Igelhilfe

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Samantha

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Alljährlich im Herbst------------
Es ist nicht zu übersehen, das Laub verfärbt sich, die Früchte der Eichen und Buchen, der Kastanien und Maronen fallen von den Bäumen und dann erinnern sich viele Leute daran:
"Jetzt ist es ja Zeit, Igel zu retten"
Obwohl sich durch die Aufklärungsarbeiten sowohl von Igelschutzvereinen als auch vielen engagierten Igelhelfern vieles zum Guten verändert hat, gilt es noch dicke Bretter zu bohren, um dieser erdgeschichtlich seit dem Tertiär nahezu unveränderten Tierart das Überleben zu ermöglichen.
Mancherorts werden sie von wohlmeinenden Helfern wie eben die genannten Herbstfrüchte eingesammelt und weil vermeintlich untergewichtig in kleinen Kästchen mit Laub im Keller verstaut. Man stellt ihnen evtl. noch Wasser und Katzenfutter hin u. meint damit der große Tierschützer zu sein.
So werden viele Igel in guter Absicht ohne jegliche Sachkenntnis zu Tode gepflegt und es gibt eine erhebliche Dunkelziffer.
Andererseits werden im Sommer verletzte oder kranke Igel nicht beachtet bzw. einfach hilflos liegen gelassen und müssen geradezu erbärmlich verrecken. (Sorry, ich betreibe seit 25 Jahren eine Igelstation und Aufklärungsarbeit und noch heute sträuben sich mir die Stacheln, wenn ich manche Leute reden höre) Viele meinen sogar, besonders nach der Lektüre vieler unrichtiger, verkürzter, veralteter oder falsch wiedergegebener Infos aus den Medien große „Igelschützer“ zu sein.
Also: Ein gesunder Igel ist ein gesetzlich geschütztes Wildtier, das nicht in Menschenhand gehört
Welcher Igel ist wahrscheinlich gesund?
1. der Igel ist dämmerungs- und nachtaktiv
2. seine Form ist rundlich, tropfenförmig
3. er hat halbkugelförmige schwarze Knopfaugen
4. seine Nase ist feucht
5. er rollt sich bei Annäherung zusammen und erst wenn die vermeintliche Gefahr vorbei ist, wieder aus.
6 seine Stacheln stellt er kreuz und quer auf.
7. Wenn er meint, dass die Zeit reicht, spaziert er und schnell in Sicherheit.
8. der Kot gesunder Igel ist ein dunkles geformtes Würstchen
Welcher Igel ist krank bzw. hilfsbedürftig?
1. Kranke Igel sind tagaktiv, oft ohne jegliche Deckung liegend
2. Die Form kranker Igel ist walzenförmig
3. Sie haben oft eine auffällige Nackenfalte
4. Die Augen liegen tief in den Höhlen und sind oft schlitzförmig
5. Die Nase ist oft trocken
6. Die Tiere sind häufig unterkühlt
7. Der Gang kranker Igel ist meist wackelig oder sie liegen und stehen nicht auf.
8. Kranke Igel rollen sich kaum ein, wirken zahm
9. Die Stacheln werden kaum aufgestellt
10. Der Kot kranker Igel ist weich, manchmal grünlich schleimig, auch blutig
Verletzte, hilflose und kranke Igel brauchen grundsätzlich Hilfe!
ACHTUNG
Wer ein krankes Tier anfasst, muss sorgfältig auf die Hygiene achten, denn manche Krankheiten, etwa Pilzinfektionen oder Salmonellen sind vom Igel auf Menschen übertragbar!
Hilfsbedürftig sind fast immer auch Igel, die nach Frosteinbruch noch draußen gefunden werden.
Dies kann krankheitsbedingt sein.
Einem kranken Igel kann man nicht allein mit Futterangebot und Unterkunft helfen!
Eine tierärztliche Behandlung oder die Versorgung in einer Igelstation ist immer erforderlich, wenn die Pflege gelingen soll.
Besondere Kenntnisse sind erforderlich, wenn verwaiste Igelbabys gefunden werden
Erste Hilfe für einen Igelpflegling:
Unterkühlte Tiere auf eine handwarme Wärmflasche legen
Lauwarmen Fencheltee mit der Pipette vorsichtig tropfenweise eingeben
Sachkundigen Rat einholen. Nicht jeder Igel braucht Hilfe, aber jede Hilfe muss richtig sein!
Umfassende Informationen und Merkblätter findet man im Internet unter
<http://www.pro-igel.de/>
Noch ein Wort zum Schluss, weil es gerade jetzt wieder besonders wichtig erscheint
Viele Igelfinder fragen als Erstes: Wo kann ich den Igel abgeben? Manche treten sogar fordernd auf.
Igelstationen sind Privatinitiativen engagierter Tierfreunde!
Das heißt, wir sind Privatleute wie die Finder.
Manche Igelfinder scheuen den Gang zum Tierarzt, weil er sich seine Arbeit bezahlen lässt.
In der Regel machen Igelstationen ihre Arbeit unentgeltlich, und tragen die Kosten selbst. Gerade im Herbst werden wir ständig gefordert, Tag und Nacht ans Telefon gerufen. Die Igel brauchen Futter und oft auch Medikamente vom Tierarzt, der Abfall muss entsorgt werden, wir kaufen Info-Material für die Finder, das wir meist kostenlos weitergeben, die Telefonkosten steigen oft in astronomische Höhen... Ich könnte noch sehr viel nennen, vom Zeitaufwand für die Igelpflege ganz zu schweigen!
WER EIN TIER FINDET SICH SEINER ERBARMT, ÜBERNIMMT VERANTWORTUNG !
Richtig - wir bieten ja unsere Hilfe an, Helfen bedeutet aber nicht, die Probleme aller Igelfinder zu lösen und alle Tiere aufzunehmen
Wir haben alle nur eine begrenzte Raumkapazität zur Verfügung und ein begrenztes Budget
Wenn wir nicht auch mal „N E I N, so nicht!“, sagen, können wir keine effektive Igelhilfe leisten!
Immer wieder erlebe ich, dass es Leuten völlig egal ist, was weiter aus dem Igel wird, nur abgegeben soll er werden, manchmal mit den tollsten Ausreden. Hinter fast allen von uns stehen keine großen Finanziers . Wir arbeiten ehrenamtlich und haben auch noch ein Privatleben! Wir müssen nicht Tag und Nacht erreichbar sein!
Wir beraten und helfen gern, aber wir können nicht alle Igel aufnehmen oder retten.
Wir brauchen die Hilfe der Finder und ihre Bereitschaft, ihn wieder zu übernehmen, wenn der Igel gesund ist und nur noch gefüttert und seine Unterkunft gesäubert werden muss. Nur dann können wir neue Kapazitäten für die schlimmen Fälle schaffen. Was wir in den Stationen machen, ist „Reparaturarbeit“ - wir helfen dem einzelnen leidenden Tier.
Damit retten wir die Art natürlich nicht !
Tier- und Artenschutz beginnt bei jedem Einzelnen von uns,
1. indem wir verantwortungsbewusst im Straßenverkehr sind
2. weitestgehend auf Gifteinsatz im Garten verzichten
3. Gefahrenquellen in unserem Lebensraum, den der Igel zwangsläufig als Kulturfolger mit uns teilt, beseitigen, z. B. Teiche mit Ausstiegshilfen versehen, auf Gartenfeuer verzichten, Gruben und Schächte abdecken, auf Netze bis zum Boden verzichten, in denen sich die Tiere verheddern können vorsichtig mit dem Einsatz von Gartengeräten, z.B. Rasentrimmern. Laubsaugern sind, bes. unter Sträuchern
4. keine Lebensmittel draußen einfach wegwerfen, sie könnten zu einer Infektionsquelle werden
5. in dem wir Wildpflanzen in den Gärten zulassen, sie bieten der heimischen Insektenwelt Lebensraum und Kinderstube. Igel als Insektenfresser finden dann ausreichend Nahrungstiere.
6. Indem wir Unterschlüpfe bieten und Laub u. Strauchschnitt als Nistmaterial belassen
Die Stachelritter möchten leben und wir möchten sie doch noch lange als heimliche nächtliche Kobolde in unserer Nähe beobachten können? Sie verdienen unseren besonderen Schutz und Beachtung !
Karin Oehl, Pulheim
 
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