Erinnerung an Avalon - immer noch

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  • Erinnerung an Avalon - immer noch Beitrag #1
Jodas Tante

Jodas Tante

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Es ist nun schon lange her, dass du gegangen bist. Am Anfang des Frühlings im letzten Jahr. Du hast deinen Abschied selbst gewählt.

Es war noch dunkel und kalt, der Schnee lag überall, als wir deinen Hundefreund, den guten Fynn, über die Regenbogenbrücke begleitet haben. Du warst zu diesem Zeitpunkt wohl schon sehr krank, hast dich aber vollkommen zurückgenommen, dir nichts anmerken lassen. Du hast uns trauern lassen. Dafür danke ich dir.
Einige Tage später erst hast du gezeigt, wie schlecht es dir doch schon ging. Wir waren beim Tierarzt, du hast Blut abgenommen bekommen und eine Infusion. Da der Wagen nicht mehr ansprang, habe ich dich, in meine Jacke gewickelt, den Weg nach Hause getragen. Du hast die Welt mit offenen Augen betrachtet. Du warst ja immer sehr neugierig. Du hast dein Leben lang nichts ausgelassen, zu tun oder auszuprobieren. Ob es nun ein Gang auf dem Dach in 12 Meter Höhe war oder der Sturz in den Besteckkasten der Spülmaschine, das Überklettern der Mauer in die große weite Welt (du hast irgendwann gerufen, dass ich dich nun abholen soll), das Öffnen der Gefriertruhe mit dem Verspeisen einer kompletten tiefgefrorenen Hühnchens, das Ärgern der Hunde. Du wolltest immer meine Vögel und meine kleine Hausratte essen, hast mir andere Vögel zum Tausch angeboten. Du hast in meinem Bett geschlafen oder auf meiner Tastatur, wenn ich für die Uni was schreiben musste. Du warst dir immer sicher, der Mittelpunkt deines und unseres Lebens zu sein. Du warst ein Sonnenschein, du hast angefangen zu schnurren, wenn man dich nur angesehen hat. Du bist gekommen, wenn man rief: Schnell, es ist kalt, auch im Hochsommer. Du hast es geliebt, getragen zu werden, hast dich an meinen Schultern eingehängt, so dass ich meine Arbeiten erledigen konnte, mit dir an meiner Seite. Du hast nie einen Korb gebraucht, wenn wir zum Tierarzt gingen, du und die beiden Hunde, ihr seid immer an der Leine in die Praxis gegangen, und du warst stolz darauf. Beim Autofahren hast du gerne auf dem Rücksitz gelegen und die Welt betrachtet. Du hast mich zum Lachen gebracht, mit mir diskutiert, und mich getröstet, wenn ich traurig war. Du hast immer meine Schmerzen gelindert.

Dann aber hat das Sterben eingesetzt. Du warst 17 Jahre alt. Es ging dir immer schlechter, du hast kaum noch etwas gefressen. Die letzten Tage konntest du dich fast nicht mehr bewegen, du warst zu schwach. Du wolltest nicht gehen. Als der Tod kam, bist du ihm mit einem grimmigen Gesicht begegnet.

An einem Tag - kurz vor deinem Tod - kamen die ersten Sonnenstrahlen nach dem langen und harten Winter. Ich habe dich rausgebracht und mich mit dir in die Sonne gesetzt. Dein Fell hat in der Sonne geglänzt und geschimmert. Du hast geleuchtet. An diesen Augenblick werde ich mich immer erinnern.

Ich war nicht da an diesem Tag, ich musste arbeiten. Aber ich habe es gespürt, dass du nun den Regenbogen überschreitest. Ich habe zu Hause angerufen, meine Mama sagte, ja, du bist gegangen.

Du hast mir beigebracht, dass das Sterben kein plötzlicher Moment, kein Einbruch von außen, sondern eine Zeit ist, die kommen muss. Dass das Sterben zum Leben gehört.

In dieser Nacht hast du mich im Traum besucht - wir haben ein letztes Mal gekuschelt und uns voneinander verabschiedet. Der Schmerz aber, dich verloren zu haben, der wird bleiben.
 
  • Erinnerung an Avalon - immer noch Beitrag #2
Ich bin tief bewegt von dem, was du schreibst und wie du schreibst. Du schreibst mir aus tiefster Seele. Das Sterben meines 17 jährigen Diesels spielte sich sehr ähnlich ab. Auch ich hatte das Gefühl durch sein Sterben - diesem Prozess - etwas über das Leben zu lernen. Lernen zu müssen. Nun ist er erst gut drei Wochen fort. Geträumt habe ich leider noch nicht von ihm, doch ich glaube oft (kurz vorm Einschlafen) ihn schnurren zu hören... . Seinem lauten Schnurren verdankte er auch seinen Namen.
Danke, dass du deine Erinnerungen teilst. Ich glaube, auch ich werde noch lange an meinen Kater denken. Liebe Grüße an dich. Kerstin
 
  • Erinnerung an Avalon - immer noch Beitrag #3
Das tut mir sehr leid, dass du deinen Freund verloren hast. Wenn es immer noch schnurrt, dann ist er wohl noch ein bisschen geblieben. Ich glaube, die können das :smile: und das ist sehr schön!
Ich musste mir das auch mal von der Seele schreiben. Es ist jetzt schon eineinhalb Jahre her und ich heule immer noch, wenn ich an Fynn und Avalon denke. Sie sind innerhalb eines Monats gegangen. Es ist trotzdem, als sei es erst gestern passiert.
Inzwischen habe ich ja auch wieder zweimal Lebenssinn. Aber diese unendliche Vertrautheit, diese Nähe, dieses Wissen umeinander, diese unendliche Verbundenheit, die ist (noch) nicht da. Das ist eine Erfahrung, die du sicher auch gemacht hast, wenn du einen so alten Kater deinen Freund nennen durftest: Eine Nähe, von der ich nie gedacht habe, dass es sie geben kann. Diese Nähe ist unersetzlich, und die Leere tut einfach nur weh.
Aber 17 Jahre ist schon ein schönes Alter, oder? Vielleicht treffen sich unsere beiden Opas, dort, wo sie jetzt sind und erzählen sich von ihren Menschen?
 
  • Erinnerung an Avalon - immer noch Beitrag #4
Mit so liebevollen Worten kann man nur über ein Lebewesen schreiben,
dass einem ganz nah war und weiterhin ganz nah ist.

Mit Avalon hat dich eine besonders innige Beziehung verbunden,
und die endet auch nicht mit dem Tod, die geht darüber hinaus.

In unseren Erinnerungen und in unserem Herzen tragen wir
unsere Lieben weiterhin bei uns, sie sind ein Teil unseres Lebens.

Irgendwann wirst du deinen Avalon und seine Kumpel wiedersehen,
er wartet ganz gewiss auf dich.
 
  • Erinnerung an Avalon - immer noch Beitrag #5
Mit so liebevollen Worten kann man nur über ein Lebewesen schreiben,
dass einem ganz nah war und weiterhin ganz nah ist.

Mit Avalon hat dich eine besonders innige Beziehung verbunden,
und die endet auch nicht mit dem Tod, die geht darüber hinaus.

In unseren Erinnerungen und in unserem Herzen tragen wir
unsere Lieben weiterhin bei uns, sie sind ein Teil unseres Lebens.

Irgendwann wirst du deinen Avalon und seine Kumpel wiedersehen,
er wartet ganz gewiss auf dich.


Dem schließe ich mich mit jeder Silbe an.

Liebste Grüße,
Sisja
 
  • Erinnerung an Avalon - immer noch Beitrag #6
.. und erzählen sich von ihren Menschen?

ich glaube fest daran, dass sie das alle tun. sie sitzen dort, schauen zu uns hinunter, lachen über uns, freuen sich mit uns, und schicken uns einen liebevollen gedanken, wenn wir traurig sind.

manchmal, wenn ich richtig traurig bin, habe ich das gefühl, als würde max' großer kopf auf meinem bein liegen, nancy mich mit ihrer kalten hundeschnauze anstubsen und stromer der erste sich an mich kuscheln.
 
  • Erinnerung an Avalon - immer noch Beitrag #7
Ja, das kenne ich. Und ich bin beinahe beleidigt, wenn ich mich verlassen und einsam fühle, weil die Geister gerade keine Zeit haben. Natürlich sitzen sie da oder haben etwas sehr wichtiges zu erledigen, wie schon immer in ihrem Leben hier. Und machmal besuchen sie uns in unseren Träumen. Das ist sehr schön!

Es ist so ein großes Geschenk, jeden einzelnen von ihnen gekannt zu haben, oder?
 
  • Erinnerung an Avalon - immer noch Beitrag #9
so eine tiefe Verbindung ist sowas Schönes. Das geht nie weg!!!
 
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