Hallo und guten Morgen,
also ich finde das klang erst mal recht gut. Knurren und Fauchen an sich ist erst mal nichts schlimmes und kleine Warnungen, die passieren dürfen, während zwei Katzen sich kennen- und einschätzen lernen.
Dann ist es ums Essen eskaliert, und nun hängt der Haussegen wieder schief. Du sagst zwar, dass es auch ohne Essen nun diese Angst-Aggression gibt, aber das Essen war primär der Auslöser für das Ereignis.
Essen ist bei vielen Katzen ein Thema, bei dem sie territorial werden können, je nach Vorerfahrungen/Character/Situation. Ich stecke selbst grad in einer Zusammenführung, die sich etwas schwieriger gestaltet hat und es auch noch tut (mit schleichender Tendenz nach oben). Das was du vom Anfang beschrieben hast, war wesentlich entspannter als bei mir, z.B.
Du kannst gerne, falls es dich interessiert, mal hier nachlesen.
https://www.katzen-forum.de/threads/101452/
Ich teile übrigens nicht unbedingt die Meinung, dass ein Altersunterschied wie bei euch eine 'red flag' sein muss. Klar, großer Altersunterschied kann zu Schwierigkeiten führen, aber ich denke eher dann, wenn die ältere Katze schon etwas behäbig ist und die junge eben total wild-verspielt. Das kann dann nervend sein. Aber es kann auch sehr gut klappen. Ich hatte hier auch schon Kombinationen mit einigen Jahren Unterschied, die wunderbar funktioniert haben. Da kommt es immer auf die jeweiligen Katzen an.
Wie gesagt finde ich, der Ansatz las sich schon ganz gut, bis eben zu dem blöden Ereignis, das das ganze wieder zurückgeworfen hat.
Was sollt ihr nun tun?
1) Da das mit der
Gittertür bei euch anfänglich gut funktioniert hat, würde ich wieder damit arbeiten. Lasst den Neuen erst mal wieder 1-2 Tage komplett ohne Sicht im Büro, macht dann die Gittertür wieder rein und sorgt für positive gemeinsame Erfahrungen am Gitter (Leckerli, Spielen). Was sehr praktisch ist: ihr seid zu zweit; so kann jeder von euch je eine Katze auf beiden Seiten des Gitters bespaßen und füttern.
Ihr könntet auch Clicker Training überlegen. Das soll auch Erfolge bringen.
2) Die nächste Möglichkeit sind alle möglichen
beruhigenden Mittel. Ich weiß selbst nicht, was ich davon halten soll und ob es etwas bringt. Die sind teils stark umstritten und nicht nachweislich wirksam, aber ein Versuch ist es mMn wert. Feliway friends (oder Optimum) Stecker in der Steckdose, dazu noch VetExpert Calm & Relax für den Neuen morgens ins Futter. Man könnte noch CBD Tropfen geben. Manche Leute schwören auf Bachblüten, aber nach Einlesen bin ich der Meinung, dass das von allen diesen Mitteln der größte Humbug ist da nah an der Homöopathie und ohne wissenschaftlich belegbaren Wirkstoff (bei Feliway und Calm&Relax etwas anders, da die eingesetzten Stoffe zumindest in der Theorie etwas bringen könnten).
3) Ihr selbst
bleibt bitte ruhig und positiv. Das überträgt sich nämlich auf die Katzen. Wenn geknurrt wird, ignoriert es oder sprecht einfach ruhig und fröhlich mit beiden, oder lenkt sie mit etwas ab. Wenn mal wieder freundlich geschnuppert wird, lobt ganz ausgiebig und gebt ein Leckerli.
4) Wenn ihr nach einiger Zeit die Gittertür wieder aufmacht und die beiden
zusammentreffen lasst, macht es erst mal
in eurem Beisein und in einem kleinen Bereich. Lasst den Neuen nicht direkt überall rumlaufen. Der Rest der Wohnung ist für ihn unbekannt; er fühlt sich automatisch dort unsicherer und wird dann auch ängstlicher reagieren, wenn etwas unerwartetes und potentiell bedrohliches passiert. Das Büro ist seine Safe Zone, also lasst die beiden im Flur davor oder im Büro aufeinander treffen. Steigert das langsam und weitet es aus.
5)
Füttert in getrennten Räumen, bis alles wirklich so weit ist, dass sie sich friedlich begegnen. Und auch dann noch eine ganze Weile. Dann fühlt der Neue sich sicher und hat keine Angst um seine Nahrung, und der Alte kann nicht versuchen, das Futter des anderen für sich zu beanspruchen. Der Alte nimmt ja aktuell alles, was in seinem Revier zur Verfügung steht auch als seins wahr. Ob das für den Neuen bestimmt ist oder nicht, er geht da dran. Deswegen Futter trennen... bis sie mal so weit sind wie 3 von meinen, die oft die Köpfe zusammen in einen Futterautomaten stecken (meistens weil der Rote zu doof ist, den zweiten Napf zu sehen

)
6)
Habt Geduld, sowas kann dauern. Ich hatte bisher immer nur super einfache Zusammenführungen. Nur mit Leo hat es am Anfang ein kleines bisschen gekracht. Jetzt mit Nala ist es für meine Verhältnisse richtig schwierig und langwierig. Ich war zwischendrin auch echt am Verzweifeln, habe schon mit dem Gedanken gespielt, für sie ein anderes Zuhause zu suchen. Aber ich bin dran geblieben und es wird, wie gesagt und wenn auch langsam, immer besser. Bin jetzt in Monat 3.
Viel Glück und alles Gute!