabt zu haben. In dieser Zeit haben wir so viel gemeinsam erlebt, ich habe so viele Emotionen mit dir geteilt und du hast mich immer wieder aufgeheitert. Es tut mir so weh und so leid, dass ich dir nicht helfen konnte und dass du die letzten Minuten in deinem Leben so erleben musstest... Es tut mir so leid, dass ich von deiner Herzkrankheit nichts gewusst habe und es tut mir so unendlich leid, dass ich nicht bei dir war, als du gegangen bist. Ich hoffe so sehr, dass du mir verzeihen kannst.
Du fehlst mir so unbeschreiblich... In jeder Sekunde, in jeder Minute, beim Füttern deiner Schwestern, beim Serie gucken, einfach immer, wo wir gemeinsam Zeit verbracht haben. Meine Gedanken kreisen um dich, den ganzen Tag. Ich weine fast durchgehend und habe keine Kraft, ich esse nicht, ich schlafe nicht, ich fühle mich nichts als leer. Du hast in der kurzen Zeit so viel hinterlassen, soetwas Wunderbares wie dich gibt es kein zweites Mal.
Ich liebe dich so sehr, mein Schatz. Für immer. Pass auf dich auf, da, wo du jetzt bist.
Deine Silke