Hallo!
Ich möchte hier meine Erfahrungen als Flugpatin für einen kleinen Kater von Dalaman (Türkei) nach Düsseldorf weitergeben.
Ich habe hier kein Interesse an der Diskussion: Warum noch Tiere nach Deutschland, die Tierheime sind hier sowieso überfüllt. Mir sind die Fakten und die Argumente dafür und auch dagegen durchaus bewußt. Ich habe jedoch für mich abgewogen und entschieden, und ich bitte jeden, etwaige Posts in dieser Richtung zu unterlassen. Dafür können ja dann gern eigene Threads eröffnet werden. Dies hier ist, wie gesagt, ein Erfahrungsbericht mit der Hoffnung, den einen oder anderen dafür gewinnen zu können. Tiere haben keine Staatsangehörigkeit, Tiere haben nur uns, um ihnen zu helfen. Egal, wo sie leben.
Ich hatte mich etwa 4 Wochen vor Abreise bei dem Portal
www.flugpate.com registriert. Bereits Minuten später bekam ich eine nette email, und kurz darauf folgte ein Telefonat mit Frau Schmidt von sunnydays-for-animals. Es wurde direkt sehr konkret: Ein kleiner weißer Kater sollte es werden, Pak (Türkisch für: rein, unschuldig) sein Name. Ein Foto von ihm konnte ich mir auf der Website ansehen.
Was mich wirklich zum Zögern gebracht hat war die Tatsache, daß der Düsseldorfer Zoll wohl Mitarbeiter hat, die Flugpaten in Bedrängnis bringen. Das wurde mir von der Organisation nicht verheimlicht. Was mich letztendlich dazu gebracht hat, die Sache trotzdem durchzuziehen war die Tatsache, daß es schlichtweg rechtmäßig ist. Das Tierchen ist geimpft, gechipt und und wurde hier von seinen neuen Besitzern (die bereits ein Tier aus dem türkischen Tierheim hatten) bereits erwartet. Um alles bestmöglich "rundzumachen" bekam ich noch eine persönliche Vollmacht der neuen Besitzer und habe auch mit ihnen telefoniert. Mein Lebensgefährte war auch auf meiner Seite, und so nahmen wir Pak am Flughafen Dalaman schließlich in Empfang.
Ich hatte ihn selber auf mein Ticket gebucht über mein Reisebüro, und auch die Kosten (EUR 25,-- in Kabine bei TUIfly) habe ich übernommen. Die Buchung war eine Minutensache, und die Kosten wären mir erstattet worden. Ich habe sie als Spende betrachtet und die Erstattung abgelehnt, mir ist es nur wichtig hier zu betonen, eine Flugpatenschaft verursacht keine Kosten.
Pak wurde von der jungen Frau gebracht, die das Tierheim in Ortaca in der Türkei erst aufgebaut hat. Eine bemerkenswerte Geschichte, wer mag, liest mal nach:
www.sunnydays-for-animals.de
Bitte den Link "Waldtierheim Türkei" anwählen. Tuerkan ist wirklich eine bemerkenswerte Person, sehr fröhlich, obwohl sie gleichzeitig über Paks Schicksal berichtete: Sie hatte ihn seit etwa 2 Jahren, er wurde vorher von Kindern (!!) gefoltert. Tuerkan ist der Meinung, daß die Ursachen von solchen Mißhandlungen nur durch "Education, Education, Education", also durch Bildung, behoben werden können. Sie berichtete von existierenden Gesetzen gegen Mißhandlungen, die nur niemanden interessierten, und für wie merkwürdig die Leute sie hielten, als sie anfing, diese Gesetze durchzusetzen. Wirklich, eine Bombenfrau!
Nachdem wir mit Pak problemlos eingecheckt hatten (er war leicht sediert und gab keinen Mucks von sich) hatten wir weiter Glück: Der Flieger war nicht ganz ausgebucht, wir konnten mit dem Transportkorb eine eigene Reihe beziehen. Sonst wäre es eng geworden, der Korb paßte nicht unter die Sitze. Aber die Stewardessen waren sehr nett, ich denke schon, während des Fluges hätten sie ein Plätzchen gefunden. Der Korb war mit einem mitgebrachten Handtuch verhängt, es gab keinerlei Probleme.
Nach der Landung erfolgen pünktlich die ersten zornigen "Maaaaaauuuuuuuuuu"s. Bei der Paßkontrolle teilte der freundliche Beamte auf unsere Nachfrage mit, daß wir nicht zwingend zum Zoll müßten: Nur wenn wir rausgewunken würden. Wir besorgten uns also einen Trolley und bauten den ab und zu protestierenden Pak mit unseren (wie durch Zauberhand nach wenigen Minuten auf dem Band liegenden) Koffern zu. Wir wären so durch den Zoll gekommen, wenn nicht genau in dem Augenblick ein besonders zornigens "MMMMMMIIIIAAAAAUUUUUUMAUAUAUAMMMMMMAAAAAUUUUUUUUUU" aus Paks Kiste gedrungen wäre. Waren schon fast draußen... der nette Zollbeamte kontrollierte aber auch nur kurz Paks Haustierpaß, dann durften wir durch!!!
Paks Familie und das nette Ehepaar Schmidt von sunnydays-for-animals erwarteten uns schon. Liebe Worte wurden gewechselt, und wir wurden zu Paks neuer Familie eingeladen. Telefonnummern waren sowieso schon gewechselt worden, und eine große Pakung Milka-Pralinen als Dankeschön betrachte ich mit gemischten Gefühlen... *mampf* ;-)!
Müde fielen wir nachts ins Bett, und am nächsten Tag bekam ich eine sms, daß Pak bereits sehr verschmust und anhänglich sei, und sehr, sehr redselig

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Soweit mein Bericht als Flugpatin. Ich persönlich meine, das Elend gerade in südlichen Ländern ist wesentlich größer als hier bei uns, gerade in den Landstrichen, wo mangelhafte Bildung vorherrscht. Ich glaube, solche Leute wie Tuerkan leisten herausragende Arbeit, vor allem, weil sie für ihre Einstellung in ihrem eigenen Land schräg angesehen und ausgegrenzt wird. Mit ihrer Bildung und ihren Sprachkenntnissen hätte sie ganz andere Karrierechancen gehabt, aber sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Tieren zu helfen. Chapeau, Tuerkan!
Liebe Grüße, Claudia mit Stinkebär Apollo