Hallo Uschi,
Du hast Recht! Seit März ist noch nicht viel Zeit vergangen und in einigen Fällen dauert die Einstellung eben sehr lange. Das hängt von vielen Faktoren ab (ich kann mit meiner Gina ein Lied davon singen :roll

. Keineswegs würde ich jetzt schon zu einer so drastischen Maßnahme raten, und wenn schon drastisch, dann eine andere anraten.
Welches Medikament verwendet ihr? Mit welchen Dosen habt ihr es bislang versucht? In welchen Abständen kontrolliert ihr die Werte? Wie hat sich der T4 Wert verhalten (bitte von jeder Messung angeben, inkl. Referenzbereich)?
Ganz wichtig, sollte es notwendig werden, eben eine drastische Maßnahme durchzuführen: habt ihr die Nierenwerte IMMER mitkontrolliert? (Kreatinin und Harnstoff) Eine SDÜ überlagert leider in vielen Fällen eine chronische
Niereninsuffizienz (
CNI). Diese muss nicht schon vorher bestanden haben, sie kann sich leider (eine der vielen Komplikationen aufgrund der SDÜ) wegen der SDÜ entwickeln. Solange die SDÜ besteht, fällt die
CNI nicht auf, da die SDÜ Symptomatik sie eben überdeckt.
Wenn auch nur der Verdacht besteht, dass es bei den Nieren ein Problem geben könnte, sollten Maßnahmen wie die OP oder auch (ansonsten das beste!!!) die Radiojodtherapie nicht mehr in Erwägung gezogen werden, denn hier könnt ihr dann die Schilddrüse nicht mehr zugunsten der Nierenfunktionsfähigkeit nachjustieren. Der Zusammenhang ist hier dann leider der: je höher der T4- Wert, desto besser werden die Nieren durchblutet. Einer
CNI-Katze kann man hier also mit moderaten Dosisverringerungen des SDÜ-Medikaments etwas helfen.
Ferner: wurde der Blutdruck kontrolliert? Das sollte bei SDÜ-Katzen IMMER geschehen, da SDÜ und Bluthochdruck sehr oft miteinander Hand in Hand gehen. Hoher Blutdruck hat dann ebenfalls eine Rückwirkung auf die Schilddrüse (erschwert die Einstellung nicht unerheblich), beeinflusst ebenfalls die Nierenfunktion negativ (in dem Sinne, dass die Nieren, wie auch andere Organe wie zB das Herz (!!!) zu permanenter Höchstleistung angetrieben werden, dem die Organe irgendwann einfach nicht mehr gerecht werden können). Sofern tatsächlich zu hoher Blutdruck festgestellt wurde, probiert es bitte von Anfang an mit Amlodipin, denn das ist das Mittel der Wahl und auch sehr zuverlässig sowie quasi
nebenwirkungsfrei bei Katzen. Eine angeschlagene Niere, andererseits, sorgt auch in sehr vielen Fällen für hohen Blutdruck. Du siehst, die Problematik ist äußerst komplex.
Ich rate Euch auch dringend an, Eure Katze mal zum Herzultraschall zu geben, weil sich aufgrund einer SDÜ nicht selten (leider!) eine hypertrophe
Kardiomyopathie (Verdickung des Herzmuskels mit Verengung der Herzkammer, meistens links, bis hin zum Herzversagen) entwickeln kann.
All dies sind Faktoren, die vor der OP einer SDÜ-Katze IMMER geprüft werden sollten. Warum? Das Problem mit den Nieren habe ich schon erläutert. Aber: eine Narkose kann die Nierenfunktion auch noch, zumindest kurzfristig drosseln, was dann im schlimmsten Fall zu akutem Nierenversagen führen kann. Die Wahrscheinlichkeit ist bei nierenkranken Katzen ungleich höher. Zudem belastet sie das Herz, was bei herzkranken Katzen natürlich auch berücksichtigt werden muss.
Solltet ihr herausfinden, dass die Katze, bis auf die SDÜ, gesund ist, so rate ich eher die Radiojodtherapie an. Die Katze behält ihre Schilddrüse, es wird nur das kranke Gewebe zerstört (nicht geeignet, wenn die SDÜ tumorös bedingt ist). Die RJT wird in der Regel sehr gut (ohne Nebenwirkungen) vertragen; das Risiko, dass die Katze hinterher in eine SDU (also das Gegenteil...) fällt, ist ungleich geringer, verglichen mit der OP. Zumeist ist diese Erscheinung dann auch nur vorübergehend, also nur für einige Wochen zu beobachten. Sofern Du die Möglichkeit hast, wende Dich doch mal für mehr Infos an die
Tierklinik Hamburg-Norderstedt. Der Herr Dr. Franke, der die RJT durchführen würde, ist sehr kompetent und hilfreich und klärt gern über die Vorteile und Risiken auf. Ich hätte es liebendgerne durchführen lassen, leider ist Gina kein Kandidat dafür
Bitte lass Dich mit Deinen Bedenken, Einwänden und Vorschlägen (auch aufgrund der hier gegebenen Ratschläge) nicht abwimmeln und bestehe ggf. auf bestimmte Untersuchungen und Behandlungen! Die genannten Punkte sind für SDÜ-Katzen wirklich außerordentlich wichtig - übersieht man hier etwas, kann dies das Leben der Katze leider drastisch verkürzen.
Liebe Grüße und alles Gute! Bitte berichte weiter. Ich werde Dir gern weiterhin für Ratschläge und Tipps zur Verfügung stehen.