Eine sehr traurige Geschichte

Diskutiere Eine sehr traurige Geschichte im Katzen Forum im Bereich Katzenfreunde; Hallo allerseits, wenn Ihr mir das erlaubt, werde ich hier vielleicht die sehr traurige Geschichte einer kleinen Katze nieder schreiben. Ich kann...
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  • Eine sehr traurige Geschichte Beitrag #1
Corrie

Corrie

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Hallo allerseits,

wenn Ihr mir das erlaubt, werde ich hier vielleicht die sehr traurige Geschichte einer kleinen Katze nieder schreiben. Ich kann nichts ungeschehen machen, es ist passiert, ich komme damit nicht zurecht, bis heute noch nicht. Eine Geschichte voll Schuld, Unschuld, Anklagen, Wut und Schmerz, eine Geschichte für die ich mir bei vielen von Euch Verurteilung und ein Kopfschütteln einhandle, die aber geschrieben werden sollte, denn einmal muss ich damit fertig werden. Wenn ich mich traue, schreibe ich diese Geschichte, wenn ich mich nicht traue, flüchte ich....
 
  • Eine sehr traurige Geschichte Beitrag #2
Guten Abend, Corrie.

Soll ich deinen Thread dafür vielleicht in Katzen oder die Regenbogenbrücke verschieben?
Ich weiß zwar nicht, worum es dabei geht, aber ich schätze, in einer der
beiden Rubriken wäre es besser aufgehoben.
Niederzuschreiben, was geschehen ist und einen selbst belastet, ist oft
ein erster Schritt, mit etwas fertig zu werden.


Grüße,
Armitage
 
  • Eine sehr traurige Geschichte Beitrag #3
Hallo Armitage

die Regenbogenbrücke halte ich nicht geeignet für diese Geschichte. Das andere von Dir genannte Unterforum kenne ich scheinbar noch nicht. Ich hab mich vorhin bei Euch am Forum umgeschaut und mir überlegt, ob ich ein zweites Tagebuch aufmachen könnte, aber ich weiss nicht, ob das geht.

Also verschieb nur, das ist OK.
Danke.
 
  • Eine sehr traurige Geschichte Beitrag #4
Ich finde auch, dass man vielleicht besser damit klar kommt, wenn man es aufschreibt. Und wer weiß...
Vielleicht sieht es in deinen Augen nur so extrem schlimm aus.
Womöglich können wir dir her auch helfen.
Also nur Mut. :smile:
 
  • Eine sehr traurige Geschichte Beitrag #5
Fehler als solche erkannt zu haben und diese zu bereuen ist ebenfalls ein großes Gut der Menscheit - in diesem Sinne ist es immerhin ein Weg zum Besseren - befreie Dich, wie auch immer, von Deiner Last und nimm' alle Erkenntnisse mit in die Zukunft ...
 
  • Eine sehr traurige Geschichte Beitrag #6
Danke. Ich versuchs mal.

Wann hat die Geschichte angefangen? In Vorraum des Studentenwohnheims im Dezember, als ich mit dem Vogelkäfig und meinen beiden Wellensittichen aus den Semesterferien zurück kam und die Kinder mit der kleinen Katze entdeckte? Ein Winterkätzchen, ohne Zuhause, betreut von einer Gruppe von Kindern, die das Tier nicht mit nach hause nehmen durften, es nicht in der Kälte und im Schnee lassen wollten, und es folglich bei uns im Studentenwohnheim unterbrachten. Sie waren von Tür zu Tür gelaufen und hatten alle gefragt, ob sie die Katze nehmen könnten. Niemand wollte sie. Die Kinder brachten ihr zu fressen und betreuten sie schon eine ganze Woche. Ich gab ihr auch zu fressen, wollte aber eigentlich keine Katze, in meinem winzigen Zimmerchen. Sie wollte aber mich. Sie legte sich jede Nacht vor meiner Tür zum schlafen nieder und blieb in Sichtweite, wenn ich aus der Tür kam. Nach ein paar Tagen hab ich sie dann reingeholt. Sie war 23 Jahre bei mir. Wir haben viel zusammen erlebt. Sie hat mir gezeigt, wie Katzen denken, wie sie leben. Wir konnten miteinander 'reden', wir wussten fast alles voneinander. Wir haben einander geholfen, uns manchmal verkloppt, miteinander gespielt, gestritten, aber wir waren ein Herz und eine Seele. Als ich schwanger wurde, sagte meine Schwiegermutter "die Katze kommt weg!" "Die Katze bleibt", war meine Antwort. Die Katze blieb und adoptierte mein Kind als ihr eigenes. Wehe dem, der meinem Menschenbaby zu nahe kam ;-) Ihr Vater und ich, wir durften das, sonst durfte es, in Reichweite unserer Katze, niemand. Wer es wagte, wurde mit Kratzern, Bissen und lautem Geschrei in die Flucht getrieben. Ich musste halt auf zwei aufpassen, das war aber nicht so schwer, denn die Beiden befanden sich immer in einem Raum, diese Katze passte nämlich auf mein Baby auf.

Eifersüchtig war sie nicht auf das Menschenkind, aber sehr interessiert und immer dabei. Sie lernte wickeln, Brust geben, sie wollte alles wissen und schaute sehr aufmerksam zu. Baden, ihgitt, wie kann man ein Kind baden, das ist nass, scheusslich. Sie schüttelte sich entsetzt über diese gräßlichen Methoden der menschlichen Babypflege, aber sie blieb und schaute zu. Damals war sie schon eine ältere Dame von ca. 10 Jahren. Wie sie es geschafft hat, in den Kamin, aus dem Kamin und 4 Stockwerke tiefer in den Hinterhof zu kommen, weiss ich nicht. Ich wusste auch nicht, dass sie nicht zuhause war. Ich war unten bei den Mülleimern und schaute erstaunt zu einer sehr verstaubten schwarz-grauen Katze, die da ein bisschen wackelig auf den Pfoten auf mich zu kam. Es hat ein paar Sekunden gedauert, bis ich in diesem Wesen meine Katze erkannte. "Wo kommst Du denn her? Wie siehst Du denn aus?" Eine berechtigte Frage, denn meine Katze war eigentlich weiß, mit ein paar Tigerflecken auf Schultern und Rücken. Ihr Fell war genauso kurz, wie das meines jungen Neuzugangs. Ja, da half nur noch eins: die Badewanne .... es hat ihr nicht gefallen, aber sie hatte keine andere Wahl. Soviel Staub kann man nicht ablecken. Meine Katze war sterilisiert und die meiste Zeit ihres Lebens eine Innenkatze, die gern nach draußen gewollt hätte.

Wir haben dann viel später ein zweites Tier aus dem Tierheim dazu genommen. Die beiden Katzen vertrugen sich nicht. Es gab nur Streit und gräßliche Kämpfe zwischen den Tieren, die in tiefen Biss- und Kratzwunden und Besuchen beim Tierarzt endeten, bis ich die Tiere trennte. Eine Wohnung mit zwei Katzen, die einander hassten ... wir haben keine der Beiden hergegeben, aber leicht war das Leben mit den Beiden nicht.

Meine erste Katze schlief mit 23 für immer ein, unsere zweite Katze lag wenige Monate später tot unter dem Wohnzimmertisch, sie wurde nur 9 Jahre alt. Wenige Wochen später brachte mir ein Freund zwei Kater, einen roten und einen grauen Kater, Brüder, gefunden in einem Mülleimer, wenige Wochen alt. Sie waren mit Fläschchen groß gezogen worden und wurden als Jungtiere bei mir untergebracht, weil ich mich mit Katzen auskannte. Die beiden Brüder schliefen ineinander gekuschelt. Sie waren immer zusammen, leckten einander, spielten miteinander. Sie sollten auch zusammen bleiben.

Als ich umzog, nahm ich die beiden Kater mit. Wir wohnten in einer kleinen Wohnung, direkt unter dem Dach, mit schrägen Wänden, schrägen Fenstern. Ich hab die Fenster so angehakt, dass nach meinem Dafürhalten nichtmal eine Maus rein oder raus hätte kommen dürfen. Ich weiss nicht, wie mein grauer Kater es geschafft hat, aus diesem Luftschlitz rauszukommen. Er hat es geschafft. Das merkte ich, als ich meine Beiden füttern wollte und nur einer zum fressen kam, der schon die ganze Zeit zuvor versucht hatte, mich auf diesen Umstand aufmerksam zu machen. Ich hab meinen grauen Kater gesucht, wochenlang, monatelang. Er blieb verschwunden. Sein Bruder war totunglücklich, er suchte in der Wohnung, traurig, deprimiert. Er wollte nicht alleine sein, wollte nicht fressen, nicht trinken. Er vermisste seinen Spielgefährden. Sie hatten alles zusammen gemacht, aber ausgerückt ist nur einer der Beiden. Er kam nie zurück. Und ich saß da mit einem totunglücklichen Kater. Man sah es ihm an, dass er den Kopf hängen ließ.

Ich suchte seinen Bruder, auch in den Tierheimen und dort beginnt die Geschichte, die ich hier vielleicht niederschreibe...
 
  • Eine sehr traurige Geschichte Beitrag #7
Ich weiß nicht was ich dazu sagen soll... auf jeden Fall hast du ne ganz ganz tolle art zu schreiben, ich hab grad nix mehr wahrgenommen,ich bin neugierig was noch kommt...
 
  • Eine sehr traurige Geschichte Beitrag #8
Habe Deine Zeile gerade auch gelesen,und fand es sehr interessant.
ich hoffe das Du Deine Geschichte noch weiter schreibst.
 
  • Eine sehr traurige Geschichte Beitrag #9
Ich hatte keine Fotos von meinem Kater, denn zu der Zeit fotografierte ich schon nicht mehr. War es einst eines meiner größten Hobbys gewesen, ich habe eine komplette Foto-Ausrüstung und tausende von Fotos von Pflanzen und Tieren, die wahrscheinlich ausstellungsreif sind, aber das ist ein sehr teueres Hobby und wenn man dann plötzlich arbeitslos ist, hat man kein Geld mehr dazu. Ich hab uns mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten, mehr schlecht als recht. Mein einstiger Arbeitsplatz wurde wegrationalisiert, zusammen mit mir. Ich gab genaue Beschreibungen zum Aussehen meines Katers an. In den Tierheimen hörten sie sich die Geschichte an, "kommen Sie mit, schauen Sie sich die Tiere an". Ich schaute mir die Tiere an und sah wieder einmal, wie schon so oft zuvor, das ganze Elend der augestossenen, verlassenen, hinterlassenen Tiere in den Tierheimen. Junge und alte Katzen und Kater in Boxen, die ungefähr so groß sind, wie es seinerzeit der Käfig meiner beiden Wellensittiche war, die aber nur sehr selten in ihrem Käfig saßen, immer dann, wenn ich weg mußte und meine Katze mit ihnen alleine blieb. Dann passte sie auf die Wellensittiche auf, sie saß direkt vor dem Käfig. Die Tiere waren aneinander gewöhnt, die beiden Vögel hatten keine Angst vor ihr, flogen ihr auch - im Freiflug - direkt vor die Nase. Sie schaute dann erstmal nach mir und kriegte einen warnenden Blick von mir ab .. "wehe Dir!!!!" Sie hat sie nie angegriffen. Aber, wenn ich nicht dabei war, habe ich das Risiko nicht genommen. Dieses Kätzchen wusste genau, was sie durfte und was sie nicht durfte. Ich hab die Drei nie allein gelassen. Meine Vögel wussten auch, wann sie in ihren Käfig zurück mussten. Sie waren sehr folgsam. Mit dem richtigen Leckerbissen waren sie sehr schnell in ihrem Käfig.

Zuweilen hatten wir eine ganze Menagerie, Goldhamster, Mehrschweinchen, Hunde, Katzen und natürlich Hasen, direkt vom Bauernhof, eigentlich für den Kochtopf bestimmt. Bei uns hatten sie alle Freilauf in der Wohnung, riesige selbst gebaute Holzkäfige und eine Katze, die alles miterlebte und überwachte. Eine unserer Häsinnen mochte sie nicht, denn die junge Hasendame hatte sie mal, fasziniert von ihrem sich sanft hin- und her bewegenden Schwanz, in selbigen gebissen. Sie hat den Schwanz auch später immer mal wieder angeknabbert. Sie konnte sehr gut beissen, das wussten wir alle, denn wir wurden alle angefressem. Sie hatte ja, wie gesagt, Freilauf in der Wohnung. Auch nackte Zehen oder Finger sind zum anbeißen. Sie bekam genug zu fressen, aber es ist halt faszinierend auch mal etwas anderes zu probieren. Sie war fast stubenrein, unsere große Häsin. Sie pinkelte in ihr Gehege. Die Knödel fraßen unsere Hunde, sie waren nicht davon abzubringen. Die große Häsin wurde ungefähr 10 Jahre alt. Unsere Katze wartete manchmal auf dem Eßzimmertisch auf die Häsin, die gerne unter dem Eßzimmertisch saß. Wenn die Häsin dann kam, ließ sich unsere Katze mit ausgestreckten Beinen direkt auf den Rücken der Häsin fallen. Sie hat sie nie verletzt, aber die Häsin mochte keine Katze auf dem Rücken. Sie hat sich dann bei Gelegenheit gewehrt, denn dieser Katzenschwanz hatte eine erstaunliche Anziehungskraft auf unsere Hasendame. Ich brauchte nicht dazwischen zu gehen, die haben das unblutig unter sich geregelt ;-) Es ist nie was passiert. Auch nicht mit den anderen Tieren in der Wohnung. Eine Amsel hatte allerdings nicht soviel Glück. Unsere erste Katze durfte auf den Balkon, und eines Tages fand ich beim staubsaugen die Füße einer Amsel.

Unsere Hunde vertrugen sich mit allen Tieren. Sie kamen nach unserer ersten Katze, waren aber größer als sie. Sie hat sie akzeptiert. Selbst unsere Hasen, Mehrschweinchen und Hamster hatten mehr Platz als die armen eingesperrten Katzentiere in den Tierheimen, mal abgesehen davon, dass wir irgendwie immer überall Stroh hatten, auch auf den Kopfkissen ;-)

In den Tierheimen saßen die Katzentiere mit den traurigen Augen und der stillen, verzweifelten Bitte "nimm mich mit" .....
 
  • Eine sehr traurige Geschichte Beitrag #10
Corrie, ich hoffe Du schreibst weiter
 
  • Eine sehr traurige Geschichte Beitrag #11
Oh ja, ich hoffe auch.
Deine Art zu schreiben fasziniert mich.
 
  • Eine sehr traurige Geschichte Beitrag #12
Leser, die eine Menagerie verschiedener Tiere zusammenbringen wollen, müssen wissen, dass eine Katze ein Raubtier ist, dessen Instinkt 'jagen' ist. Auch eine zahme Hauskatze wird diesen Instinkt nicht ablegen. Es ist völlig normal, wenn eine Hauskatze einen Vogel oder eine Maus fängt, es ist auch normal für ein in der Gefangenheit lebendes Tier, wenn sie in der Wohnung lebende Vögel, Hamster und sogar Mehrschweinchen angreift, verletzt und tötet.

Wir haben unsere Tiere in wochenlanger geduldiger Streichelarbeit, geschützt durch Gitter, mit einander Bekanntschaft machen lassen. Die Tiere bekamen erst nach vielen Tagen geschützter Bekanntschaft, Freilauf und unsere Katze saß am Halsband(*) ;-) Es gab viele Wunden, aber nur bei uns Menschentieren. Die Tiere unter einander durften unter strenger Aufsicht nur zueinander, wenn sie mit einander ungehen konnten. Und auch später noch: sie waren nicht allein in der Wohnung zusammen. Als Oberhaupt dieses Miniatur Rudels unterschiedlicher Tiergattungen, habe ich ihnen den Freigang nur in meiner Anwesenheit erlaubt. Wenn ich weg mußte, kamen sie in ihre Käfige, auch unsere große Häsin, die sich an sich wehren konnte, aber Hasen knabbern und, Stromkabel sind vor Hasen nicht wirklich sicher. Wer keine Zeit hat, sollte sich auf so etwas nicht einlassen. Es ist sehr viel Arbeit, kostet viel Geld und viel Zeit, denn man muss ja neben all dem Futter auch mit all den lieben Kleinen zum Tierarzt. Es kommt immer mal wieder zu Unfällen, vorallem wenn kleine Menschenkinder die Menagerie ergänzen.

Ein Mehrschweinchen bricht sich ein Bein, es hat es trotz Behandlung beim Facharzt für Kleintiere nicht überlebt. Schuld daran war ich, als Oberhaupt der Menagerie und Mutter des Menschenkindes, denn ich hab nicht gesehen, dass eines unserer Mehrschweinchen als Kuscheltier behandelt wurde.

Kleine Menschenkinder können eine ganz große Gefahr sein für zarte kleine Tiere. Ein Tier das beisst, wurde falsch behandelt. Ein Mehrschweinchen, das aufeinmal in Hände beisst, hat irgendeine schlechte Erfahrung mit Händen gemacht. Mit viel Geduld und über viele Wochen Zeit, hört es wieder auf zu beißen. Unsere Katze und unsere Häsin haben schrecklich gelitten unter unseren Menschenkindern, unsere Katze ließ die nicht artgerechte Behandlung als Kuscheltier über sich ergehen und setzte ihre Krallen nicht ein. Sie kam nur manchmal jammernd zu mir und verkroch sich unter meinen Beinen. Unsere Häsin wehrte sich und ergänzte die fehlende Erziehung mit beißen und kratzen. Die Klagen unserer Kinder waren herzzerreißend, ihr Aussehen nach einer solchen Bestrafung auch. Aber auch unsere Kinder lernten auf diese Weise, wie unsere Tiere behandelt werden wollten.

Ich warne jede Mutter vor der Anschaffung eines Haustiers für ein Kind. Sie sind kein Spielzeug und haben ein Recht sich zu wehren, wenn sie falsch behandelt werden. Wie Tierhaltung endet, wenn Menschen Tiere nehmen, die keine Ahnung von Tieren haben, kann man hier nachlesen: , eine ganz alltägliche Geschichte, die sich ganz ähnlich überall täglich abspielt.

Unsere Hunde waren alle aus lebensgefährlichen Situationen gerettet. Ihre Dankbarkeit mir gegenüber und unsere Geduld mit den Tieren passte eins ums andere langsam in die Menagerie ein. Unser großer Hund war ein Hirtenhund, mit dem Instinkt eines Tieres, das auf andere Tiere aufpasst, sie zusammentreibt aber nicht verletzt. Den Hund hab ich als Jungtier gefunden, auf der Flucht vor seinem Vorbesitzer, der ihn mit Füßen trat, mit Stöcken schlug, an Ketten legte und letztendlich erschießen wollte, weil er nicht bereit war, fremde Leute zu beißen. Das Tier war völlig verwahrlost, kaputte Ohren, Ungeziefer im Fell, entzündete Pfoten, ein Bild des Jammers. Er war auch ziemlich bissig am Anfang, er hatte ein großes kräftiges Gebiß. War das Tier bei seinem Vorbesitzer nicht bereit gewesen, Fremde zu beißen, war es dann bei uns anfangs so verwirrt, dass es mich biß. Die Verwirrung hielt nicht lange an.

Wir haben unsere Tiere mit einem Schmerzenslaut und kurzfristiger Nichtbeachtung "bestraft", dann wieder normal mit ihnen gespielt und ihnen langsam beigebracht, was wir wollten und was wir nicht wollten. Das muss ich meinem jungen Neuzugang auch noch beibringen, denn anscheinend verwechselt dieser junge 7 Wochen alte Waisenkater, den ich nun seit 5 Tagen bei mir habe, meine Beine mit einem Kratzbaum. Er ist überhaupt sehr wild und sehr schnell und schon ein Stückchen gewachsen.


(*) ein Katzenhalsband mit Bauchgurt, im Fachhandel zu erhalten.
Wir haben es nur unter Aufsicht angewendet, um Verletzungsgefahr auszuschliessen.
 
  • Eine sehr traurige Geschichte Beitrag #13
.. zum Ausschluss zu vieler Unfälle im eigenen Bereich solltest Du Dich vielleicht auf weniger Individuen konzentrieren - in zu großer Umtriebigkeit vieler Spezies und Fluktuationsdichte geht schnell der klare Blick verloren - besonders im "Alltag" ...
 
  • Eine sehr traurige Geschichte Beitrag #14
Ok. Noch hört sich das alles (für mich) relativ normal an.
Ist es ok, wenn ich mir die Einzelteile kopiere und
in Word zusammenfüge, damit ich mir die
Geschichte später nochmal im Zusammenhang durchlesen kann?
 
  • Eine sehr traurige Geschichte Beitrag #15
Die Geschichte, die ich hier erzähle, spielt über einen Zeitraum von insgesamt ca 30 Jahren. Die Menagerie der vielen Haustiere hatten wir, als unsere Kinder klein waren. Denn auch wir haben die Fehler vieler Eltern gemacht, und den Wünschen der Kinder nach einem (weiteren) Haustier nachgegeben. Wer in unserer Familie aufgenommen wurde, kam - wenn alles gut ging, was bei uns eigentlich der Normalfall war - erst nach vielen Jahren durch den natürlichen Tod von uns fort. Neben unseren Errfahrungen mit unseren Haustieren haben wir unendlich viel Erfahrung gesammelt, mit frei lebenden Tieren, die wir dann manchmal (kurzfristig) in unsere Menagerie aufnahmen.

Die Taube, die ihre Kinder im frühen Frühjahr in unserer Dachrinne ausbrütete, sollte ich laut Wunsch des Hausbesitzers wegjagen, das Nest zerstören und die Jungtiere töten. Er hätte es auch für mich gemacht, aber ich hab das nicht zugelassen. Die Taube hatte Brüterlaubnis von mir, sie saß schließlich in der Dachrinne, direkt vor meinem Badezimmerfenster. Das Nest war geschützt vor den Blicken der Menschen im Hinterhof. Die erwachsenen Tauben mußten Futter für ihre Kinder holen. Sie wurden nacheinander von einem Nachbarn im Haus abgeschossen. Übrig blieb ein eingefrorenes Nest mit 4 Jungvögeln in der verschneiten Dachrinne. Die Eltern kamen nicht mehr. Ich hab sie später tot im Hinterhof gefunden.

Ich hab das Nest mit einem Föhn in stundenlanger Kleinarbeit aufgetaut und versucht, auf diese Weise die eingefrorenen Vogelkinder zu befreien. Sie waren tot, aber eines lebte noch. Es war kein schönes Kind, nackt, mit geschlossenen Augen, bedeckt mit Ungeziefer, ein dicker Bauch und viele Falten. Der Vermieter verlangte, dass ich die Dachrinne sauber machen sollte. Das hab ich dann auch gemacht. Ich hab mich bei vielen Taubenzüchtern erkundigt, womit man eine Taube großzieht. Garnicht, war die Antwort. Ich sollte sie töten. Ein alter Freund, der mich gut kannte und auch wußte, dass ich nicht immer das tue, was andere von mir erwarten, er hatte in jungen Jahren selbst Tauben gezüchtet, gab mir Auskunft: Erbsen aus den Dose. Er hat mich auch gewarnt, was passiert, wenn man Tauben großzieht. Ein Teil der Erbsen aus der Dose landet in der Umgebung, auch dann, wenn man es geschafft hat, die Erbsen in den Schnabel zu kriegen, was nicht ganz einfach ist, denn sie machen den Schnabel nicht auf. Sie sind und werden nicht stubenrein und wenn sie müssen, dann müssen sie, auch auf dem Schoß des menschlichen Versorgers. Sie sind ziemlich laut, wenn sie älter werden und brauchen einen Ort, wo sie sich austoben und erste Flugversuche machen können, ohne sich zu verletzen. Unser Vermieter und die meisten unserer Nachbarn trachteten unserer Taube nach dem Leben, nur meine damalige direkte Etagennachbarin hatte Verständnis und selbst eine Menge Tiere, die wir mitbetreuten, wenn sie in den Urlaub ging. Sie betreute im Gegenzug unsere Tiere, wenn wir in Urlaub gingen. Ihr ist es zu verdanken, dass unsere Taube überleben konnte, denn wenn der Vermieter - nach Vorankündigung - unsere Wohnung besichtigen kam, gab es dort natürlich keine Taube, auch kein Anzeichen dafür, dass wir so etwas Ungesetzliches, wie eine wilde Taube im Haus halten, jemals tun würden. Die Taube wurde so lang, mit zugehaltenem Schnabel, von der Nachbarin beaufsichtigt. Ich hab sie später, als sie fliegen konnte, zu Bekannten aufs Land gebracht. Sie wurde sehr alt und war mindestens so wachsam wie ein Wachhund.

Wir haben die Wunden von Enten, Hühnern, einer Eule und vielen Igeln versorgt. Wir haben Spatzen versucht zu retten, so manche Maus. Es ist nicht immer gelungen. Ich werde nie den Blick des Tierarztes vergessen, als ich die verletzte Hausmaus zu ihm brachte. Wahrscheinlich dachte er, dass ich nicht richtig ticke. Die Maus wurde eingeschläfert, sie war nicht zu retten. Wir fanden Kaninchen mit dieser tötlichen Krankheit und mussten sie einschläfern lassen. Einmal fand ich ein erwachsenes Reh auf der Heimfahrt von der Arbeit in der einbrechenden Dunkelheit auf der Strasse liegen: schwer verletzt. Ich hab die Unfallstelle gesichert und einen Tierarzt angerufen, der nicht kam. Das Tier hätte gerettet werden können. Es starb qualvoll in meinen Armen. Überfahrene Katzen, Ratten, Igel. Menschen, habt Ihr kein Gewissen? Was fühlt Ihr, wenn Ihr angefahren werdet? Ihr dürft ins Krankenhaus und werdet gesund geflegt. Weil Ihr Menschen seid. Die Lebewesen, die auf vier Beinen laufen, sind für Euch Sachen.

Es sind aber Tiere, die Schmerz, Trauer, Angst, Freude empfinden. Sie leben auf dieser Welt, wie wir. Sie sind uns hilflos ausgeliefert. Habt Ihr 'fühlen' gelernt? Oder habt Ihr denken gelernt? An was denkt Ihr denn? An Euch selbst und dass Ihr immer genug Vorrat habt? Das machen Tiere auch. Wo ist der Unterschied? Ahja, die einen laufen auf vier Beinen, die anderen auf zwei und bilden sich ein, dass sie einen Verstand haben, der sie über die Gattung Tiere erhebt.

Ich werde nie die Krähe am Straßenrand vergessen, die dort saß und auf den toten plattgefahrenen Partner auf der Strasse starrte. Ihr war nichts passiert, aber sie blieb dort sitzen, einsam, verlassen, ein kleines Mahnmal. Ich hab sie dort gelassen, sie wollte nicht weg.

Und ich will nicht über mein totales Versagen schreiben....
 
  • Eine sehr traurige Geschichte Beitrag #16
.. Du hast bis dato nicht versagt - Du hast wohl eine dicke Portion Gefühl am Bein ...

Unser Kristian hat mir gesagt, man könne nicht alle retten - ein kluger Satz!!!

.. es wird immer Menschen geben, die einen Blick für das Elend haben und solche, die sich selbst am nächsten sind - Du gehörst wohl zu den Ersteren ...

Suche die Gemeinschaft mit Gleichartigen und teilt Euch die Arbeit gegen das Leid ...
 
  • Eine sehr traurige Geschichte Beitrag #17
Ein Dank an meine Leser und eine Anmerkung auf Eure verständliche Ungeduld:

ich schreibe diese Geschichte hier auf meine Weise. Sie besteht aus vielen einzelnen Geschichten, wovon jede Einzelne viel länger ist, als hier beschrieben, aber es soll ja kein Buch werden, und ich bin ja auch noch immer nicht zur Sache gekommen. Meine Mitleser haben das bereits bemerkt. Habt Ihr auch bemerkt, dass ich Tiere bewundere, sie achte und sie liebe? Wenn ich - ohne diese Vorgeschichte - zur Sache käme, könnte ich mir das Kainsmal des schuldigen, verantwortungslosen Menschen, der weder nachdenken, noch fühlen gelernt hat, auf die Stirm malen und aufhören, andere Leute zu kritisieren, die auch keine Ahnung von Tieren haben....
 
  • Eine sehr traurige Geschichte Beitrag #18
.. ich kenne keine Fehlerlosen - mich selbst inbegriffen ...
 
  • Eine sehr traurige Geschichte Beitrag #19
Hallo Corrie

Wenn ich das so lese muss ich sagen, dass du mich sehr beeindruckst...
Du kannst nicht alle retten, das ist leider wahr, aber solange es Menschen wie dich gibt, die es täglich bzw. ihr Leben lang versuchen, werden die Tiere dankbar sein weil sie eine Chance haben.

Dich scheint etwas sehr zu bedrücken...und ich merke dass es dir mit jedem Kommentar auf deine Beiträge wahrscheinlich schwerer fällt, damit rauszurücken, aber denke daran, dass es dir hilft damit (was immer es ist) fertig zu werden... Es tut gut sich die Seele frei zu reden. Das möchtest du ja auch unbedingt; sonst wärest du ja nicht hier...
Ich bitte dich, die Geschichte zuende zu erzählen, nicht weil ich sie verfolgen möchte, sondern weil es dir danach besser gehen wird.

Kein Mensch ist frei von Fehlern.


LG
Kris
 
  • Eine sehr traurige Geschichte Beitrag #20
Bis hierhin hast du sehr schön geschrieben. Du hast mehr Verständniss und Gefühl als ich es von den meisten kenne!
 
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Eine sehr traurige Geschichte

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