Zwischen den Stühlen...

Diskutiere Zwischen den Stühlen... im Tierschutz Forum im Bereich Katzenfreunde; Als ich vor 1,5 Jahren aus beruflichen Gründen nach Frankfurt am Main zog, lernte ich eine Nachbarin kennen, die sich zu einer Freundin wurde...
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capassion

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Als ich vor 1,5 Jahren aus beruflichen Gründen nach Frankfurt am Main zog, lernte ich eine Nachbarin kennen, die sich zu einer Freundin wurde. Als ich zum ersten Mal ihre Wohnung betrat, lernte ich ihre wunderschöne, aber auch unglaublich dicke Katze kennen. Mit der Zeit stellte sich heraus, dass 2 Jahre zuvor der Vater dieser Nachbarin gestorben war, sie dies schwer verkraftete und seitdem sehr zugenommen hatte (ganz nach dem Motto „Wenn die Seele hungert, frisst der Körper“). Tja, und „irgendwie“ nahm die Katze mit zu. Außerdem hatte die Katze 2, 3 verfilzte Haarbüschel am Rücken, vermutlich weil sie sich aufgrund des Übergewichtes nicht mehr putzen konnte. So also die Situation im Mai 2011.
Nach langsamen Annähern, nach sanftem Zureden und irgendwann nachdrücklichem Nerven (was zunächst eskalierte und sich dann schließlich wieder beruhigte), schaffte ich es, dass sie im Oktober 2011 zum nahegelegenen Tierarzt ging, um sich mal ernährungstechnischen Rat zu holen und die immer größer werdenden verfilzten Stellen entfernen zu lassen. Die Nachbarin verfügt über wenig Eigenantrieb, ist ängstlich in Bezug auf ungewohnte Situationen und neigt sehr zu Verdrängung von unangenehmen Dingen. Dies zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben und wirkt sich auf alles aus.
Es war ein recht seltsamer Tierarzt-Besuch. Die Tierärztin war sehr schreckhaft, um nicht zu sagen ängstlich. Dazu muss man sagen, dass sie Katze nicht einen Hauch von Regeln kennengelernt hat. Das hat zum einen mit Inkonsequenz zu tun, zum anderen mit Missverständnissen hinsichtlich Körpersprache etc.
Die Katze war beim Tierarzt sehr dominant und aggressiv, so dass die Tierarzt eigentlich nur damit zu tun hatte, ein Stückchen Haar abzuschneiden und dann in Deckung zu gehen. Die Halterin war dabei völlig hilflos. Ich war dabei und konnte wenigstens noch ablenkend tätig und beim Festhalten behilflich sein. Die Tierarzt war, denke ich, einfach froh als die Katze wieder die Praxis verließ; nach dem Besuch entdeckten wir noch einige vergessene verfilzte Stellen. Also stand fest: Es sollte ein weiterer Tierarzt-Besuch stattfinden, bei einem anderen Tierarzt. Außerdem sollte von nun das Übergewichtsproblem angegangen werden.
Es passierte jedoch nichts.
Vor drei Wochen kam eine Tierheilpraktikerin zu mir, um nach einer meiner Katzen zu schauen. Auf jeden Fall schaffte ich es (wieder mit Biegen und Brechen) die Nachbarin dazu zu bringen, sich auch mal ihre Katze von ihr ansehen zu lassen.
Die Tierheilpraktikerin erklärte ihr die möglichen Folgen des Übergewichtes und gab ihr einige Tipps: Die Katze soll kontrolliert abnehmen, also maximal 100g in der Woche, kontrolliert mit täglichem Wiegen in einer Babywaage. Zunächst sollen alle Leckerlis weg gelassen werden und dann beobachtet werden, wie es läuft. Gleichzeitig solle gefordert werden, dass sich die Katze mehr bewegt auf eine gelenkschonende Art und Weise. Sie untermalte dies mit praktischen Tipps. Bezüglich des Fells: Mittlerweile ist der komplette Bereich vom mittleren Rücken bis zum Schwanz verfilzt bis auf die Haut, auf der eine entsprechende Spannung liegt. Auch unter dem Schwanz ist der ganze Bereich mit Kot verklebt. Bei dem Ausmaß in Kombination mit der aggressiven Dominanz der Katze kam die Tierheilpraktikerin nicht zu mehr als es sich anzuschauen.
Auch beim Tierarzt könne aufgrund des Verhaltens eine Entfernung bei diesem Ausmaß an verfilzten Stellen schwierig werden. Eine Narkose wäre beim dem Übergeweicht sehr risikoreich. Also gab sie der Halterin den Tipp, die Haare Stück für Stück abzuschaben. Die Katze lässt sich im Schlaf wohl durchaus mal kämmen, dies sollte die Nachbarin nun mit so einem Friseurutensil (Name ist mir im Moment nicht bekannt) ersetzen. Ihr wurde es ganz genau erklärt, auch mit Vorsichtsmaßnahmen etc.
Des Weiteren gab es noch einige verhaltenstherapeutische Tipps.
Die Halterin zeigte sich sehr einsichtig, bedankte sich mehrmals bei mir und bei der Tierheilpraktikerin und meinte noch, dass sie sich auf jeden Fall meldet und in Kontakt bleiben will. Ich kannte es bereits: Schöne Worte, denen keine Handlungen folgen.
Am nächsten Tag wollte die Nachbarin keine Babywaage besorgen, da sie sich nicht fühlte. Also besorgte ich ihr eine und bereitete ein Büchlein vor, in dem sie das tägliche Gewicht dokumentieren kann.
Eine Woche später war die Tierheilpraktikerin erneut bei uns.
Da ich wusste, dass sie fragen wird, wie es bei der Nachbarskatze läuft, fragte ich also bei dieser nach. Es kam eine Antwort per SMS, die in etwa so klang: „Ich bin heute Abend nicht Zuhause. Wenn sie fragt, sag einfach, sie hat von 7,1 auf 6,7 abgenommen.“ Als die Abspeckwoche begann, startet die Katze jedoch mit 6,7, so dass irgendwas nicht stimmen konnte. Schließlich gab sie zu, dass die Katze von 6,7 auf 6,66 abgenommen hat. Ist schon mal gut! Aber dieses „sag mal irgendwas damit ich gut da stehe“, bereitete mir schon Sorge, dass sie es wieder nicht ernst nimmt. Ich fragte nun, ob ich die Tierheilpraktikerin denn irgendwas frage solle, da sie ja selbst nicht da sei. Die Frage, die ich stellen sollte, war, „ob es denn nicht zu extrem wäre, wirklich alle Leckerlis wegzulassen“. Also die Katze hat 40g von möglichen 100g abgenommen und sie fragt schon wieder nach Lockerung. Erschien mir auch nicht besonders vertrauenserweckend.
Als die Tierheim dann bei uns war, besprach ich auch mit ihr noch mal die Situation. Sie sieht es ebenfalls ziemlich kritisch und meinte, die Fellsituation läuft eigentlich schon unter Verwahrlosung.
Im Laufe des Abends kam eine weitere SMS der Nachbarin mit folgendem Inhalt: „Ist es ok, wenn ich die Babywaage noch ein paar Tage behalte? Du kriegst sie dann in der nächsten Woche wieder.“ Ich erklärte ihr dann, dass sie die Waage benötigt bis die Katze die angepeilten 5 kg erreicht. Da kam es dann zur finanziellen Frage (Leihgebühr beträgt 1€ am Tag). Meine Antwort war, dass sie 2 Schachteln am Tag raucht und mehrmals die Woche ins Solarium geht und führte dies somit als mögliche Einsparquelle an. Sie verstand die Kritik und machte sofort dicht. Es gab ein Wortgefecht per SMS und seitdem ist der Kontakt weitestgehend eingeschlafen (2 Wochen sind vergangen).
Nun wäre es das einfachste, ein weiteres Gespräch zu suchen, noch mal zu erklären und zu besprechen. Jedoch weiß ich aus den vergangenen Monaten, dass die Frau Nachbarin, aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur nicht besonders zugänglich und intellektuell auch teilweise nicht in der Lage ist, zu verstehen.
Ich bin nun im Konflikt mit mir selbst, was zu tun ist. Ich versuche Katzen zu helfen, wo es geht, mache ehrenamtlich was für einen Katzenschutzverein und habe auch schon Katzen aus Situationen rausgeholt, in den sie ganz und gar nicht katzenwert lebten, beschäftige mich mit Ernährung, mit der Psyche etc., habe veranlasst, dass Freigänger kastriert werden etc. Gleichzeitig muss ich mir das, was nebenan passiert, mitanschauen. Bei jedem anderen hätte ich sicher schon in Erwägung gezogen, dass Veteränaramt einzuschalten.
Mir ist bewusst, dass es sich hier nicht um einen akuten und bei weitem nicht um so einen schlimmen Fall handelt, wie hier so viele geschildert sind. Dennoch und oder vielleicht gerade deswegen, poste ich das hier, um eine paar Denkansätze zu bekommen. Sehe ich es zu streng? Habe ich zu hohe Ansprüche? Sollte ich vielleicht froh sein, dass diese Katze ein Dach über den Kopf hat und einen Menschen der sich weitestgehend um sie kümmert? Mache ich mit weiteren Schritten vielleicht mehr kaputt als zu helfen?
Danke im Voraus für ein paar Impulse.
 
  • Zwischen den Stühlen... Beitrag #2
Oh, je, ich kann dich und den Zwiespalt echt super gut verstehen... ich würde es weiter versuchen, also, stetig bohren, nachfragen, vielleicht mal einen Ausdruck hier aus dem Forum oder dem Netz allgemein zeigen, an ihre Liebe zur Katze (und die eingeschränkte Lebenserwartung) appellieren und vielleicht sogar mal mit dem Amt drohen, genauso, wie du es geschildert hast - sagen, dass du sie ja gut verstehst und ihr auch unterstützend zur Seite stehen wirst, wenn sie etwas tut, dass du dich aber vorrangig der Katze verpflichtet fühlst und dass du, wenn du das Gefühl hast, dass sich nichts tut, handeln musst. Und vielleicht auch noch einmal betonen, dass du bei anderen schon längst gehandelt hättest, du aber natürlich ihre Situation ein bisschen nachvollziehen kannst etc.

Ich wünsche dir viel Durchhaltevermögen und ein dickes Fell!
 
  • Zwischen den Stühlen... Beitrag #3
Oh, je, ich kann dich und den Zwiespalt echt super gut verstehen... ich würde es weiter versuchen, also, stetig bohren, nachfragen, vielleicht mal einen Ausdruck hier aus dem Forum oder dem Netz allgemein zeigen, an ihre Liebe zur Katze (und die eingeschränkte Lebenserwartung) appellieren und vielleicht sogar mal mit dem Amt drohen, genauso, wie du es geschildert hast - sagen, dass du sie ja gut verstehst und ihr auch unterstützend zur Seite stehen wirst, wenn sie etwas tut, dass du dich aber vorrangig der Katze verpflichtet fühlst und dass du, wenn du das Gefühl hast, dass sich nichts tut, handeln musst. Und vielleicht auch noch einmal betonen, dass du bei anderen schon längst gehandelt hättest, du aber natürlich ihre Situation ein bisschen nachvollziehen kannst etc.

Ich wünsche dir viel Durchhaltevermögen und ein dickes Fell!

Heike, das halte ich für keine gute Idee. Wenn man zu viel und zu schnell und zu "aggressiv" wird, macht der Mensch dicht und nur über den kommst man an die Katze. :-|
Ich würde an der Stelle auch dicht machen. Wie Du vielleicht weißt, habe ich auch eine übergewichtige Katze. Sie wiegt 7,7 kg. Ich habe alles versucht. Das Weglassen von Leckerlis hat nichts gebracht, das Umstellen von Trockenfutter auf Nassfutter war nur mäßig erfolgreich. Sie nahm dann mal 300g ab, aber kurz darauf auch wieder zu. Sie ist bei allem ein Wirbelwind und nicht träge, tobt durch die Bude, Kratzbaum rauf und runter... Ich war bei verschiedenen Tierärzten. Keiner kann wirklich sagen, was los ist. :-( Ich habe mich dem erstmal gefügt. Ich ziehe Ende August um, sie könnte dann später raus, ich hoffe, dass sich dadurch einiges bessert. Aber ich persönlich leide schon selbst darunter, dass ich meiner Herzmiez nicht helfen kann, wenn mir dann noch jemand Vorwürfe macht und immer wieder mit Ratschlägen und gar Drohungen kommt... *kopfschüttel* Ich würde abblocken.
Vielleicht muss erstmal das Gespräch mit der Nachbarin selbst gesucht werden, nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen: Deiner Katze geht es schlecht, sondern... wie geht es DIR, was ist DEIN Problem... Wenn man den Weg zum Herzen gefunden hat, dann kann man vorsichtig fragen... Hilfe gezielt anbieten. Nicht: Du musst jetzt das machen, sondern, kann ich Dich dabei unterstützen, soll ich abends vorbeikommen... Versteht ihr wie ich meine?
Ich kann mich auch gut in die Nachbarin reinversetzen und wenn sie alleine schon Kummer hat, ihr noch zusätzlich Kummer zu bereiten... Mir ist klar, dass es ein akutes Problem ist, gerade, weil die Miez sicht nicht putzen kann, aber auch hier, vielleicht gibt es einen Weg, dass man gezielt AN der Katze hilft, der Nachbarin diese Hilfe anbietet, aber nicht nach dem Motto: Du bist zu blöd... sondern: Ich mache es wirklich gern. Vielleicht übernimmt sie diese "Tätigkeiten" dann früher oder später gerne selbst.
 
  • Zwischen den Stühlen... Beitrag #4
Aber das hat doch alles schon stattgefunden oder habe ich das falsch gedeutet?

Wenn sie sich offen zeigt und die Katze tatsächlich nicht abnimmt, obwohl sie sich an Futterpläne etc. hält (so wie bei dir), ist das doch auch völlig o.k., dafür muss man sich doch dann auch nicht verstecken (das kann man ja auch genauso kommunizieren). Dann hat sie es aber wenigstens versucht. Wenn sie aber nur 'vorgibt' etwas zu tun, dann fände ich das nicht gut und würde vermutlich ziemlich penetrant dran bleiben - aber so bin ich nun mal und bislang habe ich alle immer sooo lange und ausdauernd genervt, dass sie schließlich etwas gemacht haben und was soll ich sagen, die meisten danken mir diese Hartnäckigkeit schon im Nachhinein :wink:.

Sicher, da ging es um etwas andere Fälle und man kann nicht immer alles eins-zu-eins übernehmen, jede Situation erfordert ein anderes Vorgehen, keine Ahnung, vielleicht wäre das, was ich vorgeschlagen habe, an dieser Stelle tatsächlich völlig fehl am Platz.

Ich persönlich würde es aber nun mal genauso machen, wie ich es oben beschrieben habe, muss aber zugeben, dass ich in der konkreten Situation noch nicht war, daher mag mein Rat falsch sein.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Zwischen den Stühlen... Beitrag #5
Aber das hat doch alles schon stattgefunden oder habe ich das falsch gedeutet?

Wenn sie sich offen zeigt und die Katze tatsächlich nicht abnimmt, obwohl sie sich an Futterpläne etc. hält (so wie bei dir), ist das doch auch völlig o.k., dafür muss man sich doch dann auch nicht verstecken (das kann man ja auch genauso kommunizieren). Dann hat sie es aber wenigstens versucht. Wenn sie aber nur 'vorgibt' etwas zu tun, dann fände ich das nicht gut und würde vermutlich ziemlich penetrant dran bleiben - aber so bin ich nun mal und bislang habe ich alle immer sooo lange und ausdauernd genervt, dass sie schließlich etwas gemacht haben und was soll ich sagen, die meisten danken mir diese Hartnäckigkeit schon im Nachhinein :wink:.

Sicher, da ging es um etwas andere Fälle und man kann nicht immer alles eins-zu-eins übernehmen, jede Situation erfordert ein anderes Vorgehen, keine Ahnung, vielleicht wäre das, was ich vorgeschlagen habe, an dieser Stelle tatsächlich völlig fehl am Platz.

Ich persönlich würde es aber nun mal genauso machen, wie ich es oben beschrieben habe, muss aber zugeben, dass ich in der konkreten Situation noch nicht war, daher mag mein Rat falsch sein.

*drück*
Ne, ne, ne... Falsch und richtig gibt es hier nicht. ;-)
Jeder von uns hat seine Erfahrung gesammelt und hat seinen eigenen "Nervpunkt" sage ich mal. Also ich wäre schnell genervt, aber ich habs eben auch durch. Ich finde Deine Vorgehensweise absolut akzeptabel und auch das mag zum Erfolg führen. So wie ich den Post verstanden habe, hat sie ja schon geredet und geredet. Nur über diese Schiene hat sie vielleicht keinen Erfolg. Da könnte man ja mal was anderes probieren. Es wäre jetzt fatal, wenn der Kontakt dadurch ganz abreißt, dann ist beiden nicht geholfen, weil ich schon glaube - und da sind wir uns einig, denke ich - dass beide, also Miez und Mensch, ein Riesenproblem haben und dass die Dosine ihr Problem auf Miez überträgt.
Ich weiß nicht... ich sehe nur so, wie die TE es beschreibt, das Riesenproblem im Menschen. Sie selbst kann derzeit gar nicht die Verantwortung für sich selbst übernehmen, wie dann für das Miezl. Sie braucht eher "Anpackhilfe". Aber auch ich mag das durchaus falsch sehen und falsch liegen. ;-) Jeder liest ja so seine Dinge raus. Mit dabei waren wir ja nicht. ;-) Das wäre ja nochmal eine ganz andere Nummer.
 
  • Zwischen den Stühlen... Beitrag #6
*zurückdrück* :a066:

Liebe capassion, viel Erfolg, wie auch immer du dich entschließt, vorzugehen, berichte uns mal weiter :wink:.
 
  • Zwischen den Stühlen... Beitrag #7
Heike, das halte ich für keine gute Idee. Wenn man zu viel und zu schnell und zu "aggressiv" wird, macht der Mensch dicht und nur über den kommst man an die Katze. :-|
Ich würde an der Stelle auch dicht machen. Wie Du vielleicht weißt, habe ich auch eine übergewichtige Katze. Sie wiegt 7,7 kg. Ich habe alles versucht. Das Weglassen von Leckerlis hat nichts gebracht, das Umstellen von Trockenfutter auf Nassfutter war nur mäßig erfolgreich. Sie nahm dann mal 300g ab, aber kurz darauf auch wieder zu. Sie ist bei allem ein Wirbelwind und nicht träge, tobt durch die Bude, Kratzbaum rauf und runter... Ich war bei verschiedenen Tierärzten. Keiner kann wirklich sagen, was los ist. :-( Ich habe mich dem erstmal gefügt. Ich ziehe Ende August um, sie könnte dann später raus, ich hoffe, dass sich dadurch einiges bessert. Aber ich persönlich leide schon selbst darunter, dass ich meiner Herzmiez nicht helfen kann, wenn mir dann noch jemand Vorwürfe macht und immer wieder mit Ratschlägen und gar Drohungen kommt... *kopfschüttel* Ich würde abblocken.
Vielleicht muss erstmal das Gespräch mit der Nachbarin selbst gesucht werden, nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen: Deiner Katze geht es schlecht, sondern... wie geht es DIR, was ist DEIN Problem... Wenn man den Weg zum Herzen gefunden hat, dann kann man vorsichtig fragen... Hilfe gezielt anbieten. Nicht: Du musst jetzt das machen, sondern, kann ich Dich dabei unterstützen, soll ich abends vorbeikommen... Versteht ihr wie ich meine?
Ich kann mich auch gut in die Nachbarin reinversetzen und wenn sie alleine schon Kummer hat, ihr noch zusätzlich Kummer zu bereiten... Mir ist klar, dass es ein akutes Problem ist, gerade, weil die Miez sicht nicht putzen kann, aber auch hier, vielleicht gibt es einen Weg, dass man gezielt AN der Katze hilft, der Nachbarin diese Hilfe anbietet, aber nicht nach dem Motto: Du bist zu blöd... sondern: Ich mache es wirklich gern. Vielleicht übernimmt sie diese "Tätigkeiten" dann früher oder später gerne selbst.


Hallo Raikou,
tut mir leid das mit deiner Katze, jedoch schön, dass es ihr trotzdem gut geht.
Im Falle der Nachbarin ist es eben nicht so, dass sie alles getan hat.
Folgendes hätte ich noch erwähnen sollen:
Wann immer ich bei ihr und war und sie für uns gekocht hat, fiel für die Katze immer reichlich ab. Manchmal saßen wir am Tisch beim Essen und die Katze saß einfach nur da, irgendwo im Zimmer. Und schon kam es wieder: „Och nee, ich kann das nicht sehen!“ Und schon hatte die Katze ein Stück Fleisch, ein Stück Pizza oder anderes vor der Nase. Die Katze hat teilweise nicht mal gebettelt, aber sie konnte eben nicht sehen, dass wir essen und die arme Katze nicht. Natürlich fiel beim Kochen selbst auch schon einiges für die Katze ab. Am Anfang sagte ich gar nichts und beobachtete erst mal, später versuchte ihr zu erklären, dass das Gewichtsproblem so natürlich nicht besser wird. Ihre Antwort war: „Ach, so ein kleines Stückchen!“ Aber 10 kleine Stückchen sind eben auch eine entsprechende Menge. Da sie damals noch sehr nahe am Wasser gebaut war, musste ich genau aufpassen, dass ich diesen Punkt halt nicht überschreite, versuchte es also ganz „sanft“. Erst viel später wurde es nachdrücklicher…
Wie bereits ganz am Anfang geschrieben, wurde es ja zu einer Freundschaft. Uns verbindet also mehr als eine Nachbarschaft oder die Katze. So habe ich natürlich auch geredet, unterstützt und geholfen, wo es ging. Ich habe nächtelang mit ihr geredet, war immer für sie da, habe mir ihr Dinge unternommen (und das war schon echt schwierig, sie da mal aus ihrem Schneckenhaus zu kriegen), sie finanziell unterstützt und ständig Dinge besorgt, die sie brauchte, wenn sie zu fertig war, um es selbst zu erledigen. So langsam ging es ihr immer besser. Nach ihrer Aussage wurde ich zu der Hauptbezugsperson. Den Weg zu ihrem Herzen hatte ich also schon gefunden, wie sie zu meinem. Die Situation heute ist so, dass sie das Gewichtsproblem weitestgehend in den Griff bekommen hat und das Selbstwertgefühl sich auch stabilisiert.
Während der ganzen Zeit habe ich natürlich auch bzgl. Der Katze mit ihr gesprochen und immer wieder erklärt und gewarnt, was passieren könnte. Das habe ich auch in ihrem eigenen Interesse gemacht, schließlich sagt sie, die Katze wäre ihr „ein und alles“. Und nun ja, ich kann nicht sagen, dass sie lügt… sie legt eben nur eine ausgeprägte Lethargie an den Tag, wenn es darum geht mal die schwierigen Dinge anzupacken. Ich habe also in den 1,5 Jahren immer mal wieder hochwertiges Futter zum Probieren besorgt, habe Katzenspielzeug für mehr Bewegung gekauft, habe Bücher über Katzen-Ernährung geschenkt, habe alles rund um den Tierarztbesuch organisiert usw. Auch den Versuch zu wagen, das Fell abzuschneiden habe ich mehrmals, auch zusammen mit meinem Freund, immer wieder angeboten. Da sie ein sehr ängstlicher Mensch ist, wollte sie es aber nicht machen lassen, „da was passieren könnte“. Schon bei dem Gedanken an den Versuch brach sie in Tränen aus. Sie wollte es nur vom Tierarzt machen lassen, ging aber nicht hin.
Im Mai 2012 war sie eine Woche im Urlaub, ich habe mich um die Katze gekümmert und mal versucht, das verfilzte Fell zu entfernen. Da war es einfach schon viel zu viel. Ich kam überhaupt nicht durch, zumal die Katze sich auch nicht länger anfassen lässt ohne zu kratzen und zu knurren.
Danach wurde ich dann entsprechend nachdrücklicher. Auch weil es ihr eben immer besser ging, und ich dachte, nun wäre auch mal die Katze an der Reihe.
Und das ist eben mein Problem, zwischen Freundschaft und Katze - zwischen den Stühlen eben.
Raikou, wenn du also selbst „dicht machen“ würdest (perfekt, so kann ich diese Frage stellen), wie könnte man dich dann anschließend erreichen? Wie ich SIE GRUNDSÄTZLICH erreiche, weiß ich. Das ist aber der Weg, bei dem das Thema „Katze“ gemieden wird (so wie sie eben alle schwierigen Themen meidet oder verdrängt), da ich das aber weder kann noch will, bin ich etwas ratlos. Wenn du dich in ihre Situation versetzen kannst, kannst du mir vielleicht einen Rat geben.
Wie gesagt, letztlich geht es nur darum, zu helfen.
 
  • Zwischen den Stühlen... Beitrag #8
Oha. Du hast wirklich schon alles versucht, Capassion. Hut ab!
Jetzt habe ich mir einen Moment alles durch den Kopf gehen lassen...
Die Frage nehme ich so gerne an. Nach diesem Post... MICH hättest Du schon erreicht, weil Du Dich um mich gekümmert hättest und ich erkannt hätte, dass Du mir nichts Böses willst... vereinfacht ausgedrückt.

Lethargie ist nie gut, gerade nicht, wenn es nur dann auftritt, wenn es um schwere Dinge geht. Da würde ich dann jetzt sehr gerne die Seiten wechseln und mich saurier anschließen. Sie muss wachgerüttelt werden. Vom Tisch und vor allem solch ungesundes Zeug für die Miez... DAS hätte es bei mir niemals gegeben. Meine Dicke mag sehr gerne Brot, wenn mein Sohn gegessen hatte, fiel immer einiges unter den Tisch... Krümel... unbeabsichtigt. Wir sind nachher schon dazu übergegangen, sofort alles zu saugen, gleich nach dem Essen, jedes Mal, weil sie der kleine Staubsauber war, der die Krümel inhalierte... :roll:

Genießt Deine Nachbarin, dass Du für sie da bist? Es ist echt schwierig. Vielleicht ist es wie bei Kindern oder auch unseren Tierchen. Deine Nachbarin genießt die Aufmerksamkeit und dass Du Dich kümmerst, auch um die Miez. Vielleicht hat sie Angst, wenn alles okay ist, kommst Du nicht mehr? Klingt jetzt irgendwie blöd, aber ich denke, Du verstehst mich schon. Ach Mensch, das ist auch eine Gradwanderung... Wo ist es noch die Krankheit und Verzweiflung und wo die Bequemlichkeit? Also bei soviel Unvernunft würde ich auch echt die Holzhammermethode anwenden. Sie verliert ihren einzigen Bezug wie sie selbst sagt, wenn sie so weitermacht. :-(
 
  • Zwischen den Stühlen... Beitrag #9
Oh, je, ich kann dich und den Zwiespalt echt super gut verstehen... ich würde es weiter versuchen, also, stetig bohren, nachfragen, vielleicht mal einen Ausdruck hier aus dem Forum oder dem Netz allgemein zeigen, an ihre Liebe zur Katze (und die eingeschränkte Lebenserwartung) appellieren und vielleicht sogar mal mit dem Amt drohen, genauso, wie du es geschildert hast - sagen, dass du sie ja gut verstehst und ihr auch unterstützend zur Seite stehen wirst, wenn sie etwas tut, dass du dich aber vorrangig der Katze verpflichtet fühlst und dass du, wenn du das Gefühl hast, dass sich nichts tut, handeln musst. Und vielleicht auch noch einmal betonen, dass du bei anderen schon längst gehandelt hättest, du aber natürlich ihre Situation ein bisschen nachvollziehen kannst etc.

Ich wünsche dir viel Durchhaltevermögen und ein dickes Fell!


Vielen Dank saurier :) , werde es irgendwie weiter versuchen... Durchhaltevermögen und ein dickes Fell werde ich dabei brauchen!
 
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