Hallo Carsten. Ich bin auch neu hier und wollte dir mal mit meinen Erfahrungen Mut machen.
Mit meiner Katze Ginger ging es mir ähnlich wie es dir mit deiner ergeht. Sie ist jetzt 6 Monate alt. Ich habe sie bei mir auf der Arbeit auf einem Komposthaufen gefunden. Alleine, entkräftet und mit Flöhen übersät. Nach einiger Beobachtung mussten wir die Hoffnung aufgeben, dass ihre Mutter wieder auftaucht. Ich hab sie dann mit zu mir genommen, Katzenaufzuchtmilch geholt und mich mit ihr durch die erste Nacht gekämpft.
Am nächsten Morgen bin ich gleich zum Tierarzt. Der hat sie auf nicht ganz 3 Wochen geschätzt, mir was gegen Flöhe und eine Vitaminpaste mitgegeben. Eine Amme war leider nicht aufzufinden. Also hieß es nachts zum Füttern aufstehen und das kleine Bäuchlein massieren. Jeden Tag hab ich ihr Gewicht kontrolliert. So haben wir uns von einem Tag zum nächsten gearbeitet. Ihre Sozialisierung lag praktisch bei Null.
Aus meiner Ginger ist eine tolle Katze geworden, die jetzt knapp 2.800 g wiegt. Es ist nicht immer einfach ihr als Mensch beizubringen wie sie sich als Katze zu verhalten hat. Meine Hände und Arme sind total mit Kratzern übersät. Sie versteht es einfach nicht, wann sie beim Spielen eine bestimmte Grenze überschreitet. Mittlerweile breche ich das Spiel sofort ab und das begreift sie. Wenn wir dann nach einer Weile wieder spielen, ist sie deutlich sanfter. Das Anpusten oder der Stups auf die Nase wirkt bei ihr nicht, weil sie es offensichtlich nie kennengelernt hat.
Auch ich bin nicht wirklich begeistert, wenn sie meine Pflanzen runterschmeißt (hab sie alle mittlerweile meiner Mutter geschenkt), meine Wandtattoos für dicke Brummer hält und sie alle abreißt oder sie meine Tapete abreißt. Man kann auch keinerlei Lebensmittel stehen lassen, da sie weder vor rohen Kartoffeln, Obst, Ketchup ect. zurückschreckt. Sie trägt auch ständig meine Puderpinsel durch die Gegend und Zeitung lesen geht nur allein, weil es nichts schöneres für sie gibt als sich in einer Zeitung einzuwickeln oder sich wie unter einem Zelt darunter zu verstecken. Ich bin seit ihrer Ankunft schon mehr Kompromisse eingegangen, als ich es je gedacht habe. Aber wenn ich vergleiche wie viel Freude sie mir bereitet, ist das absolut nichts dagegen.
Mit der Katzentoilette hatte sie nie Probleme, dass hat auf Anhieb geklappt. Ginger hat auch immer mit dem Futter geschmiert. Und selbst heute noch findet sie es besonders toll nach dem Fressen auf meinen Schoß zu springen und mir ihre futterverschmierte Nase ins Gesicht zu halten. Im Moment arbeiten wir gerade an ihrer Aggressivität. Die kommt leider immer durch wenn sie ein Verbot von mir erhält, z. B. wenn sie nicht auf die Küchenzeile springen soll. Dann springt sie mich an und beißt und kratzt um zu zeigen was sie von meinem Verbot hält. Auch hier gehe ich einfach weg und lasse sie "dumm dastehen". Das findet sie nämlich noch viel blöder als mein Verbot. Ich hab mir auch schon den ein oder anderen Kratzer im Gesicht eingefangen. Aber je öfter ich aus dem Zimmer gehe und sie quasi auflaufen lasse, desto weniger aggressiv ist sie. Denn das ist es was deine Fellnase am meisten von dir will: AUFMERKSAMKEIT. Du musst sie am besten immer für ihr positives Verhalten loben und bei schlechtem Verhalten ignorierst du sie.
Eine zweite Katze ist sicherlich eine gute Option. Leider darf ich vom Vermieter aus nur eine halten. Aber an meinem Bespiel kannst du sehen, dass eine schlecht sozialisierte Katze kein hoffnungsloser Fall ist.
Wie gesagt es ist nicht immer einfach aber du bekommst von deiner Katze sooo viel zurück. Ich hoffe ich konnte dir mit meinen Erfahrungen ein bisschen helfen.