Im Jahre 1970 berichteten Forscher, dass bei 25 Katzen in New York
Netzhautdegenerationen festgestellt wurden. Eine ernährungsbedingte Ursache
dafür wurde für unwahrscheinlich gehalten, bis man im Jahre 1975 heraus fand, dass
diese Erkrankungen durch Taurinmangel ausgelöst wurden [9, 18]. Der Grund dafür
war, dass die Katzen mit billigem, minderwertigem Hundefutter ernährt wurden. Die
Essentialität von Taurin für Katzen wurde daraufhin allgemein anerkannt. Im
Anschluss daran durchgeführte Metabolismusstudien ergaben, dass die Aktivität des
limitierenden Enzyms der Taurinsynthese, Cysteinsulfinsäuredecarboxylase,
verglichen mit der von Aspartataminotransferase, in Katzen sehr niedrig war. Da
Katzen darüber hinaus Gallensäuren obligat mit Taurin konjugieren und ihr
enterohepatischer Kreislauf relativ ineffektiv ist (Gallensäureverluste bis 50%), muss
der hohe Verbrauch durch Zufuhr über die Nahrung ausgeglichen werden.
Geschieht dies nicht in ausreichendem Umfang, so sind die Folgen für das Tier auf
längere Sicht gravierend. Studien mit völlig taurinfrei ernährten Katzen führten bei
den Versuchstieren im Laufe mehrerer Monate zu nervöser Reizbarkeit,
Zusammenklumpen der Blutplättchen, Herzerweiterung, Netzhautdegeneration und
letztendlich Blindheit. Schwangerschaften bei Taurinmangel endeten zu über 50%
vorzeitig mit Abbrüchen bzw. Totgeburten, die überlebenden Kätzchen hatten ein
deutlich geringeres Geburtsgewicht und zeigten eine abnorme Hinterbeinentwicklung
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mit verkürzten Patella- und Achillessehnen. Weitere 70% überlebten die Stillzeit
nicht, was die gesamte „Erfolgsrate“ von Katzenschwangerschaften bei
taurindefizitärer Ernährung auf unter 20% drückte [10, 11].
Diese Abhängigkeit von einer ausreichenden Taurin - Aufnahme mit der Nahrung ist
nicht auf Katzen beschränkt, sondern betrifft alle Tiere der Gattung Felidae, d. h.
auch Tiger, Löwen, etc. Ist die Deckung des Bedarfs durch die Nahrung nicht
gewährleistet, so ist eine Supplementierung derselben zwingend notwendig, um die
Gesundheit der Tiere zu gewährleisten [6, 11, 12]. Weiterhin bleibt noch zu
erwähnen, dass die genannten Symptome des Taurinmangels erst bei einem
Absinken des Serumtauringehaltes unter 5% des Normalwertes auftreten, was eine
mehrere Monate andauernde Minderversorgung der Tiere voraussetzt