Ich habe seit einigen Monaten einen fünfjährigen Kater aus dem Tierheim.
Er war anfangs sehr ängstlich gegenüber der Hand, weil er schlechte Erfahrungen gemacht hat.
Mittlerweile hab ich ihn zu nem richtigen kleinen Schmuser hinbekommen und bin superfroh darüber, dass er sich so toll entwickelt hat und sich augenscheinlich sehr wohl zu fühlen scheint.
Ich lebe hier auf dem Dorf in einer Dreizimmer Wohnung und er hat Freigang.
Anfangs hat mir das Tierheim davon abgeraten, weil er durch seine Sensibilität leicht vom Freigang überfordert gewesen wäre. Allerdings war er in der Wohnung sehr unruhig und hat irgendwann auch begonnen, Protestaktionen durchzuführen (Kratzen an den Wänden und so weiter) und ständig zur Terassentür hinauszumiauen.
Nach acht Wochen hab ich ihn dann (auch auf Anraten des Tierarztes) an den Freigang gewöhnt und es klappt super

. Ich habe seitdem einen völlig anderen Kater und er wirkt sehr ausgeglichen. Von Überforderung keine Spur. Jetzt im Sommer ist er mehr draußen als drinnen und kommt nur zum fressen und schlafen nach hause. Morgens mag er auch immer sofort nach draußen und er scheint glücklich mit meiner Entscheidung zu sein,ihm doch Freigang gewährt zu haben.
Ich wollte eigentlich von Anfang an einen Spielkameraden für ihn haben.
Allerdings hat ihn mir das Tierheim als absoluten Einzel - und auch (fälschlicherweise) als Wohnungskatze vermittelt (da er Findel war, wusste man das aber nicht genau und wie gesagt, er liebt und braucht seinen Freigang hier bei mir sehr).
Einzelkatze deswegen, weil er sich von den anderen Katzen im Tierheim immer sehr stark dominieren hat lassen und sogar auf Quarantäne musste, weil er so große Angst hatte vor den anderen Katzen.
Er wurde dort wohl sehr stark gemobbt von den Mitmietzen laut Aussagen der Betreuer. Und erst in der Quarantäne ging es ihm dann merklich besser und er ist aufgeblüht.
Er kam wohl mit anderen Katzen klar, hat aber deutlich gezeigt, dass er eben doch lieber allein sein mag.
Ich habe mit den Betreuern aus dem Tierheim mehrmals gesprochen, aber jedesmal hat man mir gesagt, er würde mit einer zweiten Katze sofort untergehen und sich zurück ziehen.
Hier bei mir gibt es in der Umgebung sehr viele andere Katzen, die auch Freigang haben.
Und ich habe bisher noch nie bemerkt, dass er ängstlich gegenüber anderen Katzen ist.
Im Gegenteil: draußen sucht er sogar die Nähe der anderen Katzen, habe ich das Gefühl.
Meistens (so hab ich das jetzt beobachtet, aber ich kann mich auch täuschen) sind diese Katzen aber immer erst abends vermehrt unterwegs.
Ich habe ihn jetzt schon öfter gesehen, wie er mit der Nachbarskatze in der Dämmerung spielt (jagen, schnuppern und irgendwann verkrümeln sie sich zu zweit) oder mit wieder einer andern einträchtig aneinander gekuschelt unter einem Auto sitzt.
Letztens durfte ich Zeuge werden, wie er mit dem Nachbarskater eineinhalb Stunden nur im Doppelpack erhältlich war. Er lief ihm hinterher wie ein Schatten (wobei das natürlich auch Unsicherheit gewesen sein könnte so nach dem Motto: Was tust du hier? Das ist mein Revier!) und sie haben sich recht gut miteinander verstanden ohne Keilereien und war echt nett mitanzusehen

)).
Klar gibt es ab und an Gefauche mit der einen oder anderen Katze und er hat auch schon die eine oder andere verjagt, aber ich denke, auch das ist normal.
Jedenfalls kommt er mir nicht übermäßig ängstlich vor wie beschrieben.
Jetzt zur Situation:
Ich bin den ganzen Tag berufstätig und nicht da. Er kann zwar den ganzen Tag währendessen kommen und gehen, wie er möchte und tun und lassen, was er mag (ob drinnen ein Schläfchen machen oder draußen rumstromern kann er entscheiden

), aber trotz allem ist er eben allein und hat keine Ansprache

.
Ich schaue dann natürlich immer, dass ich jeden Abend nach der Arbeit zuhause verbringe (auch wenn er oft bei dem schönen Wetter dann mehr draußen als drinnen bei mir ist

), aber ich hätte ein schlechtes Gewissen, wenn ich dann abends nochmal weitere Aktivitäten ausübe und wieder nicht da bin. Das lässt sich natürlich nicht immer einhalten, denn oft hat man diverse Verpflichtungen auch nach der Arbeit. Und dann ist er noch länger allein

.
Dann kommt irgendwann die kältere Jahreszeit und ich bin sicher, dass er bei Minusgraden nicht die ganze Zeit draußen herumturnen wird, sondern sicherlich viel mehr zuhause sein wird. Allein.
Ich habe nicht das Gefühl, dass ihn das wirklich stört, aber ich kann ja unmöglich in ihn hineinsehen.
Der Gedanke an eine zweite Katze verfolgt mich nun schon seit Monaten. Er kreist und kreist und kreist in meinem Kopf und ich kann mich momentan einfach nicht zu einem Entschluss durchringen.
Ja oder nein?
Was wäre für meinen Kleinen nur das beste, frag ich mich eben immer wieder.
Ich möchte einfach nur, dass es ihm gut geht. Er hat so ein schweres Schicksal gehabt und nun soll er einfach nur noch sein Leben genießen dürfen und ohne Einschränkungen glücklich sein.
Ich möchte eben auf keinen Fall, dass ich ihm genau die Situation biete durch eine zweite Katze, vor der er im Tierheim solche Angst gehabt hat und die ihn gestresst hat.
Sicherlich wird es seinen Grund gehabt haben, dass man mir so deutlich davon abgeraten hat.
Vielleicht sollte ich einfach darauf hören?
Allerdings hat man mir auch deutlich vom Freigang abgeraten und ich bin so froh, dass ich mich über diese Empfehlung zu seinen Gunsten hinweggesetzt habe. Es hat sich wirklich ausgezahlt bei ihm.
Er braucht das wirklich und ist viel ausgeglichener geworden.
Jegliche Protestaktionen hat er sofort eingestellt, als er begonnen hat, nach draußen zum stromern zu gehen.
Ich habe jetzt auch schon oft gelesen, dass es bei einem Freigänger nicht nötig ist, eine zweite Katze dazuzusetzen. Aber das schlechte Gewissen plagt mich eben trotzdem, weil ich finde, dass er viel allein ist den Tag über. Und eben nach hause kommt, ohne dass dann jemand da ist

.
Wie gesagt, ich denke ständig darüber nach und jedesmal wenn ich dann sage:
Na gut, ich versuche es, schleicht sich gleichzeitig der Gedanke mit dazu: Was, wenn du einen großen Fehler machst?
Ich hätte wie gesagt,einfach Angst, dass ich ihn stresse und er dann im schlimmsten Fall tatsächlich den Rückzug antritt und sogar (worst case...) seine sieben Sachen packt? :/
Mag doch nur, dass er es gut hat.
Wenn, dann hab ich mir überlegt, müsste es ein kastrierter Kater sein im selben Alter, lieb und sozial verträglich, der in keinster Weise dominant ist. Und eben auch kein Kater aus dem Tierheim, sondern von einer Pflegestelle. Denn im Falle eines Scheiterns das andere Tier wieder ins Tierheim zurückbringen: Sorry, das könnte ich nicht.
Vielleicht hat ja jemand einen guten Ratschlag oder mag mir seine Meinung diesbezüglich schreiben.
Wäre wirklich froh darüber
Liebe Grüße
