In Gedenken an Jack

Diskutiere In Gedenken an Jack im Regenbogenbrücke Forum im Bereich Katzenfreunde; Es ertönt dieses laute, penetrante Knacken, gefolgt von einem grellen „Ding“ - oder einfach gesagt: Es klingelt. Da ich ausnahmsweise mal um diese...
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Mandarinchen

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Es ertönt dieses laute, penetrante Knacken, gefolgt von einem grellen „Ding“ - oder einfach gesagt: Es klingelt. Da ich ausnahmsweise mal um diese frühe Uhrzeit schon geduscht, angezogen und sogar geschminkt bin, entschliesse ich mich dazu, zu öffnen. Vielleicht ist es ja der Postbote mit dem Paket, auf das ich warte.. Wobei das doch ein wenig sehr früh wäre.. ?
Ich schiebe den schweren Vorhang zur Seite, draussen steht eine alte Dame, sie trägt etwas rotes Gestricktes. Ich kenne sie nicht. Mit einem mulmigen Gefühl und einem letzten, schuldbewussten Blick auf mein unordentliches Zimmer öffne ich jedoch die Tür.
Ja?“
Hallo! Sagen Sie, gehört ihnen ein kleines Tiggerli?“
...
Er ist gestern nicht nach Hause gekommen. Vorhin erst habe ich den Vorhang am Fenster zur Seite gezogen, um ihn besser sehen zu können, falls er nach Hause kommen sollte.
Äh, ja.. Ja. Was ist los? Wo ist er?“
Hat er sich wieder irgendwo eingesperrt? Was will diese Frau von mir. Wo ist Jack?!
Die nächsten Minuten verschwimmen, ich kann nicht mehr klar zusammenfassen, was passiert. Ich merke nur, wie ich neben dieser Frau die Strasse entlang laufe, ich merke, dass meine Füsse kalt sind, denn ich habe keine Schuhe angezogen, ich habe den Schlüssel in meiner Hand, aber meine Türe steht noch offen. Irgendwo in meinem Kopf kommen diese Informationen an. Aus einem anderem Teil in meinem Kopf kommen seltsame, dumme Fragen, hören tue ich die Antworten nicht, oder ich kann sie einfach nicht in meinem Gehirn verarbeiten, ich weiss es nicht, vielleicht träume ich. Ich glaube jedenfalls nichts, bis ich es nicht gesehen habe. Auch wenn ich glaube auf meine Frage, ob er ein helles Kinn hat, ein „Ja..“ als Antwort bekommen zu haben. Und auch auf das verquere, seltsam leere, hässliche, stechende und harte Wort „tot“ kam ein Nicken als Antwort. Aber hab ich das gefragt? Wollte ich sowas fragen? Durfte ich so etwas fragen, wenn es um ihn ging?!
Der Weg erscheint mir ewig. Wenn sie so weit weg wohnt, kann es sich ja ummöglich um Jack handeln.. Oder?
Da, das nächste Haus.“
Ich glaube sie redet noch etwas vonwegen, dass er wohl immer hierhergekommen ist, um die Enten zu beobachten. Und etwas von einer Schwarzen, mit einem buschigen Schwanz. Ich bejahe, weiss gar nicht auf was, sage dass die beiden Geschwister sind.
Irgendwo in mir drin frage ich mich, woher diese Frau weiss, dass Pascha und Jack zu mir gehören, da kann doch nur eine Verwechslung vorliegen. Es muss doch..
Aber als mein Blick um die nächste Hausecke geht, erkenne ich ihn. Er liegt da. Sieht aus als würde er da einfach liegen, so wie er bei mir daheim auch manchmal einfach nur gelegen ist.
Aber etwas ist falsch an dem Bild.
Mein Körper funktioniert, mein Geist ist leer. Wie in einem verwackelten Film erlebe ich, was nun passiert. Ich überhole die Frau, stürze fast nach vorne, möchte das Gittertor öffnen, das mich von Jack trennt, aber weiss nicht wie ich es öffnen muss. Ist da ein Griff? Ich kann nichts sehen. Hilflos lasse ich die Hände sinken, sehe nur Jack hinter dem Gitter, weiss nicht was ich tun soll. Die Dame kommt mir zu Hilfe, wortlos öffnet sie für mich. Ich glaube, jetzt weine ich. Weine ich? Ich lasse mich neben ihm fallen, zitternd bewegt sich meine Hand zu ihm, ich streichle ihn ganz sachte, ich glaube, ich habe Angst, es könnte ihn zerbrechen. Er hat etwas Blut an seinem Mund, sonst sieht man nichts. Er ist kalt; steif gefroren. Ich fahre über die Stellen, die von Tau bedeckt sind, um das Wasser aus seinem Fell zu wischen. Er ist so weich wie immer, aber gleichzeitig eiskalt und starr. Etwas in mir hofft noch, wartet auf eine Bewegung, ein Aufatmen, ein Merkmal, dass mir beweist, dass es sich doch nicht um Jack handelt, ich warte darauf dass er mich von hinten anstösst und von mir gestreichelt werden will, ich warte auf ein Miauen, ich warte auf ein Schnurren, aber es kommt nichts.
Nichts.
Ich hebe seinen Kopf, hebe damit seinen ganzen Körper hoch, bette ihn in meine Hand, so wie ich es früher immer getan habe. Aber er schmiegt sich nicht an meine Hand, er ist steif. Jetzt erst realisiere ich diese grossen Kugeln, die auf meiner Hose zerplatschen, es sind meine Tränen und es sind so viele. Kommen die wirklich von mir? Regnet es nicht vielleicht?
Nein, es sind meine Tränen. Und ich kann sie nicht zurückhalten.
Die Dame ist reingegangen, sie holt eine Tasche. Ich habe zugestimmt, aber wenn ich jetzt so drüber nachdenke.. Ich soll Jack in einer Tasche nach Hause transportieren? Ich möchte ihn aber tragen, so wie ich ihn immer getragen habe, ich möchte ihn halten, möchte dass er sich an mich schmiegt.. Seine Augen sind geöffnet, sie sind leer und diese zweiten weissen Augenlider überlappen die Hälfte. Ich möchte sie schliessen, aber es geht nicht, sie gehen nicht zu. Er blickt weiterhin ins Nichts. Die Frau kommt wieder heraus, irgendwie packen wir ihn in die Tasche. Ich weiss gar nicht wie, legt sie ihn rein oder ich? Jedenfalls ist sie diejenige, die noch einen Tannenzweig von einem nahen Busch abreisst und diesen mit in die Plastiktasche gibt. Irgendetwas reden wir noch, ich heule, sie versucht mich zu trösten, ich sage ihr, wie er heisst. Erzähle, dass seine Schwester, die Schwarze, Pascha heisst. Anscheinend hat sie auch schon ein paar Katzen verloren und sich nun keine mehr geholt, sie wisse wie schwer es sei. Anscheinend hiess eine ihrer Katzen Jacky und eine auch Pascha, per Zufall auch ein Weibchen. Ich nehme diese Infos auf, aber denken tue ich an Nichts. Es ist so unnatürlich wie Jack in dieser Tasche liegt. Ich weiss, dass es nicht mehr Jack ist, ich weiss dass es ein leerer Körper ist, aber wahrhaben kann und will ich das noch nicht. Ich sage, dass ich meine Eltern anrufen werde und gehe. In meinen Armen trage ich Jack, eingehüllt von einer Plastiktasche. Die Tränen rinnen an meinen Wangen hinab.
Das Alles ist so unwirklich. Vielleicht wartet Jack ja daheim auf mich, vielleicht ist er durch die offene Tür hineingehuscht und hat gefressen und hält nun erstmal sein alltägliches Nickerchen. Vielleicht besteht noch Hoffnung...
Daheim angekommen, lege ich die Tasche mit seinem Körper behutsam auf den Boden. Dann rufe ich bei meinen Eltern an, mein Stiefvater nimmt ab. Unter Tränen stammle ich, dass Jack tot ist. Die Wörter hallen in meinem Kopf nach. Tot. Er versteht zuerst gar nicht, was ich ihm sagen will, im Hintergrund höre ich meinen kleinsten Bruder laut vor sich hin quasseln. Als Armin es dann doch verstanden hat, gibt er mich meiner Mutter. Nach wenigen Sekunden meint sie nur, sie kommt zu mir und legt auf. Daraufhin verkriech ich mich erstmal in mein Bad, schliesse die Tür hinter mir. Der Raum hat keine Fenster, somit ist es ganz schwarz und ich kann nichts sehen, höre nur mein eigenes Schluchzen. Nach ein paar Minuten komme ich wieder heraus, schiebe den Kram, der in meinem Zimmer herumliegt unter mein Bett. Meine Unordnung kommt mir falsch vor, fast beschämend für den kleinen Jack, der da in seiner Tasche den ewigen Schlaf schlummert. Schon geht die Tür auf, ich habe gar nicht abgeschlossen, es ist aber nur meine Mutter. Diese kommt sofort auf mich zu und nimmt mich erstmal in den Arm.
Wo ist er?“
Wie betäubt stehe ich da, will nicht auf ihn zeigen, will Jack nicht mit diesem leblosen Körper gleichsetzen.
An die Autofahrt zu meinen Eltern erinnere ich mich gar nicht mehr wirklich, die meiste Zeit habe ich wohl eh nur Rotz und Wasser geheult. Das nächste, klare Bild, dass ich wieder vor Augen habe, ist, wie ich bei meinen Eltern auf dem Boden sitze und Jack in seiner Tüte streichle; immer wieder erfolglos versuche, seine Augen zu schliessen. Er muss wohl sofort tot gewesen sein, sonst hätte er sie noch von selbst geschlossen, der Gedanke ist tröstend und himmeltraurig zugleich. In der Küche beschriftet Armin grade einen Zettel mit den Lebensdaten von Jack, ein Kreuz hat er schon vorbereitet. Dann kommt er und schneidet Jack symbolisch ein paar Haare ab. Kurz darauf befindet sich meine ganze Familie im Garten. Ich soll einen Platz aussuchen, wo wir seine Stätte errichten. Ich entscheide mich für das kleine Biotop, wenn er diesen Garten gekannt hätte, wäre er bestimmt gern da gewesen und hätte die Frösche beobachtet. Überdacht wird das Szenario von einem grossem Holunderbaum. Meine Mutter erzählt noch, wie meine frühere Katze Mädi, die vor ein paar Jahren schon von uns gegangen ist, auch oft in der Nähe des Baumes war, sogar noch bevor das Biotop da war. Der Gedanke an Mädi, und das Jack nun bestimmt bei ihr ist, ist schön. Ich kann mittlerweile an Mädi ohne Schmerz denken und der Gedanke an sie, lindert den jetzigen Schmerz zumindest ein kleines bisschen.
Ich sehe ein einzelnes Gänseblümchen, das Einzige im ganzen Garten, und pflücke es. Laut meiner Mutter sei der Garten vor ein paar Tagen noch voll gewesen mit den Blümchen. Übrig war anscheinend nur dieses eine. Armin schaufelte eine kleine Mulde und legte die Haare von Jack hinein. Er reicht mir die Schaufel, auf der sich ein wenig Erde befindet. Unter Tränen werfe ich das Blümchen zu den Haaren, schicke ganz viele liebe Gedanken zu Jack und häufe die erste Erde auf das symbolische Grab.
Jack ist nicht mehr da, bis ich das vollends angenommen habe, vergeht bestimmt noch einige Zeit, aber jetzt habe ich zumindest einen Ort, an den ich gehen kann..

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10.04.2009
Mein kleiner Engel
ich liebe dich von ganzem Herzen und wünsche dir das Allerbeste auf deinem kommenden Weg. Hoffentlich sehen wir uns wieder. Ich denke an dich, werde es mein Leben lang.
Ruhe in Frieden
05.11.2010


Ich kann zur Zeit noch nicht schreiben was ich alles an ihm geliebt habe.. Genau genommen ja alles, aber sobald ich nur an eine Sache denke, kommen mir sofort wieder die Tränen. Ich werde nach und nach an ihn denken, für den Augenblick ist das aber zu viel für mich auch nur an etwas zu denken. Es hat zumindest gut getan, den heutigen Tag nieder zu schreiben.
Danke, dass ich dieses Forum und diesen Ort gefunden habe. Danke an die Dame, die mich von Jack hat Abschied nehmen lassen. Ich kannte sie nicht, und ich finde es immer noch erstaunlich, dass sie genau wusste dass Jack und auch Pascha zu mir gehörten, obwohl ich mehrere Häuser weiter weg wohne.
Ich habe am Fenster eine Kerze aufgestellt, der Tannenzweig liegt dabei, sowie ein einzelnes Schnurrhaar von Jack. Ich hoffe er findet seinen weiteren Weg. Ich hoffe wir finden uns irgendwann wieder. Ich hoffe er wartet auf mich vor der Regenbogenbrücke.
Anfangs wollte ich ja nur Jack zu mir holen, Pascha mitzunehmen war mehr eine spontane Entscheidung, weil ich dachte, es ist besser für die zwei, wenn sie zusammen in ihr neues zu Hause kommen. Nun ist Jack alleine.
Anscheinend ist er überfahren und dann auf die Terasse dieser Frau gelegt worden. Wahrscheinlich kann ich sogar von Glück reden, dass er nicht einfach in den gegenüberliegenden Fluss geworfen wurde. Mir wurde wenigstens die Möglichkeit zu Teil, Abschied von Jack nehmen zu können. Auch wenn es unendlich weh tut.
Ich habe bei meinen Eltern noch Moritz, er ist der Bruder von Mädi, mittlerweile ist er gut 17 Jahre alt, genau weiss ich das nichtmal. Auch ihn habe ich sehr lieb. Ich mache immer Bilder von ihm, wenn ich mal bei meinen Eltern vorbeischaue, dabei ist wohl untergegangen von meinen Kleinen bei mir auch Bilder zu machen. Ich habe nun leider nur ein paar wenige von Jack.. Und auch nur welche, wo er noch kleiner ist. Eins der Schönsten füge ich diesem Beitrag hinzu.
Auch wenn Pascha hier ist.. Es ist so schmerzvoll leer hier in meiner kleinen Wohnung. Ich schaue immer wieder zum Fenster, ob ich nicht doch seinen Schatten draussen sehe, ich wünschte ich könnte ihn noch einmal in die Arme nehmen. Ich wünschte er würde mir noch einmal in meine Hand oder meine Nase knabbern..
Ich vermisse ihn so sehr!
 

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  • In Gedenken an Jack Beitrag #2
Es tut mir so leid für dich, dass dein süßer Jack heute
den Weg über die Regenbogenbrücke gehen musste.

Es ist so traurig zu lesen, wie du dich heute gefühlt hast,
als die Dame aus der Nachbarschaft kam, um dir von Jack
zu berichten.

Bei aller Trauer ist es doch gut, dass sie wusste, zu wem
er gehört und dir dadurch die Gelegenheit geben konnte,
ihn abzuholen, von ihm Abschied zu nehmen und ihm einen
würdigen letzten Platz zu geben.

Deine Familie und deine Katze Pascha werden dich ein bisschen
trösten, aber natürlich ist der Schmerz groß und der Gedanke,
dass Jack nicht mehr zurück kommt, noch so unwirklich.

Jack hat bei dir ein liebevolles, schönes Zuhause gehabt,
er hat weiterhin für alle Zeiten eine Platz in deinem Herzen.
 
  • In Gedenken an Jack Beitrag #3
Meine Liebe.
Es tut mir so unendlich leid daß du deinen Jack verloren hast. Du hast mein tiefstes Mitgefühl. Alls ich deinen Beitrag gelesen habe liefen mir nur so die Tränen. Ich kann deine Trauer nachempfinden. Sei froh das deine Eltern für dich da sind und deine Pascha. Ich nimm dich mal ganz lieb in den Arm.
Lebe wohl lieber kleiner Jack, jetzt hast du keine Schmerzen mehr.
Grüß bitte meine vier Lieblinge von mir.
Ganz traurige Grüße Kathi.
 
  • In Gedenken an Jack Beitrag #4
Hallo,

es tut mir sehr leid für deinen Jack... Behalte ihn in guter Erinnerung und sei froh darüber, das du ihn bei dir haben durftest, denn er ist mit sicherheit auch glücklich darüber, das er sein leben bei dir verbringen durfte...
nun schaut jack von oben auf dich herab, er wird dich bei jedem weg begleiten und immer in deinem herzen sein und mit viel stolz dich und dein weiteres leben begleiten...
 
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In Gedenken an Jack

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