Hallo miteinander,
ich bin Kerstin, 26 Jahre, und seit kurzem unter die Dosenöffner gegangen.
Mein Freund und ich haben uns entschieden zwei Katzen zu uns zu nehmen; zum einen, weil es einfach toll ist ein Lebewesen zu Haus zu haben, dass man hegen und pflegen kann (ich genieße jeden Gang zum Tierfachhandel) und zum anderen, weil wir etwas zurück geben wollten an unsere tierischen Miterdenbewohner, die uns in unserer Jugend so viel gelehrt haben.
Nach einigen Telefonaten mit Züchtern und entsprechender Recherche im Internet sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir in Zeiten, in denen so viele Tiere auf den Straßen und in den Tierheimen leiden, nicht die weitere Vermehrung aus kommerziellen Gründen unterstützen wollen. So sind wir bei einem örtlichen Katzenschutzverein gelandet, der Miezen aus Tötungsstationen in Belgien und Spanien vermittelt. Uns war klar, dass Tiere mit schwieriger Vergangenheit auch schwierige Mitbewohner sind, aber gerade deshalb haben sie ein Heim verdient.
Nun zu meiner Frage: Als Katzenneuling habe ich mir viel zurecht gelesen und in den Tierschützern vom Verein auch gute Ratgeber gefunden, die sogar bei einem Schnupfen meines Neuzugangs direkt einen Brief mit Tabletten rübergeschickt haben. Dennoch frage ich mich manchmal, ob wir denn alles so richtig machen. Deshalb frage ich Euch um Rat.
Als erstes ist unsere Yoda zu uns gekommen. Sie wird auf 2,5 Jahre geschätzt und wurde in einer Tötungsstation in Belgien abgegeben. Sie scheint eine Main Coon Mix Dame zu sein und leider war ihr Fell durch den Dreck in der Station so verfilzt, dass sie einen ziemlichen Kahlschlag durchmachen musste. Abgesehen davon wurde eine Arthrose diagnostiziert, diese beiden Faktoren machten sie leider schwer vermittelbar. Wir haben sie auf der Pflegestelle besucht und uns trotz des rebellischen Haarschnitts direkt verliebt. Als wir sie nach Hause nahmen, hat sie die Wohnung direkt in Besitz genommen. Da hatten wir wohl Glück. Sie ist keine große Schmuserin, genießt es aber die nacht auf und zwischen unseren Beinen zu verbringen, kennt keinerlei Scheu, weder vor Staubsaugern noch fremden Besuchern. Sie steht nicht auf Leckerchen (haben schon alles versucht) haut sich aber mit Vorliebe das Bozita Nassfutter rein, für das ich mich nach einiger Recherche entschieden habe (100% Fleisch, kein Zucker und mieser Faserdreck). Und schon am zweiten Tag kam sie mit hocherhobenem Schwanz zur Begrüssung zur Tür als wir von der Arbeit kamen.
Da wir beide nunmal berufstätig sind, war klar, dass Gesellschaft her muss. Zunächst standen Zweifel im Raum, da auch die Tierschützer nicht wussten, ob Yoda eher ein Eigenbrödler oder ein Partylöwe ist. Wir haben uns dann für einen Kater entschieden, den wir aber dann doch nicht zu uns holen konnten, weil der
FIV positiv getestet wurde und den Tierschützern das Risiko zu groß war, dass er Yoda ansteckt (Übrigens sucht Woodstock, so heisst der Knabe, immer noch ein Heim, am liebsten unter anderen FIVlern, nur falls sich Jemand bei mir melden möchte

). Dann wurde eine Katzendame aus der Tötungsstation geholt, die ziemlichs cheu war, so dass da auch alle Vermittlungsversuche scheiterten. Ich kam mit der Cheffin vom Verein auf die Idee, dass Yoda vielleicht ein gutes Vorbild sein könnte. Also haben wir versucht, ob die beiden Damen sich an die Gurgel gehen, oder vielleicht doch miteinander klar kommen. So kam Kenobi (passend zu Yoda

) bei uns ins Haus. Das erste Treffen lief vielversprechend. Bisschen Gefauche, sonst nichts. Also ist sie erstmal dageblieben.
Die ersten Tage steckte Kenobi unterm Sofa oder im bedeckten Katzenklo. Ich habe stundenlang in ihrer Nähe gesessen, Selbstgespräche geführt und mit Leckerchen gelockt. Mit Erfolg! Schon am dritten Tag kam sie raus, futterte sogar aus meiner Hand und verlegte ihre "Home-Base" unter unser Bett. Als sie dann einen Schnupfen bekam sah ich mich dann aber leider doch gezwungen sie unterm Bett hervorzufischen, da der Boden da sehr kalt ist. Bisschen übel hat sie es mir wohl genommen, der Platz auf dem Kissen unter der Heizung wurde dann aber doch selbstständig aufgesucht. Kenobi ist nun 2 Wochen bei uns.
Ich schildere noch einmal kurz ihr momentanes Verhalten: Sie bewegt sich recht frei durch die Wohnung und frisst ordentlich. Mit Yoda scheint Frieden zu herrschen, manchmal spielen sie miteinander, was Kenobi jedoch meist abbricht, weil Yoda ihr zu wild wird. Yoda akzeptiert das aber ohne Murren. Soweit alles in Ordnung. Wenn ich Kenobi nett locke, am besten noch mit Leckerchen, dann kommt sie auch her und lässt sich streicheln, hüpft ab und an sogar aufs Sofa und schlawiniert hinter meinem Rücken herum. Ist sie jedoch auf dem Boden und ich gehe langsam auf sie zu huscht sie weg. Interessanterweise rührt sie sich keinS tück wenn ich an ihr vorbei marschiere, egal wie energisch. Vor meinem Freund jedoch hat sie immer noch richtig Angst. Ganz selten kann er mal kurz über ihr Köpfchen streicheln, dann huscht sie aber auch wieder davon. Bin ich allein zu Hause kommt Kenobi sogar zu mir,s etzt sich über meinem kopf auf die Lehne oder trampelt auf meinem bauch rum. Sobald mein Freund mit auf dem Sofa sitzt, hält sie sich zwar in der Nähe, mag aber gar nicht angeguckt oder gar angefasst werden.
Unsere Theorie ist, dass sie sehr schlechte Erfahrung mit Männern gemacht hat. Sie reagiert sogar auf seine Stimme ängstlich, was wohl dafür sprechen würde. Er hat ihr selbstverständlich noch nie etwas getan, lässt sie vielmehr noch mehr in Ruhe als ich und war eigentlich der, der mich immer zur Geduld ermahnt hat. Momentan ist er der Fresschengeber für Kenobi während ich Yoda bediene, ich dachte mir, das wäre evtl ne gute Idee.
Feliway habe ich bereits ins Wohnzimmer gesteckt, keine Ahnung, obs was bringt. Ich würde nur wirklich gerne wissen, ob es kleine Tricks gibt, mit denen wir
a. Kenobi allgemein mehr Sicherheit geben können, so dass sie nicht andauernd in Alarmbereitschaft ist und bei der kleinsten Bewegung weg huscht
b. In Kenobi das Vertauen auch in meinen Freund wecken können.
Klar sind zwei Wochen nicht viel, weiß ich schon, aber man kann doch sicher unterstützend mitwirken, es der Kleinen leichter machen.
Des Weiteren wüsste ich gern von euch, ob wir das Alles bislang richtig angegangen sind.
Ich danke Euch jetzt schon für Euren Rat!
Viele Grüße
Kerstin