Hallo, liebe Tierfreunde!
Ich schreibe diesen Beitrag, weil ich andere Tiere - insbesondere Katzen - und ihre Besitzer vor der Tortour bewahren möchte, die wir mit unserer Katze Blanca durchgestanden haben.
Sie war noch nicht mal 8 Jahre alt. Eine rot-weiße Katze von einem Bauernhof. Ein Kuscheltier ohne Gleichen. Sie schlief fast immer in unserem Bett, sah mit uns auf dem Sofa fern.
Blanca war eigentlich ein gesundes Tier, hatte seit einem halben Jahr aber Probleme mit dem Magen (Erbrechen), weswegen sie immer in 6-wöchigem Abstand eine Cortisonspritze bekam.
Eines Tages hatte sie eine Wunde an der Pfote, die von einer Verletzung zu stammen schien. Merkwürdig war nur, dass die Pfote innerhalb von 12 Stunden auf die doppelte Größe angeschwollen war. Die Wunde wurde vom Tierarzt fachgerecht versorgt und ich machte mir keine größeren Gedanken.
Bei der nächsten Kontrolle tauchte plötzlich eine Hautverletzung am selben Vorderlauf weiter oben auf. Ich dachte zuerst an eine äußere Verletzung. Der Tierarzt wollte nähen, aber das umliegende Gewebe stellte sich als zu porös heraus. Er entnahm eine Gewebeprobe und schickte sie in ein Labor ein.
Diagnose: Infektion. Sehr aussagekräftig.
Im Lauf der folgenden Tage bekam sie lauter kleine Beulen am Arm, die schließlich auch wieder geöffnet wurden. Aus den Wunden kam eine dem Tierazrt unbekannte Flüssigkeit. Es war kein richtiger Eiter, keine Lymphe, kein was weiß ich. Er räumte unserer Blanca den kompletten Arm aus. Sie musste eine Halskrause tragen und wir haben versucht, ihr die Zeit zu Hause so angenehm wie möglich zu gestalten.
Allerdings mussten wir, um nicht jeden Tag den Doktor aufsuchen zu müssen, die Wunden täglich ausdrücken und spülen. Das dauerte an manchen Tagen bis zu einer halben Stunde, was Blanca aber geduldig über sich ergehen ließ.
Lediglich die Tabletten oder Spritzen, die wir ihr verabreichten, waren immer eine Qual.
Der Tierarzt schickte nochmals Gewebe ins Labor. Dieses Mal entdeckte man plötzlich einen Pilz. Also wurden die Medikamente umgestellt. Dann kamen Anaerobien ins Spiel. Noch ein Medikament. Teilweise waren es Tabletten für große Hunde oder sogar Humanpräparate, die unser kleiner Tiger verabreicht bekam. Gebessert hat sich allerdings nichts.
Nach 5 Wochen (mittlerweile waren 2 Labore am Werkeln) hatte man durch das ständige Nachfragen und Drängen des Tierarztes nun endlich die richtige Diagnose: Nokardien
Sehr gefährliche Bakterien, die bei Katzen so gut wie nie vorkommen. Aber typisch für mich und meine Familie: Wir bekommen so was natürlich!
Am Tag der Diagnose hatte ich Blanca bereits aufgegeben. Sie regte sich nicht mehr, trank und aß nichts mehr, erbrach ab und zu und war nur noch ein Häufchen Elend. Dann kam sie stationär an den Tropfer, wo es ihr zusehends besser ging und nach 5 Tagen durfte sie über das Wochenende nach Hause. Mittlerweile hatte sie aber von ehemals stolzen 5,7 kg auf 4,9 kg abgemagert.
Als sie an jenem Sonntag gar nichts mehr fressen und auch nichts mehr trinken wollte, hieß es am nächsten Tag gleich wieder: Stationärer Aufenthalt.
Sie musste unbedingt fressen, was sie aber nicht tat. Sie bekam eine Sonde, erhielt Flüssignahrung. Als wir sie ein paar Tage später nach Hause holten, führten wir die Fütterung fort. Die Spritzen allerdings führten immer wieder zu heftigem Erbrechen, was mittlerweile vermutlich auch auf das Nachlassen der Cortisonspritze zurückzuführen war. Sie magerte weiter ab.
Schließlich entdeckte der Tierarzt bei einer Ultraschall-Untersuchung noch Zysten am Darm, die vielleicht auch mit eine Ursache für das Nichtfressenwollen der Katze war.
Nach fast 2 Monaten Tortour für Blanca und uns Menschen und nach einer relativ aussichtslosen Lagebeschreibung des Arztes, entschlossen wir uns schließlich, Blanca von ihrem Leiden zu erlösen. Sie schlief in meinen Armen ganz ruhig ein und hat jetzt ihre letzte Ruhestätte in unserem Garten gefunden.
Liebe Tierbesitzer, Labormitarbeiter und Tierärzte: Diese Nokardieninfektion ist äußerst selten. Aber hätte man im Labor bereits früher auf Nokardien getestet, könnte meine Blanca vermutlich noch am Leben sein. Es war alles so tragisch. BITTE: Testet in Zweifelsfällen auf Nokardien, sie sind so verherend!
Ich habe schon viele Tiere gehabt und meist unter tragischen Umständen verloren - aber um noch kein Tier habe ich so getrauert, wie um meine Blanca. Ich wünsche Ihr im Katzenhimmel alles Gute und freue mich irgendwann auf ein Wiedersehen. Mach´s gut!