Etwas komplizierter: Silber und Gold

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Borealis

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Hallo,
weil in einem anderen Thema die Frage nach Gold und Silber aufkam, versuche ich, das möglichst einfach zu erklären.

1. Silber

Das normale Haar zeigt bei getigerten Katzen die so genannte Agouti-Bänderung. D.h. die Spitze ist meist dunkel und zum Haargrund hin wechseln sich hellere, rötliche und fast farblose Bänder ab. Ganz unten am Ansatz ist das Haar meist farblos, was normalerweise aber nicht auffällt, weil das von den anderen Haaren abgedeckt wird. Die Verteilung der Bänder ergibt dann die unterschiedlichen Tabbymuster. Selbst bei schwarzen, nicht getigerten Katzen ist das Haar am Ansatz viel heller, allerdings nur in einem kleinen Bereich, wobei natürlich die Bänderung fehlt.

Bei Katzen mit Silber ist nun der ungefärbte Bereich am Haaransatz vergrößert. Verantwortlich für die Unterdrückung der Farbbildung am Haaransatz ist das Inhibitor-Gen I, das dominant gegenüber der Wildform i ist.

Bei nicht getigerten Katzen ist das Gen I auch wirksam, aber man spricht hier nicht von "silver", sondern von "smoke", z.B. black smoke oder chocolate smoke, obwohl es sich um die Wirkung des selben Gens handelt.

Einfaches Beispiel:

Verpaart man eine mischerbig silberne Katze (Ii) mit einer Katze ohne Silber (ii), so bekommt man je zur Hälfte Nachkommen mit und ohne Silber.
Reinerbig Silber (II) x ohne Silber (ii) = 100% mischerbig Silber (Ii)

Konkret:
black smoke (reinerbig) x black = 100% black smoke
chocolate x black smoke (reinerbig für Silber und black) = 100% black smoke (trägt chocolate)
black silver tabby (reinerbig für Silber und tabby) x black = 100% silver tabby
black silver tabby (reinerbig für Silber, mischerbig für tabby) x black = 50% silver tabby, 50% black smoke

Es vererben sich also Farbe, Muster und Silber unabhängig voneinander.


Bei den Tabbies unterscheidet man nun 3 Formen von silbernen Katzen, je nachdem wie stark der gefärbte Bereich in Richtung Haarspitzen gedrückt wurde:

nur noch 1/8 der Haarspitze gefärbt: chinchilla
höchstens 1/3 der Haarspitze gefärbt: silver shaded
mehr als 1/3 der Haarspitze gefärbt: silver tabby

Man nimmt nun an, dass es ein weiteres Gen Wb (= wide band) gibt, das nur bei Tabby-Katzen wirksam ist und das Ausmaß der Versilberung bestimmt:

silver tabby: Ii wbwb oder II wbwb
silver shaded: Ii Wbwb oder II Wbwb
chinchilla: Ii WbWb oder II WbWb

Es wird vermutet, dass I und Wb auf demselben Chromosom liegen und deshalb üblicherweise zusammen vererbt werden.

Beispiel:

Chinchilla (II WbWb) x ohne Silber (ii wbwb) = 100% mischerbig shaded (Ii Wbwb)

Bei Shaded (Ii Wbwb) x ohne Silber (ii wbwb) muss man noch beachten, dass I und Wb in der Regel auf demselben Chromosom liegen und auch gemeinsam vererbt werden. Es sollten deshalb theoretisch aus dieser Verpaarung 50% shaded silver und 50% normale Tabbys geboren werden.

Dass dies durch die Vorliebe der Natur für eine möglichst große Vielfalt nicht immer so ist, führt uns zur Entstehung von golden.

2. Gold

Bei der Verpaarung von silbernen Persern stellten Züchter schon vor 100 Jahren fest, dass hin und wieder "komische" Tabbys geboren wurden. Durch kräftig beige bis rotbraun gefärbte Haare in den nicht-schwarzen Fellbereichen zeigen sie einen sehr warmen Farbton. Man konnte feststellen, dass diese "golden Tabbies" regelmäßig bei der Verpaarung von silbernen Katzen auftreten, sich jedoch nie silberne Katzen aus der Verpaarung von zwei goldenen züchten lassen.
Niemals tritt Silber und Gold gleichzeitig bei einer Katze auf und es wurden bisher nur golden tabbies, nie aber ungemusterte Katzen mit Gold gefunden.

Aus all dem ergab sich die Wideband-Gen-Theorie, die das alles ganz gut erklären könnte:

Wie oben beschrieben, sitzen Wb (= ausgeweitete helle Bänder) und I (= Silber) auf demselben Gen und werden deshalb normalerweise auch gemeinsam an die Nachkommen weiter gegeben. Nun gibt es bei der Entstehung von Ei- und Samenzellen einen Vorgang, Crossing-over genannt , der die genetische Vielfalt bei den Nachkommen erhöhen soll. Bei diesem Crossing over werden Gene zwischen den Chromosomen ausgetauscht, so dass aus den Zellen einer silver shaded Katze mit den Genkombinationen IWb und iwb Keimzellen mit Iwb und iWb entstehen können.

Trifft z.B. eine Samenzelle vom Vater (silver shaded) mit iWb auf eine Eizelle einer nicht silbernen Katze mit iwb, so entsteht daraus ein Kätzchen mit der Kombination ii Wbwb. Durch die Anlagen für nicht-Silber ii zeigt das Kätzchen natürlich weder Silber noch Smoke. Das Wb jedoch bewirkt, dass die hellen rötlichen bis beigen Bänder am Haaransatz ausgeweitet werden.
Das erklärt also, warum Gold und Silber nie gemeinsam an einer Katze zu finden sind.

Da Wb die hellen Bänder ausweitet, ist es nur logisch, dass Gold nicht an nicht-Tabbies vorkommt. Dort sind am Haar gar keine Bänder zu finden, die ausgeweitet werden können.

Verpaart man zwei goldene Katzen miteinander, ist auch klar, dass keine silbernen daraus geboren werden können:

Bsp.:
golden (ii Wbwb) x golden (ii Wbwb) = 75% golden (ii Wbwb bzw. iiWbWb) und 25% nicht golden (ii wbwb).
 
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