Wir haben dich gestern von deinem Leiden erlöst. Das weißt du noch gar nicht. Kurz bevor wir dich zum Tierarzt gebracht haben, fing ich an, ein Loch zu graben. Der Boden war gefroren. Ich hatte viel Mühe beim graben. Der Spatenstiel ist dabei abgebrochen. Die angesammelte Erde habe ich mit den Händen rausgeholt. Ich konnte kaum was erkennen, so sehr liefen mir die Tränen. Ich bin aber auch glücklich. Dein Weg in den Katzenhimmel war sehr sanft. Und jetzt? Du liegst in deiner Kiste, in der ich dich immer durch die Wohnung tragen durfte. Du ahnst gar nicht, wie sehr ich es geliebt habe, dich dabei zu beobachten, wie du jeden Schrank, jede Blume ausgiebig untersucht hast.
Und jetzt? Du liegst in deiner Kiste unten im Hausflur. Leider habe ich es nicht mehr geschafft, dich zu begraben. Ich würde dich jetzt gerne hochholen ins warme Wohnzimmer. Ich habe große Angst vor dem heutigen Tag, an dem ich dich der Erde übergebe. Habe Sorge, weil du gleich in dem kalten Loch liegen wirst. Kann es kaum ertragen, dich mit Erde zuzudecken. Ich vermisse dich so unendlich, dass es schon schmerzt. Ich dachte immer, du lebst ewig. Vielleicht sehe ich dich ja eines Tages wieder. Hoffentlich erkennst du mich dann noch.
In ewiger Freundschaft, dein Jürgen