Guten Morgen Katzenfreunde und -kundige!
Nachdem ich mehrere Foren durchsucht habe und nicht wirklich Antworten auf unser aktuelles Problem erhalten habe, beschloß ich, mich hier anzumelden und meine Fragen konkret einzustellen, in der Hoffnung auf Antworten und Hilfe, vielleicht auf Beruhigung.
Die Situation der Vergangenheit
Karlo (8 Jahre) ist ein großer kastrierter Kater, der scheu ist, aber kuschelig. Als ich ihn damals aus dem Tierheim holte (er war ein Wildwurf), ließ er sich nicht anfassen, hatte viel Angst und es dauerte lange, bis er Vertrauen zu mir fasste. Heute geht er mir nicht von der Seite. Damals lebte ich alleine und hatte einen weiteren kastrierten Kater. Als dieser starb (Dezember 2009), ging ich ins Tierheim, um Karlo einen neuen Partner zu holen. Die Wahl fiel auf Mia, die zu diesem Zeitpunkt bereits ein Jahr alt war.
Nach den anfänglichen, üblichen Rangordnungsgerangeln haben sich die beiden schnell aneinander gewöhnt. Sehr selten liegen sie zusammen, aber "Küsschen" und gegenseitiges Lecken ist fast an der Tagesordnung.
Mia ist viel reger als Karlo, nach Gesprächen mit der Familie (ich bin zwischenzeitlich mit einem Mann und zwei Kindern in einem Haushalt zusammen, eine Anpassung der Katzen an die neue Situation hat problemlos stattgefunden und liegt schon fast zwei Jahre zurück) entschlossen wir uns dazu, eine dritte Katze in unsere Familie aufzunehmen.
Die Jetzt-Situation
Am 01.09.2012 las ich beim Futterhaus einen Notfall-Aushang - 12 Katzen (4 Katzen zwischen 1 und 2 Jahren, 4 Kitten mit ein wenig über 12 Wochen, 3 kleine Kitten, die noch von der Mutter gesäugt wurden) suchten bis zum 04.09.2012 ein neues Zuhause. Ich rief an, wir machten einen Termin und allen war klar, dass wir zumindest ein Tier aus der desaströsen Situation retten mussten, da im Raume stand, dass die Katzen wahlweise ausgesetzt oder getötet werden sollten. Wir nahmen Paul noch am gleichen Tag mit. (Hier sei erwähnt, dass mit viel Engagement 2 weitere Brüder von Paul über die Katzenschutzgruppe Winterhude eine Pflegestelle erhielten und sich nach viel Drängen und nicht aufgeben das Ordnungsamt bequemt hat, die Katzen zu retten und ins Tierheim zu bringen, was auch nicht optimal ist, aber besser als die drohenden Alternativen!)
Die Vergesellschaftung musste nun ein wenig unvorbereitet über die Bühne gehen, organisatorisch war es nicht wirklich das Problem.
Wir brachten den Neuzugang nach kurzer Beschnupperung aller drei Katzen mit Paul noch im Korb in unseren Keller (wir bewohnen ein Reihenhaus mit 130 m² Wohnfläche und der Keller besteht aus drei Räumen, ein ausgebauter großer Raum mit zwei Gästebetten, PC und Kommode, gemütlich mit Teppich, ein Kellerraum mit Estrich, der klassich als Abstellraum genutzt wird, allerdings sehr hell und mit Regalen und Schränken, hier stehen auch die beiden Katzenklos der Alt-Katzen und ein kleiner Wäschekeller, ein kleiner Flur und eben die Treppe nach oben), wo wir ihn in der Nähe seines Futters, des Wasser und des Katzenklos rausließen. Wir richteten ihm Kuschelplätze ein und in den ersten paar Tagen verbrachte immer einer von uns die Nacht mit dem Neuzugang, der eine Katzehorde von 11 Katzen und 4 Menschen um sich rum gewöhnt war und immer Kontakt zu etwas Lebendigem hatte. (Ein Katzenklo war unten, das andere für die beiden großen haben wir in die Küche gestellt, was die beiden kennen, denn dort stand es eine ganze Zeit, bis wir beschlossen, es mit in den Keller zu stellen, die beiden Katzen haben sich schnell daran gewöhnt, es gab keine Pinkelei.)
Die Duftnoten der Katzen verteilten wir durch Austausch von Dingen aus dem Keller nach oben und umgekehrt.
Nach zwei Tagen ließen wir die Kellertür oben offen und ließen die Katzen sich beschnuppern.
Karlo verhielt sich seinem Charakter entsprechend zurückhaltend, fauchte ihn nur kur an, roch an ihm, wenn sich die Gelegheit ergab und ging dann wieder weg. Mia ist zickiger, sie greift ihn auch an, wenn der Kleine garnichts macht, ein bißchen heimtükisch. Wir lassen alle Katzen machen, so lange es keine blutigen Auseinandersetzungen gibt, ist alles gut.
Selbstverständlich haben wir Mia und Karlo bevorzugt behandelt, die Rituale eingehalten, ohne den Neuzugang einzubinden, die Futterplätze ganz langsam einander angenährt, darauf geachtet, dass die alten Katzen immer als erstes Futter erhalten, den Kleinen überwiegend ignoriert, viel mit allen gespielt und sie auch gemeinsam mit Leckerlies gefüttert. All diese Aktionen verlaufen immer reibungsloser.
Inzwischen haben wir im Keller 3 Katzenklos, die auch von allen genutzt werden (weitestgehend...). Der Kleine war zunächst nicht ganz stubenrein, da er sich mit 11 Katzen ein einziges Klo teilen musste und die Katzen überall hin gemacht haben. So haben wir ihn jede Stunde einmal nach unten gebracht, damit er sich an den Gang zu den Klos gewöhnt (er hatte zwei bis dreimal auf unseren Läufer vor der Eingangstür gepinkelt, diese ist inzwischen entfernt, dann noch mal vor die Tür aber seitdem nicht wieder und ein Häufchen fanden wir in der ersten Woche, das war aber das einzige Mal) und zwischenzeitlich ist bei ihm alles gut.
Nachdem Paul eine gute Woche bei uns war, fing Mia an, zu markieren. Ich besorgte mir die Feliway Stecker (zwei Stück) und brachte einen im Wohnzimmer und einen an einer zentralen Stelle im Keller an, damit alle Räume beduftet werden. Nach fast fünf Wochen ist die Situation so, dass Mia noch immer markiert (weniger, aber vor allem in der Küche auf der Arbeitsfläche) und angefangen hat, auf alles rauf zu pinkeln, was so da ist. Sie pinkelt auf die Schultaschen der Kinder, wenn die mal auf dem Fußboden stehen, sie pinkelt vor die Haustür, auf der Spüle auf das dort liegende Handtuch und und und. Sie pinkelt nicht im Wohnzimmer und nicht in den Keller, sie beschränkt sich beim Pinkeln auf das Erdgeschoss. Ab und zu hat sie (oder eine andere Katze, wahrscheinlich, als Paul noch nicht so ganz stubenrein war) nachts bei den Kindern in den Zimmern hingepinkelt. Da die Kindern ihre Türen komplett zu lassen, haben wir dort kein Problem mehr (allerdings schränkt sich dadurch der Raum ein wenig ein). Am Freitag muss Paul zur zweiten Impfung, da nehme ich Mia mit, um zu klären, ob es eine gesundheitliche Ursache hat oder ob es Protest und Unsicherheit / Angst ist.
Unsere Katzen sind keine Freigänger, dürfen mit uns zusammen auf die Terasse mit einem ca. 25 m² großen Garten und toben da schon mal zusammen, immer im Wechsel, mal Paul mit Mia, mal Karlo mit Paul. Sie spielen auch im Haus zusammen, dann kriegt Mia wieder einen Flitz und verprügelt ihn und schreit ihn an. Zwischendurch kriegen sich auch Mia und Karlo in die Flicken, was aber nur sehr sporadisch und undramatisch abläuft. Der Neuzugang ist nicht verunsichert, ich habe eher den Eindruck, dass er Mia nicht für voll nimmt und nicht so viel Respekt vor ihr hat. Wir bemühen uns darum, uns nicht einzumischen.
Das Problem ist das andauernde Pinkeln. Mia muss es nicht gut gehen, pinkelt immer wieder vor die Tür, ich arbeite immer mit Urine off oder mit einer Essigmischung, verträufel Menthol, um sie dort wegzuhalten. Da es sich um die Hauseinganstür handelt und der Flur dort die Breite der Tür hat, kann ich nichts auf den Platz stellen, da sonst niemand mehr rein oder raus kommt.
Wie haben, damit Mia mehr Möglichkeiten zum Rückzug findet, zwei neue Liegematten für die Heizkörper gekauft, die sie auch sofort angenommen hat und nutzt. Immer wieder liegen alle drei Katzen bei uns gemütlich schlummernd auf dem Sofa, jeder auf einem anderen Platz, tiefenentspannt.
Ich habe jetzt noch einen weiteren Kratzbaum gekauft, der in den nächsten Tagen geliefert werden müsste. Wir haben im Wohnzimmer in der Eßecke einen deckenhohen Kratzbaum, nun stellen wir in den ausgebauten Keller mit Teppich, wo wir eine der beiden Heizungsliegen angebracht haben, zusätzlich den zweiten Kratzbaum auf, um diesen Raum für die Katzen attraktiver zu machen. Hier halten sie sich nur auf, wenn einer von uns dabei ist.
Darüber hinaus habe ich Feliway Spray bestellt, um es für Mia schöner und entspannter zu machen.
Heute morgen beim Füttern war alles gut, keine drei Minuten später hat Mia einen Riesensee vor die Eingangstrü gesetzt.
Was kann ich machen, damit es für Mia wieder gut ist? Muss ich nach fast 5 Wochen darüber nachdenken, ein neues Zuhause für Paul zu suchen? Und garantiere ich mit der Entscheidung, Paul weg zu geben, dass es Mia danach wieder gut geht? Bin ich nicht geduldig genug? Kann ich irgendwas tun? Darf ich Mia schimpfen, wenn sie markiert (ich weiß, eigentlich nicht, aber wenn sie neben mir steht und auf die Küchenrolle markiert, kann ich mich kaum zusammenreissen.....habe es aber bisher getan)? Darf ich sie schimpfen, wenn sie pinkelt oder verunsicher ich sie damit noch mehr?
Was ist mit Nachblüten oder noch anderen Beruhigungsdingen?
Ich bin für jede Anregung und Hilfe dankbar, ich möchte für ALLE (einschließlich der 2 beinigen Mitbewohner) ein schönes Zuhause!
Vielen lieben Dank!