Hallo an alle Katzenfreunde,
seit längerer Zeit bin ich hier im Forum stille Mitleserin. Nachdem ich eine ziemlich üble Woche hinter mir habe, dachte ich mir, ich werde mich euch heute mal vorstellen und euch davon berichten.
Mein Name ist Andrea, ich bin 42 Jahre alt und habe bereits seit meinem 14. Lebensjahr Katzen. Zu mir gehören meine zwei erwachsenen Söhne und 3 1/2 Katzen. 1/2 deshalb, weil unser Baby-Kätzchen Pünktchen (5 Monate alt) eigentlich der Kater meines ältesten Sohnes ist.
Zwar etwas verspätet wünsche ich euch allen ein frohes neues Jahr. Mein neues Jahr hat nicht so toll begonnen; im Gegenteil, ich dachte schon, es wird eines der schlimmsten Jahre meines Lebens.
Hier die Geschichte dazu:
Am Neujahrsabend, also letzten Samstag, fiel mir das erste Mal auf, dass mein 4 ½-jähriger schwarzer Liebling Fino irgendwie komisch war. Er reagierte anders als sonst auf Ansprache oder Streicheln und war irgendwie verstört; „katzenüblich“ zeigte er aber keine Anzeichen von Schmerzen. Ich vermutete, sein Verhalten wären Nachwirkungen von Silvester, weil wir hier eine kleine Hausparty mit Musik hatten und er auch in den vergangenen Jahren die Knallerei um Mitternacht noch nie gerne mochte. Also dachte ich mir nichts weiter dabei.
Sonntagmorgen dann hat Fino noch mit den anderen Katern gefrühstückt, sich danach zurückgezogen und geschlafen. Tagsüber war ich nicht zu Hause und als ich nachmittags wieder kam, ließ er sich wieder ganz normal streicheln.
Montagmorgen dann schwankte er plötzlich, legte sich hin und war ganz schlapp. Seine Atmung ging sehr schleppend. Er konnte nicht wieder aufstehen. Jetzt klingelten bei mir sämtliche Alarmglocken. Ich fuhr sofort mit ihm zu unserer Tierärztin. Die horchte ihn nur ab, teilte mit, dass sie hier nichts für ihn tun könnte und schickte mich umgehend weiter in die Tierklinik. Ich sollte keine Zeit verlieren, es wäre sehr dringend!
Eine halbe Stunde später in der Klinik angekommen diagnostizierte der Tierarzt dort nach Röntgenaufnahmen, Herz-Ultraschall und Blutuntersuchungen eine "hypertrophe Kardiomyopathie". Das größte Problem war, dass die Lunge bereits voller Flüssigkeit war. Fino drohte zu ersticken. Der Tierarzt erklärte mir, dass mein Katerle - sofern er denn wieder auf die Beine kommen würde - trotz dieser Krankheit mit den richtigen Medikamenten gut weiterleben könne. Das Wichtigste sei jetzt, die Flüssigkeit aus der Lunge zu entfernen. Sprich, es muss "Dimazon" zur Entwässerung verabreicht werden.
"Sofern er wieder auf die Beine kommt", das war das Stichwort. Dieser Satz sollte mir an den folgenden drei Tagen ständig in den Sinn kommen. Jeder von euch wird sich vorstellen können, wie oft ich in den letzten Tagen geheult habe.
Der Klinik-Tierarzt gab mir Medikamente mit (4 verschiedene Sorten) und erklärte mir, welche ich wann und in welcher Dosis verabreichen sollte.
Zu Hause wieder angekommen haben wir alles versucht. In Futter eingerührt, mit Wasser in eine Spritze aufgezogen ..., er hat es nicht genommen!!
Seit Sonntag früh hatte er nichts mehr gefuttert. Lediglich ein bisschen Wasser hatte er hin und wieder geschlabbert. Er war völlig schlapp.
Am Dienstag habe ich mein Schätzchen dann voller Angst wieder bei der Tierärztin vorgestellt. Die Tierklinik hatte am Vortag eine Kanüle in seinem Beinchen stecken lassen, so konnte unsere TÄ ihm jetzt das so wichtige "Dimazon" intravenös verabreichen. Anschließend entfernte sie die Kanüle und erklärte mir noch einmal ganz geduldig, wie ich die Medikamente am besten verabreichen könnte. Tatsächlich hat es seither auch immer geklappt.
Am Mittwoch kam es dann zu einer Krise. Während Fino an den Vortagen ab und zu noch selbständig Wasser getrunken hatte, tat er am Mittwoch gar nichts mehr. Er lag nur noch da und rührte sich nicht mehr. Er hob nicht mal mehr den Kopf, wenn ich ins Zimmer kam. Wir hatten ihn seit Montag in einem Extra-„Krankenzimmer“ von den anderen Katern separiert, weil er absolute Ruhe haben sollte und wir jede Aufregung vermeiden wollten. Vor allen Dingen durfte unser kleines Kätzchen nicht mit ihm zusammentreffen, weil es noch sehr unruhig ist und Fino den Kleinen ohnehin nicht sehr gerne mag.
Seine Apathie ließ mich in Panik geraten, jetzt befürchtete ich das Allerschlimmste!!!
Eines muss ich vielleicht noch erklären. Ich liebe alle meine Kätzchen sehr.
Aber zu Fino habe ich eine ganz besondere Bindung. Meine Kinder brachten ihn mir 2006 eines Abends mit, als er noch ganz winzig war. Seine damalige Besitzerin wollte ihn nicht mehr haben und es drohte die Abschiebung ins Tierheim. Er war wie gesagt noch sehr klein, vermutlich war er viel zu früh von seiner Mama weggenommen worden. Er hatte ganz verklebte Äuglein und sah sehr kränklich aus. Ich hatte dieses kleine Etwas sofort in mein Herz geschlossen. Ein halbes Jahr lang bin ich fast täglich mit ihm zum Tierarzt gefahren. Stundenlang schleppte ich ihn auf dem Arm umher. Ich päppelte ihn auf und war von nun an seine „Mama“ und er mein „Baby“. Er dankt es mir seither jeden Tag mit all seiner Liebe und Anhänglichkeit.
Wir haben in all der Zeit, in der Fino jetzt bei uns ist, schon viel mit ihm erlebt:
Trotzdem wir in einer Tempo-30-Zone wohnen wurde er angefahren und hat sich schwer verletzt wieder zu uns nach Hause geschleppt.
Ein anderes Mal hatte er sich (vermutlich an einem Drahtzaun) seinen Bauch ziemlich übel aufgerissen, so dass er genäht werden musste.
Ein weiteres Mal war er zwei Tage und Nächte verschwunden, so dass ich schon befürchtete, ihn nie wieder zu sehen. Offenbar hatte ihn aber nur versehentlich jemand eingesperrt, denn auf einmal stand er völlig unversehrt wieder vor unserer Tür.
Kurzum: Jedes Mal, wenn mit irgendetwas mit ihm ist, dreht sich mir der Magen um.
Immer, wenn ich ihm die Terrassentür öffne und er nach draußen geht, hoffe ich, dass ihm nichts passiert und er bald heil wieder kommt.
Doch nie ist mir der Gedanke gekommen, dass er jemals so schwer krank werden könnte. Er ist doch noch so jung. Der Gedanke, ihn jetzt an diese Krankheit zu verlieren, machte mich ganz verrückt.
So rief ich Mittwoch spätnachmittags erneut die Tierärztin an und bat um Hilfe. Sie bestellte uns sofort zu sich. In der Praxis angekommen hängte sie Fino an einen Tropf und verabreichte ihm so lebensnotwendige Flüssigkeit, da er inzwischen schon anfing auszutrocknen.
Ich hatte nachmittags mit meiner Kollegin telefoniert, deren Kater auch eine Herzkrankheit hat. Diese erzählte mir von einer energiereichen Aufbaunahrung, die in Tierarztpraxen vorrätig sei.
Unsere Tierärztin auf diese Nahrung angesprochen vermischte sie ein wenig davon mit Wasser und schmierte es mit dem Finger auf Fino’s Nase. Tatsächlich war er interessiert und schlabberte diese „Astronauten“-Nahrung auf. Ich war so froh.
Zu Hause angekommen wollte er dann aber nichts mehr davon haben, legte sich wieder einfach hin und rührte sich nicht mehr. Wieder kroch die Angst in mir hoch. Ich fürchtete so sehr, dass er die Nacht nicht schaffen würde, dass ich nicht schlafen konnte.
Doch dann am nächsten Morgen ca. 4.30 Uhr kam ich ins „Kranken“-Zimmer und mein Liebling hob den Kopf. Er sah mich mit seinen schönen grün-gelben Augen an und sofort kamen mir die Tränen. Irgendwie wusste ich, jetzt wird alles wieder gut. Er nahm mir Futter ab, trank ein wenig und putzte sich sogar ein bisschen. Von da an ging es ihm von Stunde zu Stunde besser. Endlich schlugen die Medikamente an.
Jedes Mal, wenn er auf’s Katzenklo ging um zu pieseln, hätte ich jubeln können. Ich stellte mir dann vor, wie mehr und mehr Flüssigkeit aus seiner Lunge verschwand und er endlich wieder besser atmen konnte.
Heute nun ist bereits Samstag und man merkt meinem Schatz nicht mehr an, dass er vor ein paar Tagen dem Tod von der Schippe gesprungen ist. Mittlerweile ist er wieder ganz der Alte und heute war er auch schon wieder draußen. Ganz brav ist er aber wiedergekommen und hat auch schon seine Medizin genommen.
Ihr alle könnt euch sicher vorstellen, wie froh ich jetzt bin, dass mein Katerle noch lebt. Diese Woche hat mir gezeigt, dass man die Hoffnung niemals aufgeben darf. Ich weiß, dass Fino nie wieder ganz gesund werden wird. Aber ich hoffe und wünsche mir, dass wir trotzdem noch viele Jahre zusammen sein werden.
Mein Dank gilt allen, die meinem Schatz und mir diese Woche geholfen haben:
- unseren beiden Tierärztinnen und dem Klinik-Tierarzt für ihre medizinische Hilfe,
- meiner Nichte, die mich bei der Betreuung meines Lieblings unterstützt hat,
- meiner ganzen Familie, die mich getröstet und mir Mut zugesprochen hat;
- meinen Freundinnen, die meinem Süßen die Daumen gedrückt haben, und
- nicht zuletzt meinem Chef, der mir so kurzfristig Urlaub gewährt hat, damit ich mein „Baby“ rund um die Uhr betreuen konnte.
Vielen Dank auch an alle, die bis hierher gelesen haben. Alles Gute für euch!
Anbei ein paar Fotos von Fino