Hallo,
ich bin heute das erste Mal bei KatzenForum. Leider ist der Anlass ein eher trauriger, aber ich muss mir meinen Schmerz irgendwie von der Seele schreiben.
Ich musste mich heute schweren Herzen nach 13Jahren "Ehe" meine heißgeliebte Tapsi einschläfern lassen. Es ging plötzlich alles so schnell und in meinen Kopf kreisen die Gedanken, ab wann und wo ich vielleicht doch irgendwelche Anzeichen verpasst habe.
Tapsi war immer eine sehr aufgeweckte, eigensinnige aber sehr liebevolle Katze. Sie hat mich durch viele Stationen meines Lebens begleitet und hat trotz vielleicht für sie widrigen Umstände (Umzüge, Nachwuchs, neue Ehe) immer zu mir gehalten und mir loyal zur Seite gestanden und ja, hört sich vielleicht für manch einen dumm an, aber in meiner schlimmsten Lebenskrise mich von so mancher Dummheit abgehalten. Die letzten zwei drei Jahre wurde sie dann ruhiger. Auch was ihre Streifzüge betraf. Die Winter wurden lieber auf der Heizung verbracht als draußen. Sie hielt immer regelrechten Winterschlaf. Wenn das Wetter so anfing wie der gestrige Tag, war sie kaum mehr drin zu halten. Dennoch wusste sie immer wo ihr zuhause war und kam abends auf die Decke (ich liege gern mit Decke auf der Couch) gekuschelt um sich zu erholen. Was mir auch auffiel war, dass sie nicht mehr ganz so hoch und wild umhersprang, drinnen wie draußen, wie in jungen Jahren. Nunja, sie wurde nun langsam zur "Seniorin". Trotzdem habe ich immer geglaubt, da sie sehr zäh und robust war, sie würde steinalt und ich sie eines morgens friedlich eingeschlafen auf der Couch vorfinden würde. Sie war zwar alt, aber doch nicht so alt.

Ich bin von mindestens noch 2-3Jahren ausgegangen.
Letztes Jahr im Sommer hatte sie sich irgendwie den Magen verdorben. Die Symptome waren ähnlich denen wie jetzt zuletzt. Ich war zweimal beim
Tierarzt. Sie hatte was gegen die Übelkeit und erbrechen bekommen. Nach ca. einer Woche war sie wieder fit. Da sie ja eine Freigängerin war, fraß sie öfter Gras und erbrach auch schon mal nur das Gras. Was mich bisher nicht so besorgte.
Das letzte dreiviertel Jahr hatte sie schon mal öfter "Sprungschwierigkeiten", was ich aber auch auf das zunehmende Alter....dachte zutraf...mir fällt nicht das richtige Wort hierzu ein. Ich fühle mich irgendwie ausgebrannt. Nunja, letzte Woche habe ich beobachten können, das sie manchmal regelrecht aufs Sofa "krabbelt". Zuerst dachte ich, dass sie nur gerade irgendwo aus nem schönen Eckchen kommt und noch nicht richtig ihre Knochen sortiert hat. Am WE (natürlich) wurde es aber immer merkwürdiger und ich beschloss direkt am Mo. Nachmittag (morgens musste ich ja arbeiten) zum
Tierarzt zu fahren. Als sie seit Sa. Nachmittag nix mehr gefressen hatte und mir aufgefallen ist, das sie ein wenig an Muskelmasse abgebaut hat, bin ich direkt Montagmorgen zum
Tierarzt. Dann auch noch einen hier um die Ecke, da ich dachte, dass dies stressfreier für Tapsi sei. Die Tierklinik wo ich sonst immer hingefahren bin, ist einen Ort weiter und Tapsi hasste das Autofahren. Ich wollte ihr nicht noch zusätzlichen Stress antuen. Die TÄ war etwas nüchtern, aber trotzdem nett. Tapsi bekam Antibiotika+Cortison zur Appetitanregung und Blut abgenommen. Die Ergebnisse konnte ich dann MI erfahren. Ich befürchtete die Nieren. Aber diese Werte und auch die Leberwerte waren in Ordnung, jedoch war der Entzündungswert erhöht. Also nochmal hin. Da sie immer noch nicht fraß, mittlerweile hatte sie weitere 200g abgenommen, nochmals spezielleres Antibiotika gespritzt und abgetastet mit weiteren Termin für Freitag, da wir dann auch nochmal den Impfpass durchschauen wollten, ob sie gegen
Leukose geimpft war. Sie war gegen
Leukose geimpft und beim abtasten ist nichts gefunden worden. Weder die eine noch die andere Antibiotikaspritze haben was bewirkt. Es stagnierte und sie fraß jetzt schon seit 5 Tagen nichts. Ein bißchen trinken, aber das kam meistens mit gelben Schaum wieder raus. Und wenn ich ihr Fressen, Leckerli vor die Nase hielt, fing sie das würgen an. Die Ereignisse überschlugen sich. Sie wurde zwar zunehmend dünner und müder, dann aber hatte sie zwischendurch wieder Hochs gehabt, das ich dachte jetzt gehts bergauf. Ein Wechselbad der Gefühle. Am Freitag waren wir letztendlich wieder da, wo wir am Montag angefangen haben. Die TÄ hatte dann nochmal die Entzündungswerte geprüft und die waren trotz Antibiotika utopisch angestiegen. Sie befürchtete schlimmeres. Vielleicht sogar Katzen-aids. Sie meinte natürlich könnten wir daraufhin und weiter suchen. Aber in Anbetracht des allgemeinen Zustand von Tapsi würde sie mir zu einer Erlösung raten. Ich hatte mich schon die ganze Woche damit gequält. Nix hatte angeschlagen, der Wert wurde immer höher, sie wurde immer dünner, eine OP wollte und konnte ich ihr einfach nicht zumuten und selbst wenn wir herausgefunden hätten, dass sie Katzen-aids hätte und sagen wir mal sie hätte die Infektion überstanden, ich hätte sie niemals einsperren können. Ich habe sie nochmal mitgenommen und in Absprache mit der TÄ den SA Morgen um neun festgelegt, falls es schlimmer geworden wäre auch mit Notruf. Da das Wetter so schön war gestern, habe ich sie ein bißchen im Garten schnuppern lassen. Da sie schon fast eine Woche nicht mehr draußen war, wirkte sie erstmal sehr seelig. Schnupperte eine Weile, schärfte ihre Krallen, fing an sich zu putzen. Anschließend suchte sie sich aber ein ruhiges Plätzchen wo sie geschützt ein wenig in der Sonne dösen konnte. Ich saß die ganze Zeit dabei. Und wir haben wie früher zusammen den Sonnentag genossen. Ich war die ganze Zeit am heulen. Abends hat sie sich dann neben mich auf dem Sofa gelegt, sie wusste manchmal nicht wie sie sich legen sollte. Ich nehme an ihr tat schon alles weh. Sie schnurrte auch nicht mehr soviel. Lies sich gedulgig von mir streicheln, atmete manchmal so schwach, dass ich dachte: oh gott jetzt ist es schon passiert. Die Nacht habe ich sie nochmal mit in mein Bett plaziert. Irgendwann in der Nacht hat sie sich aber wieder den Heizungsplatz ausgesucht. Heute morgen lief sie maunzend durch die Wohnung. Ihr Jagdtrieb bzw. nach draußen wollen war bis zum Schluss mit letzter Kraft ausgeprägt. Aber sie hat mich auch wieder angeschnurrt. Ich habe die halbe Nacht gar nicht oder schlecht geschlafen. Ich bin vor dem Wecker aufgestanden und habe noch zusammen mit ihr vom ihrem Fensterguckplatz die morgendliche Ruhe genossen. Soweit man hier von genießen reden kann. Anschließend hat sie sich wieder zum Heizungplatz geschleppt und ist wieder in ihre Aphatie gefallen. Ich duschen, Kaffee und anschließend alles zusammengepackt. Den Katzenkorb hat sie nach wie vor gehasst, aber die Gegenwehr war schon sehr schwach. Ich hatte schon Angst ich würde ihr bei dem dünnen Körper noch was brechen und sie nur noch wie ein rohes Ei angepackt. Beim
Tierarzt war es dann ganz ruhig. Gott sei dank. Ausserhalb der Sprechzeiten. Sie saß nur noch wie ein Häufchen Elend im Kasten. Die TÄ hat sie behutsam herausgenommen, nochmal kurz angeguckt, mich nach den letzten Stunden gefragt. Dann hat sie den Vorderarm fertig gemacht und die Kanüle für die Vene gesetzt. Tapsi hat es einfach über sich ergehen lassen. Und dann die Narkose inkl. Tötungsmittel gespritzt. Sie wurde ganz ruhig und ich konnte sehen wie sich ihr Körper ganz langsam entpannte

mein Herz ist in dem Moment zeitgleich zerrissen und gelöst. Wir haben sie eingerollt in eine Decke gepackt. Ich habe sie mir nachher nochmal angeschaut. Sie lag so friedlich schlafend, wie als wäre sie noch am leben. Danach kam mir alles nur noch wie in Watte gepackt vor. Ich konnte auf einmal gar nicht mehr heulen, da ich schon den ganzen Tag zuvor geheult hatte. Dementsprechend sehen meine Augen auch aus. Ich habe sie am Nachmittag im Garten meiner Schwiegereltern begraben, da wir selber keinen eigenen haben und ich konnte sie nicht beim Arzt lassen. Ganz entgegen meiner Erwartungen waren meine Schwiegeltern ganz souverän und haben alles schon vorbereitet. Ihren Hund hatten sie dort auch vor drei Jahren begraben. Nun liegt Tapsi auch nicht alleine. Danach ging es besser. Trotzdem sie fehlt und ich hätte nie gedacht, dass es so schlimm ist sein Tierchen zu verlieren. Sie war zwar nicht immer präsent, aber irgendwie immer da. Meine Gedanken fahren Achterbahn. Es ging alles so schnell. Innerhalb einer Woche. Zack. Weg. Wo war der Punkt? Hab ich was übersehen? Hätte ich früher zum
Tierarzt und sie dann noch retten können? Hab ich sie wirklich nur erlöst? Weiß sie dass? Die TÄ meinte Katzen seien sehr zäh und könnten Krankheiten lange verbergen bevor es überhaupt sichtbar wird. Warum ist mir nicht früher aufgefallen, dass sie abgenommen hat? Trotz das der Familienalltag hier manchmal stressig war, haben wir Abends, morgens und zwischendurch immer geschmust, ja und sie war sogar manchmal noch richtig verspielt. Und dann wie als wenn eine andere Katze nach Hause gekommen wäre.
Ich fühle mich so leer und ausgebrannt und weiß gar nicht, ob mein "Roman" hier nicht zuviel ist, aber das Schreiben hat mir ein wenig geholfen. Ich habe Tapsi eben auch einen Abschiedsbrief geschrieben und hoffe einfach, dass sie weiß wie sehr ich sie geliebt habe und weiterhin tue. Das mag sich für manch einen dumm anhören, aber wie schon am Anfang beschrieben, sie war mir all die Jahre eine treue, loyale und ehrliche Freundin und in den schwersten Stunden meines Lebens an meiner Seite. Ein Teil von mir ist mit ihr gegangen. Ich hätte sie gerne noch ein paar Jährchen gehabt, aber zum Schluss hatte ich das Gefühl, als wenn sie meinte ich komme nun auch ohne sie zurecht. Ist das so? Hat sie mich für eine Weile meines Lebens begleitet, unterstützt und vielleicht beschützt? Und jetzt wo alles andere im Lot ist, sich gedacht: So nun geh deinen Weg ohne mich weiter!?
Liebste Tapsi, du wirst immer in meinem Herzen sein.
An alle anderen, die heute ebenfalls ihr Seelentierchen verloren haben, ich denke und fühle mit Euch.
Liebe Grüße Tapsi13