Das schönste Nikolausgeschenk
Es war einmal eine Katze, die so gerne Gedichte schrieb, dass sie immer ihren kleinen Lieblingsbleistift bei sich hatte. Er war vom vielen Gebrauchen schon ganz abgenutzt, und dennoch stellte er das Wertvollste dar, was die Katze besaß. Außer ihrem besten Freund natürlich: Die Katze wohnte mit dem braunen Hund, der immer Recht hatte, in einer kleinen Hütte am großen Wald und meistens vertrugen sie sich gut.
Draußen war Schneeregen. Nasse Flocken wechselten sich mit dicken Tropfen ab und platschten auf die eiskalte Erde.
"Bei diesem Wetter sollte man keinen Hund vor die Tür jagen!", maunzte die Katze mit Stift verdrossen. "Mir wird schon kalt, wenn ich nur hinausschaue! Man müsste sich wirklich in sein Körbchen kuscheln und einfach vor dem Kamin liegen bleiben!"
"Heute hast einmal du Recht!", antwortete der braune Hund, der immer Recht hatte. "Und darum wirst du mich auch gewiss nicht in die Kälte hinausschicken, sondern selbst Holz sammeln gehen. Du bist nämlich an der Reihe, und vor dem kalten Kamin liegen, macht doch sowieso keinen Spaß! Unser letztes Holzscheit haben wir schon vorgestern verbraucht!"
"Auch richtig!", seufzte die Katze. "Ich gehe ja schon!"
Sie schlüpfte anmutig in ihre vier weißen Winterstiefelchen und wollte sich gerade auf den Weg machen, als der Hund bellte: "Halt! Was machst du denn da? Du musst doch einen Stiefel hier lassen, falls der Nikolaus kommt. Bei diesem Wetter weiß man ja nicht so genau, wann er es bis zu uns hier schafft! Wo soll er denn sonst seine Gaben hineinlegen?"
"Auch richtig, wie immer! Du bist eben ein kluger Hund!"
Die Katze zog das Stiefelchen von der rechten Vorderpfote und stellte es auf den Kaminvorleger.
"So ist es besser!", lobte der Hund, der immer Recht hatte. "Und weil du die Katze mit Stift bist, kannst du diesen jetzt wenigstens halten!"
"Auch wahr!", miaute die Angesprochene und nahm ihr liebes Schreibgerät graziös in das Pfötchen. "So ausgerüstet fühle ich mich schon viel wohler. Bis später!"
"Gute Holzjagd!", wünschte der Hund, rollte sich auf dem Teppich zusammen und döste fröstelnd ein.
Die Holzsammlerin stapfte durch den gefrorenen Matsch durch den Wald, an dessen Rand ihre Hütte lag. Sie ging und ging, denn es war sehr weit bis zu der Stelle, wo sie einen umgestürzten Stamm kannte, dessen trockene Äste herrlich brennen würden. Die Bäume waren schneebedeckt und Eiskristalle glitzerten wie Diamanten. Vor Staunen vergaß die Katze ganz, wie kalt ihr war, und merkte kaum, wie ihre Pfoten steif wurden. Es war ganz still im Wald. Sogar das Bächlein gluckerte nicht mehr fröhlich vor sich hin, sondern lag unter funkelndem Eis.
"Wunderschön!", schnurrte die Katze mit Stift. "Ich spüre, dass ein Gedicht in mir wächst. So will ich es schnell aufschreiben! Auf mein Bauchfell natürlich, denn da kann ich es nicht übersehen, wenn ich heimkomme! Dann muss ich es sofort dem Hund vortragen. Er liebt meine Gedichte so, und damit hat er natürlich auch Recht!"
Wie aber erschrak die Dichterin, als sie den Stift ansetzen wollte und feststellen musste, dass ihre rechte Pfote zwar steif gefroren, dafür aber völlig leer war.
"Mein Bleistift, mein lieber guter Gefährte!", jammerte die Katze ohne Stift. "Ich muss ihn suchen!"
Stundenlang ging die Graue durch den Schnee, wendete jede Flocke drei Mal und grub mit den eiskalten Pfötchen nach ihrem Schreibgerät, allein, es blieb verschwunden.
Die Katze war sehr, sehr traurig.
"Wie soll ich nun Gedichte schreiben über alles, was so schön ist?", jammerte sie. "Ich will ein wenig Holz aufklauben und rasch nach Hause gehen. Es wird ja schon dunkel. Da frage ich den Hund, der immer Recht hat, um Rat!"
Etwas getröstet durch den Gedanken an ihren klugen Freund begab sich die Frierende zu ihrem Holzplatz und schlich dann schwer bepackt heim.
Der braune Hund, der immer Recht hatte, öffnete ganz aufgeregt die Türe.
"Da bist du ja endlich! Ich habe mir schon Sorgen gemacht. Und weißt du was, ich konnte von Ferne Glöckchen hören - noch heute Nacht wird der Nikolaus zu uns kommen!"
"Da hast du sicher Recht", murmelte die Katze ohne Stift traurig, ließ das Holz achtlos vor den Kamin fallen und begann gar bitterlich weinend, ihrem Freund das Missgeschick zu berichten.
Der kluge Hund dachte lange nach, was er sagen sollte, denn weil er immer Recht hatte, durfte es ja nichts Falsches sein.
Schließlich legte er seine warme Pfote um die Schultern der Freundin und bellte: "Es wird alles wieder gut. Ich weiß es genau! Und nun mache ich uns ein schönes Feuerchen und wir trinken heiße Milch und kriechen dann bald in unsere Körbchen. Morgen sieht alles schon besser aus, und wenn du willst, gehen wir noch einmal zusammen in den Wald und suchen weiter nach deinem Stift. Denn wie soll ich bei einer Katze mit Stift wohnen, wenn sie gar keinen hat?"
"Da hast du natürlich Recht!", miaute die Katze und lächelte schon wieder ein wenig.
Die Graue war von ihrem Tag im Schnee und dem vielen Weinen so müde, dass sie gar nicht hörte, wie der Nikolaus ihre Hütte besuchte.
Am frühen Morgen weckte der Hund sie aufgekratzt. "Er war da, er war da, komm schnell gucken!", blaffte er froh.
Die Katze ohne Stift sprang aus ihrem Korb und eilte zum Kaminvorleger. Tatsächlich, aus dem großen Stiefel des Hundes leuchtete buntes Papier und auch der ihre war nicht leer. Mit vor Aufregung zitternder Pfote zog sie ein winziges Päckchen heraus, das auf einem größeren lag. Ein Zettel hing an ihm, den sie zunächst nicht beachtete. Schnell riss die Katzendichterin die silbern schimmernde Verpackung auf und heraus fiel - ihr geliebter Bleistift! Vor Staunen blieb ihr das Mäulchen offen stehen und sie streckte stumm dem Hund, der immer Recht hatte, das Papier entgegen.
"Meine Wichtel haben deinen Stift unter den Tannen gefunden. Du schreibst so schöne Dinge über meinen Wald, dass ich dir hier noch ein Notizbuch dazu schenke, damit du nicht immer auf deinen Bauch schreiben musst. Dein Nikolaus", las der Hund vor.
Die Katze glühte vor Freude und strahlte heller als ein Weihnachtsbaum.
Sie lief zum Fenster und öffnete es.
"Danke, lieber Heiliger!", rief sie froh. "Ich fühle schon, wie in mir ein Nikolausgedicht wächst!"
"Alles ist gut geworden", sagte der braune Hund zufrieden. "Da hatte ich also wieder einmal Recht*
lg
Verena