Als ich meinen ersten Kater, Felix, bekam, war der mein einziger Freund und ich war sicher, wenn ich den mal verlieren würde, könnte ich nie wieder lachen. Ich hatte fast ein Jahr lang (nach seinem Tod) Alpträume und sogar "Halluzinationen" (ich verwechselte, von weitem, weiße Plastiktüten und so mit ihm; er war ein weißer Norweger, und oft dachte ich, ihn zu hören). Aber das Leben ging weiter. Fast 1 Jahr später bekam das Miichen ihre Babies und obwohl es sehr traurig war, dass "Onkel Felix" das nicht erleben konnte, war es auch schön, dass unsere anderen Katzen lebten und glücklich waren.
Ich dachte nie daran, nach dem Tod eines Tieres für immer auf "ein Neues" zu verzichten, weil doch die Zeit, die man zusammen hatte, das ist, was zählt. Mein Miichen fehlt mir, gleichzeitig auch nicht, weil ich einfach immer noch nicht so richtig begriffen hab, dass sie plötzlich nach 13 Jahren, für immer weg ist. Kann nicht sein, warum also traurig sein? Als wäre sie hier irgendwo, gerade knapp außerhalb meines Blickfelds. Es wäre so schön gewesen, noch 13 Jahre mit ihr zu verbringen, aber die 13 Jahre, die wir HATTEN, waren die Trauer wert und werden es immer wieder sein und ich würde nie auf eine Katze, einen Freund, irgendeine Beziehung verzichten wollen, weil alles irgendwann endet und dann sehr wehtun wird. Alles endet, aber deswegen gar keine Freude daran haben? Ich hab so viel Freude an ihnen, und das ist doch gerade der Grund, weshalb der Verlust am Ende so weh tut. Weil sie so schön, so wichtig sind.
Zu deinen Fragen, ich hab jetzt 5 Katzen, davon 3, die wirklich "da" sind. Bal-Bal ist zornig, seit Chetzi Ende April kam und kommt nur noch zum Fressen und Trinken rein. Mini, Miichens Tochter, vermisst ihre Mama und ist meistens unsichtbar. Sie war schon immer sehr scheu, und ihre einzige Beziehung war ihre Mama, und jetzt hat sie die verloren.
Miichen wäre übrigens beinahe für ein halbes Jahr auf die Philippinen gegangen :grin: Mir wurde da von Filmstudios ein Praktikum angeboten, aber weil mein Miichen schon alt war, hatte ich darauf bestanden, das mitzunehmen und sie ließen sich sogar überreden :lol: Die andren wären zuhause in Pflege gewesen. Leider wurde nix draus, weil ich fluchtartig nach Israel auswandern musste.
Was mich zu der Frage bringt

Die Geschichte ist lang und nicht sehr schön. Seit ich ein Baby war (in Israel geboren), war ich immer und überall Ausländer. Kaum hab ich mich irgendwo eingelebt und Freunde gefunden, zogen wir auch schon wieder um. Nun gut, ich bin halb Deutsche, 10 Jahre Deutschland, aber ich hab mich da nie wohlgefühlt (siehe unten). Dann 12 Jahre Belgien, wo ich mit dem Geld nicht klarkam (135 Euro Strom pro Monat... FEST!). Das, aber auch, weil ich in Belgien einen "Freund" hatte, der mir seelisch sehr schadete, waren Gründe, weshalb ich - obwohl ich schon länger sehnsüchtig nach der Heimat war - dann spontan und ohne Abschied über die Jüdische Agentur "Aliya" (Aufstieg nach Israel) gemacht hab.
Erstens ist das Leben hier viel billiger, zweitens hatte meine Mutter Angst um mich, wenn ich weiterhin auf demselben Kontinent wie mein "Freund" lebte. Um meine Aliya zu regeln, kam die extra aus dem Libanon. Der Kerl war der Hauptgrund. Dank dem hab ich nämlich unter anderem mein Studium, mein Kind und meine Hunde verloren und hatte Monate lang Herzbeschwerden. Und dann anderthalb Jahre lang Panikattacken bei jeder Begegnung (die nicht zu vermeiden waren). Wundervoll /sarkasmus
Also Freund, Geld, dann aber auch, weil auch in Belgien kein Heimatgefühl kam, auch nach 12 Jahren nicht. "Freunde" in "", und als Israeli in einem auffällig Juden- und israelfeindlichen Land wohnen, das war nicht angenehm. Dauernd von gewissen Leuten beschimpft, bedroht und sogar in öffentlichen Instituten schlecht bedient werden wegen einem Davidsstern oder Armee-Shirt. Durfte regelmäßig "Juden-****" von meinem Fenster wischen. Und die Belgier selbst ließen mich zwar in Frieden, aber sogar meine eigenen Freunde waren anti-Israel und fanden sogar verständlich, wenn Hasser mich anblödeten wegen einem Davidsstern oder so. Ab einem gewissen Punkt wurde auch das für mich ein Grund, zu gehen. Legale Juden- und Israeli-Verfolgung muss ich nicht ertragen, wenn Israel mich mit offenen Armen empfängt.
Die offenen Arme sind auch ein Grund. In Israel ist die soziale Solidarität stärker, man wird nicht diskriminiert, komisch angeguckt, gehänselt oder sonstwas, wenn man dick, etwas verrückt oder sonstwie auffällig ist. Woanders kriegt man von der Gesellschaft sofort nen Stempel. "Sei du selbst, aber nur, wenn du dich verhältst und aussiehst, wie wir". Hier nicht. Mir ist wichtig, mich nie und nirgends verstellen zu müssen. Hier laufen Dicke mit Minikleidchen rum und keiner guckt blöd, und wenn man vor Wut ein Fenster einschlägt, ist auch das nicht weiter erwähnenswert (Europa: Man flieht vor dem "Spinner". Israel: "Hast du dir wehgetan, Liebes?? Oh nein, kommt mal alle her und helft dem armen Schatzi!") :lol:
Hier lebt man irgendwie gemütlich und lässig von Tag zu Tag, ist hilfsbereit, aber mischt sich nicht unnötig ein ("Die da parkt schon wieder falsch"), und es reicht, wenn Dinge funktionieren, sie müssen dabei nicht vorschriftsmäßig sein :lol: Hier ist das Leben einfach in zu viel Gefahr, als dass man seine Energie in das Aufregen oder Lästern über andere investieren würde. Und die Leute reden auch unter Fremden, als wären sie Familie. Jeder ist irgendwie dein Bruder, dutzt einander, ist warm und hilfsbereit, wie eine große fette Familie eben (und mit entsprechend lauten aber aufrichtigen Zänkereien). Leute machen auf Mauern und Bänken Siesta, und damit meine ich keine Obdachlosen.
Ich find das Straßenbild einfach toll, gemütliche Leute, ein vereintes aber nicht herden-artiges Volk, frei, Gucci hier, Maschinengewehr da, unbekleidete Fettfalte dort, in der Sonne abhängen wie Löwen zwischen Jagden und Revierkämpfen, einfach spürbar froh für sich und alle anderen, zu leben. Man stellt sein Sofa oder Stühlchen auf den Gehsteig oder vor seinen Laden, um gemütlich draußen abzuhängen. Mehr dazu:
http://www.youtube.com/watch?v=g7Few_UpfZQ
Also Katzen und Hund geimpft, Transportboxen besorgt, Axolotl-Eier in Thermoskannen gefüllt :lol: und tschüss für immer (bis auf Urlaube). Keine Verträge gekündigt, keine Konten geschlossen, einfach alles stehen und liegen gelassen. Neuer Nachname, keine Behörde in Belgien weiß, wo ich bin. Und ich kann endlich vors Haus, ohne von Judenhassern oder Frauenfeinden belästigt zu werden. War in Belgien auch ein massives Problem, wodurch jeder Ausflug zur Tortur wurde. Weil fast täglich widerliche Typen meinten, mich anbaggern zu dürfen. Frau - Ehering = Freiwild. Hier fühl ich mich 100% sicher. Hier passiert mir das fast nie.
Hab ich erwähnt, dass 2 Kilo frisches Rindfleisch hier umgerechnet ca. 6 Euro kosten, und 1 Kilo Hühnerklein 30 Cent? :grin: