Hallöchen,
dem Thema kann ich mich auch anschließen:
Morgen vor drei Wochen (schon so lange?) ist meine über alles geliebte Wegbegleiterin "Jackie" gestorben und hat Mimi und uns damit allein gelassen. Es ist ein seltsames Gefühl nach Hause zu kommen und jetzt allein auf dem Bett zu sitzen, morgens nicht wie gewohnt geweckt zu werden und kein liebevolles und manchmal auch leicht nervtötendes Geschnatter um sich herum zu wissen...
Jackie und ich hatten ein unheimlich enges und tiefgründiges Verhältnis zueinander. Trotzdem wir so unterschiedlich waren, verstanden wir uns. Sie war so unheimlich menschlich und mir so nah, dass ich spüren konnte, wenn etwas mit ihr nicht stimmte oder etwas passiert war.
Den ersten Schock hatten wir im Februar, als Jackie ohne Krankheitsanzeichen in einen Status Epilepticus fiel. Da hatte ich viel geweint und bin nahezu in Hysterie ausgebrochen, schließlich haben meine Eltern und ich sie unterm Kachelofen zuckend und spuckend gefunden. Schon dort hätte sie eigentlich sterben sollen - unser Tierarzt hatte so etwas noch nie bei einer Katze gesehen.
Doch mit viel Mühe und Liebe genaß sie wieder und das ohne Folgeschäden, sie war wieder ganz die Alte. Nein noch besser: Sie war viel lebensfreudiger und aktiver. Wie neu geboren.
An jenem Abend hatte ich schon so ein Gefühl... und mir zum ersten Mal die Frage stellen müssen, was ich mache, wenn Jackie einmal nicht mehr da ist.
Bei einer nachfolgenden Untersuchung, der Anfall lag mittlerweile 4 Wochen zurück, fanden wir heraus dass mein Kitmonster (so habe ich sie immer liebevoll genannt <3) ein Herzproblem und Wasser im Bauchraum hatte. Da unser Dackel selbiges Leiden im selbigen Alter (acht) bekam, kannte ich die Diagnose und wir vermuteten, dass auch die Anfallanzeichen vom Kreislauf und vom Herzen herrührten.
"Kein Stress", war neben Tabletten und teurem Pulver zur Vorbeugung von NI verschrieben worden und ich dachte mir: Jackie, das kriegen wir hin!
Ihre Lebenserwartung lag bei weiteren 7 Jahren, immerhin!
Und es funktionierte und nach und nach ging die Angst und der Schock ein wenig zurück, die Mutmaßung irgendwann ohne Jackie klar kommen zu müssen blieb.
Für Jackie bedeutete "Kein Stress" ihren freigängerischen Tätigkeiten nachzugehen und das tat sie auch, mit der neuen Regel dass sie Nachts keinen Ausgang mehr bekam worauf sie sich sogar einließ. Hauptsache, ihr Fensterplatz war frei und der Fressnapf voll.
Alles lief super bis vor drei Wochen ein schweres Gewitter aufzog. Jackie war schon immer ängstlich bei Blitz und Donner gewesen, doch ich fürchte, dass ihr Herz dieses Wetter einfach nicht verdauen konnte:
Wir lagen aneinander gekuschelt im Bett. Sie beanspruchte gerne einen Teil meines Kopfkissens oder kugelte sich in meine Rückenmulde, wenn ich auf der Seite schlief.
In jener Nacht gab es einen Knall, der sogar mein Herz zuerst zum Stillstand zwang und dann zum Raßen brachte. Aber noch schlimmer erschrak sich das Kitmonster, das aus ihrem Tiefschlaf gerissen worden war. Ihr Atem ging schnell und ich merkte, dass sie wieder pumpte.
"Du brauchst keine Angst zu haben", hab ich ihr immer wieder zugeflüstert, als sie zögerte sich wieder hinzulegen, sich dann jedoch bereitwillig in meinen Arm kuschelte und sich von mir beruhigend streicheln ließ.
... eineinhalb Tage später kam sie nicht mehr nach Hause.
Da war wieder dieses Gefühl. Wir waren an diesem Freitag-Abend in unserer Lieblingsbar Steak essen, aber ich hatte plötzlich keinen Appetit mehr. Ja, mir wurde sogar unheimlich übel von dem Anblick allein (ich liebe Steak!!) und ich spürte, dass irgendetwas in mir litt, ich wusste nur nicht was es war und schob es auf meinen eigenen Kreislauf, der von Geburt an einen gewissen Defizit hat.
Als wir heim kamen war Jackie nicht da - und abrupt erschlug mich eine Vermutung, die mich die ganze Nacht vor der Haustüre Wache halten ließ.
Nachdem der Morgen graute, schlüpfte ich in meine Sachen und suchte die umliegende Dorfstraße ab, lief über das Feld und rief nach ihr. Ich fiel immer mehr in ein tiefes, unendlich schwarzes Loch das mit jeder Stunde zu wachsen schien...
Nun ja... und dann habe ich geweint, den ganzen Tag und den darauf Folgenden. Ich bin kontinuierlich zu den Stellen im Haus gegangen, wo sie immer lag in der Hoffnung, sie wäre einfach da.
Aber meine Illusion wurde von der Realität zerstört...
Das Dumme war, dass wir am Samstag zum Grillen eingeladen waren (Songcontest gucken). Mein Freund - der mir liebevoll zur Seite stand - riet mir davon ab hinzugehen, aber ich wollte unbedingt. Ich wollte nicht in einem großen Haus sitzen und mich verlassen fühlen - und die Entscheidung war die Richtige.
Gegen Mitternacht fühlte ich mich befreit - so befreit, wie ich eine Nacht zuvor beklommen war. Seltsam.
Und ich dachte mir, ich wollte dem Tod ein Schnippchen schlagen. Wir hatten Jackie das Leben gerettet und ihr weitere 4, 5 Monate Lebenszeit geschenkt und das macht den Verlust um einiges erträglicher.
Ich habe meinen Eltern erklärt, dass ich nicht ohne Katze kann und jemanden brauche, der so nah bei mir ist, wie Jackie es war und andere Katzen in unserer Familie gewesen sind.
Zu diesem Entschluss kam ich am Montag der darauf folgenden Woche.
Am Freitag, eine Woche nach ihrem Tod, habe ich ein Kätzchen adoptiert das nur mit einem halben Schwanz geboren wurde.
Und für mich ist es okay.
Bis ich Mokka mit nach Hause nehmen darf, kann ich in Ruhe von Jackie Abschied nehmen. Ich vermisse sie sehr und spreche manchmal wie kirre vor mich her, wenn ich allein zu Hause bin als wäre sie da.
Allerdings frage ich mich, warum eine Katze die jahrelang kerngesund war und alle Impfungen und Grunduntersuchungen erhalten hat, von heute auf morgen einfach umfällt...
Und ich gab mir selbst die Antwort: Weil unser Kater auf den Monat genau ein Jahr zuvor gestorben war. Und zu diesem Kater hatte sie ein enges Verhältnis.
Ich hätte ihr gerne einige Schmerzen abgenommen, verstanden wie sie sich fühlen musste und was sie sich ersehnte. Aber ich kann leider keine Toten zurück holen.
Edit: Ich geh mit dem Verlust momentan so um - um auch die Themenfrage zu beantworten - dass ich jeden Tag nach der Arbeit für eine Stunde - oder auch mal zwei - zur Katzenhilfe fahre und mein neues Kitten besuche. Mittlerweile wurde ich herzlichst in der Katzenfamilie aufgenommen. Das gibt mir ein wunderbares Gefühl und so etwas wie ein wenig Hoffnung und Freude.