Hallo liebe Katzengemeinde,
bevor ich gescholten werde - ich weiß, dass Katzen in Wohnungshaltung zu zweit gehalten werden sollen! Deshalb hole ich vielleicht etwas weiter aus: Ich bin mit Katzen aufgewachsen, in der Kindheit mit Freigängern, in der Jugend mit einer Wohnungskatze in unserer Familie. Susi war schon 7 als sie aus dem Tierheim zu uns kam - ein störrisches Biest, das vom verstorbenen Herrchen ins Tierheim kam und sich dort scheinbar zu Tode hungern oder wenigstens Mitarbeiter ermorden wollte. Nachdem wir kurz vor ihrem Exitus herausgefunden haben, dass sie Schinken von genau einer Marke sowie norwegischen Ziegenkäse und sonst nichts isst, ließ sie sich nach sage und schreibe einem Jahr anfassen, gegen Ende wurde sie sogar zum Schoßkätzchen und schlief im Bett - leider war sie seit jeher chronisch erkältet und so musste sie im November letzten Jahres mit 11 Jahren eingeschläfert werden
Soweit, so gut: Ich also mit meinem Freund quasi auf ihren Todestag genau zusammengezogen, Studentenbude - dass Katzenhaltung nicht erlaubt war, war mir klar, aber ich dachte ja, ich könnte meine Susi weiterhin bei meiner Familie besuchen, als ich den Vertrag unterschrieben habe. Nach einer Zeit musste ich feststellen, dass ich meinen Fellknäuel unglaublich vermisste und nach reiflicher Überlegung entschied ich mich trotz der wenigen 2 Monate, die nunmehr vergangen waren, einer neuen Katze die Dose öffnen zu wollen. Nun wusste ich jedoch aus vergangenen Gesprächen, dass meine Vermieter (älteres Ehepaar) ganz entschieden gegen Katzen sind - deshalb im Januar das vielleicht schönste Geburtstagsgeschenk von meinem Freund: er hatte sich getraut, bei ihnen anzurufen und sie wegen einer Katze einzuladen um darüber zu sprechen. :-D
Nachdem meine verstorbene Katze ein sehr artgenossenhassendes Exemplar war und sie in Mehrkatzenhaltung aus anderen wahrscheinlich Schinken gemacht hätte, konnte ich mich gut damit anfreunden, in Zukunft mal wieder 2 tollende und tobende Tiger zu haben - die Ernüchterung: die Vermieter erlauben auf den Tod nur eine Katze und waren und sind diesbezüglich unendlich stur. Ich also hängenden Kopfes durch die Tierheime dieser Region gestolpert auf der Suche nach einer Katze, die ausdrücklich allein gehalten werden wollte und meinem Studentengeldbeutel zuliebe an keiner chronischen Krankheit litt. Und dann saß sie da im Käfig: diese wunderschöne Maine Coone, die mir der Praktikant empfohlen hat. Ich über beide Ohren verliebt, bis die Tierheimleiterin kam und sagte, dass das so nicht stimme und sie auf keinen Fall in Einzelhaltung dürfe, ich solle mir stattdessen doch mal die Debbie daneben anschauen. Und tatsächlich: im gleichen Käfig saß ein verschüchtertes Kätzchen, ungefähr ein Drittel der Maine Coone. Liebe auf den ersten Blick. 4 Jahre, gesund, Einzelkatze für Wohnungshaltung. Seit dem 29. Februar nun wohnt sie hier und mein Freund und ich sind überglücklich mit ihr.
Nach dem ganzen obrigen Gebabbel nun aber zum Wichtigen: die Katze ist nie den ganzen Tag allein, mein Freund und ich haben stark unterschiedliche Stundenpläne und unter der Woche ist sie vielleicht höchstens mal 4 Stunden alleine. Nun ist sie aber eine sehr redselige, verschmuste und anhängliche Katze und jedes Mal, wenn ich die Tür schließe und die Katze alleine lasse, blutet mein Herz. Bei meiner verstorbenen Katze ging es mir nie so - irgendwas sagte mir im Unterbewusstsein, das alles gut so war, wie es war. Bloß ist es so: meine alte Katze hat nie markiert, Tapete gekratzt oder hat sonstwie zum Ausdruck gebracht, dass es ihr schlecht ginge und sie gelangweilt/unterfordert ist - ebensowenig tut es aber meine Aktuelle! Ich werd nur einfach das Gefühl nicht los, dass man die Katze im Tierheim (sie hatten sie ja 11 Monate lang) einfach ums Verrecken loswerden wollte und mich ein klein wenig bescheißert hat bei der Aussage, sie sei eine Einzelkatze. Ich kann es nicht ganz genau beschreiben, was mich vermuten lässt, dass sie sich nach Gesellschaft sehnt - aber wenn ich einen Tag mit ihr verbringe, fängt sie zum Beispiel nach ausgiebigem Spiel und Schmusen an, ein wenig rastlos durch die Wohnung zu streifen, so als habe sie nun genug vom Menschen und suche nach einem Artgenossen. Ich kann es wirklich nicht genau beschreiben, meinem Freund geht es genauso: irgendwie braucht sie vielleicht eine zweite Katze?
Es ist halt so, wir haben eine bezahlbare und wirklich tolle Wohnung im Gebiet Frankfurt (und als Student hier zu wohnen ist echt nicht billig), die ich eigentlich genausowenig loswerden will wie meine Katze. Mit meinen Vermietern haben wir einen guten Kontakt, aber eine zweite Katze? Die erste haben sie mit Zähneknirschen zugelassen und nachdem sie die Wohnung von unseren Vormietern geräumt haben und einige Katzenleichen bergen mussten, kann ich ihre Angst vor einer "Katzenepidemie" auch wirklich gut nachvollziehen.
Jetzt frage ich mich: ist die Zweitkatze wirklich notwendig? Sollte ich es meiner Katze zuliebe wagen, diese "in die Wohnung zu schmuggeln"? Wie sieht es rechtlich aus - werden wir direkt aus der Bude geschmissen, wenn die Zweite ans Licht kommt (was unwahrscheinlich ist)?
Ich bin ein klein wenig verzweifelt und hoffe, dass ihr mir diesen ewig langen Text verzeiht und ihn sich jemand durchliest...
Liebe Grüße von mir und dem schnurrenden Tier auf meinem Schoße (unwissend, dass die Tastatur wegen ihm klimpert

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